Aktionstag zur Rettung des Tourismus

Achimer Hotels zeigen eher wenig Flagge

Planen den Neustart: Jürgen W. Keller und seine Tocher Larissa Buschmann vom Hotel Gieschen.
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Planen den Neustart: Jürgen W. Keller und seine Tocher Larissa Buschmann vom Hotel Gieschen.

Achim – Flagge zeigen – das wollen die touristischen Betriebe in Niedersachsen am heutigen Donnerstag. Um deutlich zu machen, dass dem Gastgewerbe „das Wasser bis zum Halse steht“, haben sich 20 Verbände, Organisationen und Interessenvertretungen zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen, das wiederum zu einem Aktionstag aufgerufen hat. Überall im Land sollen Hotels, Restaurants und Gaststätten weiße Tischdecken und Bettlaken aus dem Fenster hängen.

Allerdings: In Achim werden davon kaum welche zu sehen sein, die Reaktionen auf den Aufruf fallen eher gemäßigt aus.

Der Grund: Vor zwei Tagen erst hatte die Landesregierung angekündigt, den Tourismus ab dem 10. Mai wieder zu öffnen. Der Aktionstag fährt der „Handreiche“ der Regierung quasi in die Parade, wenngleich die Beteiligten auch deutlich machen, dass die neue Verordnung viele Fragen aufwerfe und Zweifel an der Sinnhaftigkeit bestünde. Aber immerhin, so einige der Betroffenen, seien die Türen geöffnet worden, was Zweifel nährt, ob der Zeitpunkt für diese Aktion richtig gewählt ist.

„Wir werden uns daran nicht beteiligen“. sagt etwa Larissa Buschmann, Mit-Geschäftsführerin des Hotels Gieschen: „Unsere Priorität liegt ganz klar auf der Planung des Neustarts, wir haben für diese Aktion auch keine Kapazitäten frei.“ Sie sagt aber auch, dass sie die Aktion an sich durchaus gut fände: „Es ist wichtig, diese Problematik immer wieder an die Öffentlichkeit zu bringen.“

Auch das Best Western Hotel in Achim-Uphusen hängt keine weißen Laken aus den Fenstern. „Wir sind gar nicht mit eingebunden in diese Aktion“, sagte Sven-Olaf Weber, der General Manager des Hotels am Mittwochmittag unserer Zeitung. „Aber dass es uns nicht gut geht, das weiß ja auch jeder.“

Dass es unterschiedliche Meinungen über das „Wie“ des Flagge-Zeigens und über den richtigen Zeitpunkt einer solchen Aktion gibt, zeigt auch die Einschätzung von Gördt Glander, dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Verden des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Er benennt das Problem sogar deutlich: „Für mich kommt diese Aktion zu spät“, so Glander, der auch einen Grund dafür anführt: „Im März wollte die Dehoga bereits Druck auf die Politik machen, dann stiegen die Inzidenzzahlen, und dann hatte sich das zunächst erledigt.“

Jetzt allerdings sei man quasi „von den Ereignissen überrollt worden“. Und: „Was sollen wir demonstrieren, wenn uns die Türen aufgemacht werden?“ Entsprechend überrasche es ihn nicht, wenn sich auch in Achim nur wenige Betroffene beteiligen würden. Andererseits könne man mit der Aktion aber aber auch „unseren Wünschen und Forderungen Nachdruck verleihen“. Die Branchen hätten es durchaus nötig, etwas zu tun, damit es bald endlich wieder aufwärts gehen könne.

In das gleiche Horn stößt auch der Geschäftsführer der auch für Achim zuständigen Mittelweser-Touristik, Martin Fahrland: „Es ist wichtig, jetzt in den Dialog zu treten – wir brauchen ja zwingend Perspektiven.“ Insofern sei die Ankündigung der Landesregierung erst einmal positiv zu werten, „dafür bedanken wir uns auch“, so Fahrland. Wenngleich man über das, was angeboten worden sei, weiter diskutieren müsse: „Wenn gerade mal 60 Prozent Auslastung erlaubt sind, werden viele Hotels gar nicht erst aufmachen.“ Zudem müssten die vorgeschlagenen Maßnahmen ja auch umsetzbar sein – und da würden viele Fragen offen bleiben, gerade, was die vorgesehenen Testungen betrifft. Das findet auch Jürgen W. Keller, Hauptgeschäftsführer des Hotels Gieschen: „Dieses kleine Öffnen bereitet uns durchaus Probleme“, sagt er, und: „Mir wäre lieber gewesen, wir hätten noch zwei Wochen gewartet mit der Öffnung.“

Eines ist allen Beteiligten mit dem Aktionstag aber auf jeden Fall gelungen: Die Aufmerksamkeit für dieses Thema ist wieder gestiegen. „Und darum geht es ja“, sagt Fahrland: „Wir müssen präsent sein und präsent bleiben.“ Insofern könne man die Aktion gut als Verstärkung des gestarteten Dialogs betrachten: nach dem Motto „wir sind da, wir zeigen Flagge“.

Von Frank Schümann

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