Trauer um früh gestorbenes Kind

Selbsthilfegruppe der Sterneneltern will aufklären

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Stefanie Gebers, Sprecherin der Sterneneltern Achim, hält hier einen Sarg für früh verstorbene Kinder in den Händen.

Achim - „Ein Kind habe ich an der Hand und eines im Herzen“, sagt Stefanie Gebers und meint damit ihre fünfjährige Tochter Hannah beziehungsweise Ben, der am 19. September 2013 in der 17. Schwangerschaftswoche starb. Wenige Wochen später ereilte Kerstin Flato das gleiche Schicksal, Mathilda hatte ebenfalls nur eine sehr, sehr kurze Lebensspanne. 

„Wir konnten unsere Kinder nur wenige Stunden in den Armen halten“, berichtet Gebers. „Aber die traurige Gewissheit, nicht allein zu sein, gab uns die Kraft, eine Selbsthilfegruppe zu gründen.“

Seit 2014 gibt es die „Sterneneltern Achim“. Zum ersten Treffen im Kasch seien drei Mütter, ein Pärchen und ein Opa gekommen, erinnert sich Gebers. Inzwischen finden sich die Sterneneltern an jedem ersten Montag eines geraden Kalendermonats um 19.30 Uhr im Bürgerzentrum an der Magdeburger Straße ein. Bei manchen Mamas und Papas liege das traurige Ereignis erst wenige Wochen oder Monate zurück, „es kommt aber auch eine Frau, der das vor 47 Jahren passiert ist“.

Verständnis in der Runde

Bei den Treffen könne jeder über das „mitunter traumatische Erlebnis“ sprechen. Und dabei auf viel Verständnis in der Runde hoffen, denn allen sei ja ähnliches widerfahren. Jeder habe natürlich eigene Erfahrungen zu verarbeiten.

Damals, als bei ihr plötzlich die Fruchtwasserblase platzte und sie mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert wurde, sei dort vieles schief gelaufen, erzählt die 35-jährige Bürokauffrau. Weil in der Klinik kein Bett und noch nicht einmal eine Liege für sie zur Verfügung gestanden habe, „brachte ich meinen Sohn auf der Toilette zur Welt“. Kurze Zeit später sei das nicht lebensfähige Frühchen dann verstorben. „Ben war nicht zu retten“, ist Gebers klar. Dass sie nach dem Verlust des Jungen zum Beispiel aber das Recht auf Nachsorge durch eine Hebamme gehabt hätte, habe ihr leider niemand gesagt.

Erinnerungsstücke fehlen

Aufklärung ist deshalb der Sprecherin der „bisher einzigen Sterneneltern-Gruppe im Landkreis Verden“ wichtig. Dazu dienen Vorträge und vor kurzem gab es sogar einen Fachtag im Kasch, bei dem auch ein Bestatter und ein Fotograf anwesend waren. „Im Gegensatz zu Angehörigen von Verstorbenen, die einige Zeit auf der Welt waren, fehlen uns Erinnerungsstücke“, macht Stefanie Gebers auf ein Problem der Sterneneltern aufmerksam.

Die Akzeptanz des Themas, bisher eher ein Tabu, sei zuletzt gestiegen, freut sie sich. „Der Ehrenamtspreis hilft dabei, dadurch kriegen wir mehr Öffentlichkeit.“ - mm

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