Wachstumsmittel in Kühlschrank gefunden

Unter Doping-Verdacht vorm Amtsgericht

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Achim - Von Lisa Duncan. Unter Doping-Verdacht steht ein 48-jähriger Mann aus Achim: Im Kühlschrank des Familienvaters fand die Polizei ein Medikament, das das Wachstumsmittel Somatropin enthält. Dieser Wirkstoff entspricht dem natürlichen, von der Hypophyse gebildeten menschlichen Wachstumshormon (STH). Somatropin, das per Spritze verabreicht wird, soll unter anderem Wachstumsstörungen ausgleichen. Darüber hinaus wird es in der Bodybuilder-Szene zum Muskelaufbau missbraucht und unter Hollywood-Schauspielern als Anti-Aging-Mittel eingesetzt.

Unklar ist jedoch, ob der Mann, der in seiner Freizeit Bodybuilding betreibt und an sportlichen Wettkämpfen teilnimmt, oder dessen Ehefrau beziehungsweise Sohn das Mittel eingenommen haben.

Bei der Verhandlung am Achimer Amtsgericht erschien aber weder der Angeklagte, noch wurden, wie zunächst geplant, die Sachverständigen angehört.

Stattdessen versuchten Richter, Verteidiger und Staatsanwalt untereinander zu klären, wie sie mit einer Gesetzesnovelle vom Dezember 2015 umgehen sollen. Seitdem gilt in Deutschland ein Gesetz, das Doping – auch Selbstdoping – unter Strafe stellt. Es dient der Bekämpfung von Dopingmitteln und Dopingmethoden im Sport. Einzige Grundlage für solche Straftatbestände bildete bis dahin das Arzneimittelgesetz (§ 6a, Verbote von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport). Der Fall mit dem Somatropin im Kühlschrank liegt jedoch länger zurück als die Gesetzesnovelle. Demnach hatte der Staatsanwalt am ersten Prozesstag noch eine andere Anklage verlesen: Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Anwesenden stritten darüber, welche Gesetzesgrundlage nunmehr anzuwenden sei. Richter Andreas Minge stellte klar, dass die Tat auch nach dem neuen Gesetz nicht anders zu bestrafen sei: „Der Besitz von Dopingmitteln für die Nutzung von Menschen im Sport ist nach wie vor verboten.“ Das neue Doping-Gesetz löse das alte Arzneimittelgesetz ab, so dass ein Übergang nahtlos möglich sei, war sich der Richter sicher. Dennoch waren Detailfragen zu klären. Mit dem Anti-Doping-

Wie wirkt Somatropin auf den Körper?

Gesetz hätten sich die Angaben geändert, was noch als geringe und was nicht mehr als geringe Menge gilt. Ein Absatz, der die Liste verbotener Stoffe enthält, sei ebenfalls überarbeitet worden.

Zwei Fragen sollen die Sachverständigen beim nächsten Verhandlungstermin klären: Ist in dem Medikament die verbotene Substanz Somatropin in entscheidender Menge enthalten? Wie wirkt es auf den Körper?

Der Pflichtverteidiger meinte, dass das Präparat so gar nicht als Dopingmittel verwendet werden könne. Seinen Recherchen zufolge würde Somatropin, allein konsumiert, in seiner Wirkung verpuffen. Potent sei es nur in Kombination mit anderen Mitteln. Er wies auf den möglichen Gebrauch als Anti-Aging-Mittel hin – wie es unter Hollywood-Stars üblich sei – und trug dem Richter eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit (nach § 153a STGB) an. Eine Bestrafung wirke „anders als bei Normalbürgern“ und belaste seinen Mandanten „ganz erheblich“.

Beim nächsten Verhandlungstermin soll, neben den Sachverständigen, auch die Partnerin des Angeklagten befragt werden. Was die Sache noch mehr verkompliziert, denn sie könnte als Ehefrau auf ihr Auskunftsverweigerungsrecht (nach § 55 StPO) pochen und somit nichts zur weiteren Aufklärung beitragen.

Ein Termin steht noch nicht fest.

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