Umfrage bei Passanten: Einbahnstraße mit Autoverkehr statt Fußgängerzone? / Die erdrückende Mehrheit ist dagegen

Warum zu Läden fahren, die es nicht gibt?

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Selten ist in der Fußgängerzone auch nur annähernd so viel Betrieb wie bei den Stadtfesten.

Achim - „Was halten Sie davon, wenn die Fußgängerzone zu einer Einbahnstraße würde, in der Autos wieder fahren dürften“, fragten wir Passanten in der Achimer Fußgängerzone zufällig und nicht repräsentativ. Dennoch eine klare Tendenz: Die erdrückende Mehrheit lehnt das ab, was Selbständige und der CDU-Fraktionsvorsitzende anregen. Diese meinen, dass mehr Kunden nach Achim kämen, wenn sie die Geschäfte direkt anfahren könnten.

Walter Schwarmann aus Oyten sagte uns: „Ich halte gar nichts davon. Dann kann der Wochenmarkt hier nicht mehr stattfinden, und ich werde nicht mehr hierhin fahren. Die Fußgängerzone sollte hier bleiben. Die Radfahrer sind schon genug. in Kollege aus Oyten, der nicht seinen Namen nennen will, fügt hinzu: „Die kaspern doch schon seit Jahren mit der Innenstadt herum. Mir ist das egal.“

Jürgen Bornemann hat klare Positionen: „Ich bin nicht dafür, weil ich es gut finde, wenn ich mich hier frei bewegen kann. Man muss nicht vor‘s Geschäft fahren. Man kann sich auch bewegen.

Das Pflaster in der Fußgängerzone finde ich nicht gut. Das ist zu holprig. Das Rathaus gefällt mir auch nicht. Das alte Bibliotheksgebäude sollte stehen bleiben. Das ist ein schönes Gebäude. Der Baumplatz darf nicht bebaut werden.

Bei Dodenhof kann ich frei parken. Wenn ich in Achim mal einkaufe, habe ich nach 15 Minuten einen Bon über 15 Euro, weil die Politesse ihren Dienst gemacht hat. Wir haben hier doch schon zu viel Leerstände.“

Bernd Schmidt aus Morsum kennt die Nachbarstadt: „Die Achimer Innenstadt ist ziemlich tot. Der Wochenmarkt ist das einzige, was die Innenstadt hier aufrechterhält. An den Markttagen ist die Stadt schön belebt. Hier trifft man sich, eine Anlaufstelle für Bekannte und Alte. Wenn es Durchgangsstraße würde, wäre das nicht mehr möglich und würden auch Feste wie das Wein- und Stadtfest ausfallen.“

Erika Meyer, mit ihrem Ehemann unterwegs, gibt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Gar nichts halten wir davon. Was soll das bringen, vor die Tür von Geschäften zu fahren, die nicht da sind? Bei Dodenhof kann man auch nicht vor die Türe fahren. Wir kennen das hier seit 40 Jahren, als noch die Autos hier durchfuhren. Wer zur Marktpassage will, kann jetzt schon in deren Tiefgarage fahren.

In Bremen drängt man die Autos aus der Innenstadt raus, in Achim will man sie reinlassen. Das ist doch Unsinn.

Wichtiger ist, dass die Geschäfte das haben, was ich suche, und dass sie geöffnet haben, sonst fahre ich doch gleich woanders hin. Und was soll ich mir hier angucken: die Sparkasse oder leere Läden?“

Johann Meyer sekundiert: „Für Anwohner, Gehbehinderte, Taxis und Anlieferer zu gewissen Zeiten sind Autofahrten in der Fußgängerzone in Ordnung. Ansonsten sollte die schöne Fußgängerzone aber nicht durch eine Einbahnstraße zerstört werden. Wichtig ist, dass die Leute hier das einkaufen können, was sie suchen, zum Beispiel technische Geräte. Warum deshalb kein Einkaufszentrum mit Wohnungen auch für Single zum Beispiel auf dem Lieken-Gelände am Bahnhof?“

Lisa Ranke, eine alte Achimerin und frühere Rektorin der Marktschule, hat ebenfalls eine klare Meinung: „Ich halt das nicht für gut. Gerade für uns alte Menschen ist es wichtig, dass man in Ruhe einkaufen kann. Ich finde es gut, dass ich auf dem Baumplatz parken kann, denn das lange Tragen fällt doch schwer. In Ruhe und Sicherheit einkaufen können, das ist wichtig. Ich möchte keine Angst haben, dass ein Auto von hinten oder von der Seite kommt.“

Ursel Petri gibt uns ihre Antwort zu Protokoll, obwohl wir sie noch gar nicht angesprochen hatten: „Ich halte gar nichts davon, weil ich diese Atmosphäre, in Ruhe durch die Stadt gehen zu können und den Wochenmarkt zu erleben, schätze. Gut, dass ich hier lang gehen kann. Es gibt genug zentrumsnahe Parkplätze. Die paar Schritte zu den Geschäften werde ich auch in zehn Jahren noch mit dem Rollator gehen können. Ich will nicht nach links und rechts gucken und zur Seite springen müssen. Ich kenne Achim doch noch aus der Zeit, als die Autos hier durchfuhren.“

Helmut Kronewald wägt Einerseits und Andererseits ab: „Dann müsste ja alles rausgerissen werden, denn das Pflaster hier hält kein Auto aus. Das hat ja viel Geld gekostet. Ich weiß nicht, ob es zu verantworten ist, das nach kurzer Zeit wieder herauszureißen. Ansonsten gibt es ja zum Beispiel eine Einbahnstraße in Bad Zwischenahn zum Beispiel. Das gefällt mir. Aber aus Kostengründen würde ich es hier ablehnen.“

Bernd Puvogel, Rechtsanwalt und Notar mit Kanzlei in der Fußgängerzone, vertritt die kleine Minderheit in unserer Umfrage: „Wenn eine Einbahnstraße, dann mit geringer Geschwindigkeit. Eine Einbahnstraße würde mehr Leben in die Stadt bringen. An Wochenmarkttagen könnte sie ja gesperrt werden.“

Und was meinen Sie? Schreiben Sie es uns.

mb

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