Unterschlagung bei Lieferanten oder Kunden

Neue Handys verschwinden

Achim - Sechs Mobiltelefone im Wert von 5000 Euro soll ein 27-Jähriger aus Baden zwischen März 2012 und April 2013 unterschlagen haben.

Stets hatte er mit der Version, einen leeren Karton oder die falsche Ware erhalten zu haben, bei Vodafone Ersatzsendungen angefordert. Einige der Geräte soll er anschließend weiterverkauft haben. So steht es in der Anklageschrift, über die wir bereits berichteten. In dem langwierigen Prozess vor dem Achimer Schöffengericht konnte ihm das jedoch nicht nachgewiesen werden. Zunächst konnte keiner der Zeugen, die Handys gekauft hatten am Bremer Hauptbahnhof, am Stern oder im Badener Gewerbegebiet, den Angeklagten als Verkäufer wiedererkennen.

Die Angaben der Firma Vodafone waren nicht in allen Punkten stichhaltig, widersprachen sich zum Beispiel bei Ziffern im Detail. Die befragten Zusteller konnten sich zwar an das Haus in Baden, aber nicht mehr an die konkreten Zustellungen vor Jahren bei dem Angeklagten, seiner Mutter, einem Nachbarn oder gar einer Langwedeler Adresse erinnern. Sie erkennen an der Verpackung zwar genau, dass es sich um ein Handypaket handelt, wiegen die Päckchen aber nicht und können so nicht sagen, ob es Inhalt hat. Die von Kunden beanstandeten Pakete nehmen sie nur zurück, wenn sie unbeschädigt und originalverpackt sind. Das waren sie, und in einem Fall schon kurze Zeit nach der Zustellung. So schnell hätte eigentlich der Angeklagte nicht das Handy aus dem Päckchen holen und es dann wieder original verpacken können.

Während der Angeklagte von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch machte und zur Verfahrensaufhellung nichts beitrug, brachte sein Verdener Verteidiger Dr. Jürgen Meyer eine ganz andere Erklärung ins Spiel.

Er berichtete, dass der Diebstahl von Handys in Postverteilungszentren, nachgeordneten Logistikzentren und bei der Auslieferung durch Paketdienste und ihre Subunternehmer eine allgemeine Erscheinung sei, zu zahlreichen Gerichtsverfahren und auch Verurteilungen geführt habe. Er verwies auf Presseberichte.

Danach sind auch in Bremen und Niedersachsen 2013 und 2014 in großem Stil bei Paketversanddiensten Pakete entwendet oder geöffnet worden, um die Ware zu entnehmen und teils mit falscher Ware, zum Beispiel Parfüm oder alten Mobiltelefonen, auszutauschen. Besonders Handys und Tabletts sind so verschwunden. Die Kunden bekamen dann Pakete mit Parfüm, alten Geräten oder ohne Inhalt zusammen mit den echten Lieferscheinen. Die Päckchen selbst waren unbeschädigt und fein säuberlich wieder verschlossen. Schon die Jahre zuvor hatten die Bremer Staatsanwaltschaft und die Konzernsicherheit der Post zwei Beschäftigte überführt. Ein Postzusteller aus Weyhe konnte 2014 auf frischer Tat ertappt werden, als er Pakete aus seinem Lieferwagen in seine Wohnung schaffte. Auch an anderen Orten der Bundesrepublik hat man reichlich Kundenpakete in der Wohnung eines Zustellers gefunden.

Der Verteidiger legte also eine ganz andere Spur, und auch die dann anstehende Zeugenvernahme eines Zustellers führte in dem Prozess nicht weiter, da der Zeuge zum zweiten Mal nicht erschien. Bei seiner versuchten polizeilichen Vorführung konnte er in seiner angemeldeten Wohnung nicht angetroffen werden. Gegen ihn soll ein Haftbefehl vorliegen.

Dem Schöffengericht unter Vorsitz von Andreas Minge blieb so nach langen Beratungen nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen. Die Verfahrenskosten trägt die Landeskasse, seinen Anwalt bezahlt der Ex-Angeklagte.

mb

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema:

Trump wendet sich vom Klimaschutz ab

Trump wendet sich vom Klimaschutz ab

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Zyklon „Debbie“ verwüstet Australiens Küstenregion

Zyklon „Debbie“ verwüstet Australiens Küstenregion

New Model Army im Aladin

New Model Army im Aladin

Meistgelesene Artikel

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Kommentare