Umgang mit Ärger: Volles Haus bei Bianka Reichhardts Frauenfrühstücks-Vortrag

In uns schlummern Eisberge

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Bianka Reichardt aus Oyten: Therapeutin und Buchautorin.

Bierden - Es war ein Thema, das ankam. Oder lag es an der lockeren und witzig-spritzigen Art der Referentin? Oder an beidem? Egal. Die Frau verstand es, das Publikum in ihren Bann zu ziehen und zum Lachen zu bringen. Gelassener Umgang mit Ärger war am Sonnabend Thema des Frauen-Frühstücks im Gemeindehaus Bierden, zu dem 48 Besucherinnen kamen.

„Mehr passen nicht rein, wir haben ein volles Haus“, freute sich Mitorganisatorin Christiane von Rosenberg.

Applaus und lobende Worte gab es nach gut zwei Stunden für Referentin Bianka Reichardt. „Sehr interessant“ und „viele nützliche Informationen“ lauteten Äußerungen. Die Bierdener Freitags-Frauen, die die Veranstaltung organisiert hatten, dankten mit einem großen Blumenstrauß.

Konzentriert und manchmal auch amüsiert verfolgten die zahlreichen Besucherinnen den Vortrag.

Reichardt, Therapeutin, Erziehungswissenschaftlerin, systemische Beraterin und Buchautorin, vermittelte auf amüsante Weise Ideen zur Stressvermeidung in zwischenmenschlichen Konflikten. „Man muss schon etwas experimentieren, um den passenden Weg zu finden“, sagte sie. Wie entsteht überhaupt Stress? „Durch das Gefühl, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein“, erklärte die Oytenerin. „Wir sagen oft, was wir nicht wollen. Das führt dazu, dass wir immer verzweifelter werden“. Bianka Reichardt empfiehlt: Erst überlegen, was man überhaupt will, und es dann positiv formulieren. Das sei allerdings am Anfang recht schwer.

Gut wäre es auch, die Frage zu klären: Warum bringt mich dieser Mensch innerhalb von Sekunden von null auf hundert? Jetzt kam der Eisberg ins Spiel. „Von einem Eisberg sieht man nur die Spitze, der Rest ist unter Wasser“. Übertragen auf das eigene Leben und das anderer Menschen bedeute es: „Jeder Mensch ist angefüllt mit Lebenserfahrungen, inklusive Werte und Normen der Eltern“.

Statt bei Konflikten also zurück zu giften, solle man es mal mit der Überlegung probieren: Er wird schon einen guten Grund für sein Verhalten haben. Das entspanne. Wer möchte, stelle sich auch die Frage: Was mag der andere wohl für einen Eisberg mit sich herumschleppen? „Damit bestimme ich selbst, wer mich ärgern darf. So bleibe ich handlungsfähig.“ Das verhindere auch, Gesagtes nur auf sich zu beziehen.

Bianka Reichardt verstand es zudem, psychologische Zusammenhänge verständlich und humorvoll zu vermitteln. „In uns sind ‚Kinder' verborgen, die immer dann zum Vorschein kommen, wenn es stressig wird“, sagte sie. Fröhliche, traurige, wütende und viele mehr. „Die entsprechenden Anteile agieren– vor allem, wenn es um Vorwürfe geht“. Letzteres sind Sätze, die mit „Warum“ beginnen und in denen die Worte „nie“ oder „immer“ enthalten sind. „Unsere Verteidigung wird aktiviert, man entgegnet: ‚Du aber auch'“, führte sie aus.

Abhilfe schaffe es, sich zu fragen: Was ist mein Bedürfnis? Dieses sollte dann in einem Ich-Satz formuliert oder das „Warum“ durch „Aus welchem Grund“ ersetzt werden. So werde der verspürte Vorwurf abgemildert.

Wenn es mal nicht klappt und der Ärger einen übermannt: Das sei menschlich. „Man kann sich nicht immer im Griff haben, Menschen sind keine Roboter. Italienische Momente gehören mit zum Leben“, räumte die Referentin ein.

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