Nötigungsanklage gegen 27-Jährigen / Eingestellt

Auf Überholen folgt ein Kleinkrieg

Achim - Fast hätte der Kleinkrieg mit Überholen und Ausbremsen auf der Landesstraße von Uesen nach Bassen im September vorigen Jahres zur Katastrophe geführt.

Abends gegen 21.30 Uhr war ein heute 25-Jähriger aus Thedinghausen mit seiner Verlobten dort unterwegs gewesen. Sie steuerte den Wagen und regte sich über den Vorausfahrenden auf, weil der auch nach dem Achimer Ortsausgangsschild strikt Tempo 50 einhielt, obwohl 70 erlaubt sind.

Als sie das andere Auto bei passender Gelegenheit schnell überholte, revanchierte sich dessen 27-jähriger Fahrer sofort. Er zog wieder an dem anderen Wagen vorbei und scherte davor rechts ein. Die Fahrerin musste nach eigener Aussage und der ihres Verlobten stark abbremsen, um den Aufprall zu vermeiden. Sie wich zugleich nach links aus und überholte erneut, wobei sie plötzlich einen Wagen aus der Gegenrichtung bemerkte, dessen Fahrer schon warnend die Lichthupe betätigte.

Gerade noch sei es ihr gelungen, dicht vor dem Auto des 27-Jährigen wieder auf die rechte Fahrbahn zu gelangen und damit dem Frontalzusammenstoß zu entgehen, berichtete sie als Zeugin vor dem Achimer Amtsgericht. Der Wagen rechts neben ihr habe nämlich tempomäßig mitgezogen und der Fahrer sie nicht wieder einscheren lassen wollen.

Im Verfahren gegen den 27-Jährigen ging es jetzt um Nötigung.

Die Geschichte vom September lief aber weiter. Die Frau nämlich stoppte ihr Auto wenig später am Straßenrand. Auch der andere hielt an.

Der 25-jährige Thedinghauser, von Beruf Lkw-Fahrer, stieg aus und stellte ihn zur Rede. „Was soll dieser ganze Scheiß?“ hatte er nach eigener Erinnerung gefragt.

Der Angeklagte betonte, ihm seien auch Schläge „auf die Fresse“ angedroht worden. Der andere Wagen sei im Übrigen schon ab Ueser Kreuzung dicht aufgefahren und habe ihn bedrängt. Bei der direkten Auseinandersetzung am Ende wirkte offenbar die Fahrerin schlichtend auf die jungen Männer ein, so dass es nicht zur Prügelei kam.

Die Gerichtsverhandlung endete zwar nicht wie vom Verteidiger zunächst gefordert mit Freispruch, aber mit Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße von 1 600 Euro.

Wenn der Angeklagte sich wirklich ohne eigene Schuld bedrängt und bedroht gefühlt habe – warum erstattete dann nicht er, sondern die Fahrerin des anderen Wagens Anzeige? Das hielt Richter Andreas Minge dem 27-Jährigen vor und bezweifelte damit dessen Version der Vorfälle etwas. Der junge Mann antwortete, nach den Vorfällen habe er lieber Ruhe und nicht noch ein Verfahren vor Gericht haben wollen.

Wechselseitig hätten sich hier die Beteiligten wohl „hochgeschaukelt“, räumte der Anwalt des Angeklagten ein. Nach kurzer Beratung mit seinem Mandanten akzeptierte er ebenso wie die Anklagevertreterin die Entscheidung des Gerichts. - la

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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