Umfrage zum Auf- und Abrunden: Viele Achimer Geschäftsinhaber finden Ein- und Zwei-Cent-Stücke verzichtbar

(Klein-)Geld stinkt nicht – oder etwa doch?

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Wie würde die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen in Achim ankommen? Darüber sind Kunden und Geschäftsleute geteilter Meinung.

Achim - Geld stinkt nicht, heißt es. Aber wer braucht eigentlich noch Ein- und Zwei-Cent-Stücke? Wie wäre es, wenn man die Kleinstbeträge ganz aus dem Zahlungsverkehrverbannen würde? Die Stadt Kleve in Nordrhein-Westfalen macht es vor: Die Kommune hat 800 Einzelhändler angeschrieben, mit der Bitte, ab Februar ihre Kunden an der Kasse bei Cent-Beträgen auf- oder abrunden zu lassen. Das Achimer Kreisblatt hat Einzelhändler und deren Kunden gefragt, was sie von dieser Idee halten.

Hintergrund: Seit 1. Januar 2015 gilt eine EU-Verordnung, nach der Banken Zusatzgebühren für eingezahlte Kleingeldrollen erheben dürfen. Eine Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen würde vieles vereinfachen, so die Argumentation der Stadt Kleve. Auch in den Niederlanden und Finnland wird das Auf- und Abrunden beim Einkauf schon lange praktiziert.

„Ich mache das sowieso seit Jahren“, erzählt Eva Krüger, Geschäftsinhaberin der „Süßen Ecke“. Man kann sich dort nach Art eines Tante-Emma-Ladens seine Süßigkeiten zusammenstellen. Die Einzelpreise sind stets in Fünf-Cent-Schritten angegeben. Für Banken, die für Kleinstbeträge Gebühren erheben, hat Krüger kein Verständnis. „Das gehört doch zum Service.“

Ähnlich verfährt Ingrid Hashagen, Inhaberin des Tee-Hauses. Und wenn beim Auswiegen der losen Ware mal krumme Beträge zusammenkommen, werde abgerundet. „Ich denke, dass das für Kunden von Vorteil wäre“, steht sie dem Modell generell aufgeschlossen gegenüber.

Etwas anders sieht das Elke Schäl, die den Laden „Das Geschenk“ mit zwei Standorten an der Obernstraße betreibt. Obgleich sie die Preise so gestaltet, dass sie an der Kasse höchstens mal mit Fünf-Cent-Münzen hantieren muss, glaubt sie nicht, dass die Kunden eine flächendeckende Umstellung akzeptieren würden. „Es gibt welche, die achten auf jeden Cent.“ Wobei Schäls Kundschaft schon bereit ist, Kleingeld herzugeben – sofern es für einen guten Zweck ist. Das lässt die gut gefüllte Spendenbox für das „Kinderhospiz Löwenherz“ auf dem Kassentisch erahnen.

Auch Matina Schönian, Filialleiterin des Toto-Lotto-Ladens und der Post-Annahmestelle an der Obernstraße 23, glaubt nicht an einen Siegeszug des Fünf-Cent-Stücks: „Ich vermute, das würden die Kunden nicht gut finden, weil bei der Post ohnehin schon so ein Auf und Ab mit Preisen herrscht.“

Diese Einschätzung bestätigt ein Kunde, der gerade in dem Geschäft ein Paket aufgegeben hat. „Das ist der erste Schritt zur Abschaffung von Bargeld, zum gläsernen Menschen“, sagt der Mann, der lieber anonym bleiben möchte. „Ich finde das absolut negativ, da kann man nicht mal mehr den eigenen Kindern was zustecken, ohne, dass es registriert wird.“

Markus Hauptig, Marktinhaber von Rewe in Uesen, sieht eher den praktischen Aspekt. „Je weniger Kleingeld man bewegen muss, umso einfacher ist es.“ Was die Akzeptanz bei den Kunden betrifft, wagt er keine Prognose: „Ich schlage vor, wir gucken uns erstmal an, wie es in Klewe läuft.“

Grundsätzlich gut findet Andrea Schmidt, Geschäftsführerin der Esso-Tankstelle an der Obernstraße 129, den Verzicht auf Kleinstbeträge. An der Zapfsäule ergeben sich oft Summen, die auf den Cent genau bezahlt werden müssen. „Also haben wir manchmal Kunden, die ihr Kleingeld bei uns loswerden wollen.“ Insofern findet Schmidt, dass das Auf- und Abrunden vieles vereinfachen würde. „Pfennigfuchser“, die schon jetzt eine Manipulation der Zapfsäulen wittern, könnte eine solche Neuregelung allerdings verärgern, glaubt sie.

„Ich persönlich wäre begeistert“, sagt Kay Wolff, Inhaber der Paulsberg-Apotheke am Markt. Jedoch könnten sich die Apotheken gar nicht beteiligen. Dafür wäre eine Gesetzesänderung notwendig: „Die Arzneimittelpreisverordnung schreibt uns nämlich auf den Cent genau vor, was die Medikamente kosten sollen“, so Wolff. Aber ein Überschuss an Kleingeld komme am Ende eines Tages nicht zusammen. „Ich mache die Rollen immer nur auf, habe in 25 Jahren fast nie Münzen zur Bank zurückgebracht.“

Die Kreissparkasse (KSK) Verden nimmt übrigens für Hartgeld-Einzahlungen grundsätzlich keine Extra-Gebühr – zumindest nicht bei ihren Kunden, sagt Dr. Beate Patolla, Leiterin Unternehmenskommunkation bei der KSK Verden. Geschäftskunden zahlen an der Kasse (egal ob für Scheine oder Münzen) eine Gebühr von 52 Cent, am Zählautomaten lässt sich diese Gebühr umgehen. Mit Geschäftskunden, die sehr hohe Hartgeld-Einzahlungen haben, gibt es individuelle Vereinbarungen. In der Abschaffung der kleinen Kupfermünzen sieht die KSK keine Lösung, so Patolla weiter. „Der Trend geht dahin, Bargeld überhaupt zu vermeiden.“ Mit „Girogo“ bietet die Sparkasse ein kontaktloses Bezahlen für Kleinstbeträge (maximal 20 Euro) an. Dies mache den Zahlungsverkehr einfacher und hygienischer.

ldu

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