Ehrenbürgermeister Rippich zu Kommunalwahlen

„Über Lebensumfeld in Achim mitbestimmen“

Christoph Rippich an seinem Lieblingsplatz im Garten des Domizils an der Bierdener Dorfstraße.
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Politik ist noch immer seine große Leidenschaft: Christoph Rippich an seinem Lieblingsplatz im Garten des Domizils an der Bierdener Dorfstraße.

Achim – Baerbock, Laschet oder Scholz? Die Zugpferde der großen Parteien für die Bundestagswahl am 26. September werden in den kommenden fünf Monaten viele Schlagzeilen beherrschen. Und die Masse der Bevölkerung wird mitbestimmen wollen, wer Deutschland nach der Ära Merkel regiert. Aber bereits zwei Wochen vorher, am Sonntag, 12. September, sind die heimischen Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, über den künftigen Achimer Bürgermeister und die Zusammensetzung des Stadtrats sowie auch teilweise des Verdener Kreistags zu befinden.

„Ich fühle mich als Ehrenbürgermeister verpflichtet, auf die Kommunalwahlen hinzuweisen“, sagt Christoph Rippich, Stadtoberhaupt von 1968 bis 2006, im Gespräch mit dieser Zeitung. Denn diese drohten durch die Bundestagswahl und den Pulverdampf im Vorfeld „unterzugehen“.

Rippich, der in wenigen Wochen 83 Jahre alt wird, spricht aus Erfahrung, was Politik an der „Basis“ angeht. Der Sozialdemokrat war nicht nur 38 Jahre lang Bürgermeister in Achim, sondern gehörte sogar 41 Jahre dem Stadtrat an. Darüber hinaus mischte er 31 Jahre im Kreistag mit und fungierte 13 Jahre als Landrat. „Die örtliche Ebene ist für den Bürger außerordentlich wichtig“, weiß der Vollblutkommunalpolitiker. Denn dort werde über den Bau und Betrieb von Kindergärten, Schulen, die Stadtentwicklung und weitere Fragen, die das unmittelbare Lebensumfeld der Einwohner betreffen, entschieden.

Deshalb sei es umgekehrt für Kommunalpolitiker unabdingbar, „Bürgernähe“ zu praktizieren. „Für mich war ein persönliches Gespräch mit Menschen immer wichtig“, betont Christoph Rippich, der als Bürgermeister-Kandidat mitunter mehr als zwei Drittel der Wählerstimmen einsammelte. Funktionsträger sollten nach seinem Dafürhalten das Ohr nah am Volk haben, über die „besondere Bereitschaft zum Zuhören“ verfügen und kompromissfähig sein. „Für mich kommt es nicht darauf an, die eigene Meinung durchzusetzen, sondern die beste Lösung zu finden.“

Das Wahlrecht in einer Demokratie wahrzunehmen sei das eine, in einem weiteren Schritt könnte man sich aber auch selbst zur Wahl stellen, sagt Rippich und ermuntert Frauen und Männer, jüngere und ältere Menschen, für eine Partei oder Wählergemeinschaft oder auch als Einzelbewerber für den Stadtrat oder den Kreistag zu kandidieren. „Alle Generationen sollten angemessen vertreten sein“, findet der 82-Jährige. Streitigkeiten zwischen Alt und Jung halte er für widersinnig, merkt er an.

Eine Ratstätigkeit sei allerdings auch „mit Arbeit und Einsatz verbunden“. Berufstätige und Leute mit Familie könnten sich bei einem politischen Engagement in ihrer Freizeit „natürlich nicht um alle Bereiche kümmern, sondern sollten sich nur auf Kernaufgaben konzentrieren“, rät Rippich.

Den Ex-Bürgermeister und - Landrat, der auch 16 Jahre lang Landtagsabgeordneter und damit Berufspolitiker war, treibt das Thema schon lange um. 1979 verfasste er für den Niedersächsischen Städteverband einen Text mit dem Titel „Wiederherstellung / Stärkung der gemeindlichen Selbstverwaltung“. Das Verhältnis der Bürger zu ihrem Staat werde wesentlich im Bereich der Gemeinden deutlich, finde also hier statt, schrieb Rippich. „In den Gemeinden erlebt der Bürger das meiste von dem, was er als Staat empfindet. Im Rahmen des Aufbaues der politischen Ebenen in der Bundesrepublik ist zwangsläufig für die Bürger die unmittelbare Mitwirkungsmöglichkeit in den Gemeinden erheblich größer als auf Bundes- und Landesebene“, erläuterte er. Das gelte auch heute noch.

Die gemeindliche Selbstverwaltung sei die „Keimzelle der Demokratie“, befand Rippich 1986 in einem Aufsatz über „Die Arbeit der Parteien in den Gemeinden“. Dort, wo die Menschen wohnen, arbeiten und ihre Freizeit erleben, dort hätten sie auch den engsten Kontakt zum demokratischen Alltag. „In den Gemeinden verwirklicht sich für sie Lebensqualität.“

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