Turbulente Gerichtsverhandlung um Gewalt am Rande eines Spielplatzes

Gürtel, Besenstiel und Fahrradschloss als „Waffen“

Achim - Eine heftige Auseinandersetzung am Rande eines Spielplatzes im April in Achim führte jetzt zu einer turbulenten Verhandlung vor dem Achimer Amtsgericht mit deutlichem Urteil trotz vieler offener Fragen.

Fest steht, dass der 23-jährige Angeklagte am 7. April mit seiner kleinen Tochter auf einem Spielplatz in den Alten Finien in Uesen war. Ein Bekannter von ihm soll mehrfach gegen eine Schaukel getreten haben.

Das gefiel einem Achimer Paar im Nachbarhaus nicht, weshalb die Frau vom Balkon rief, er solle das lassen, die Schaukel nicht zerstören und das Kind nicht gefährden. Es entwickelte sich ein Wortwechsel mit allerlei beleidigenden heute gängigen Äußerungen. Der Angeklagte mit Kleinkind an der Schaukel stand wie an anderen Tagen auch in digitalem Kontakt zu seinen Freunden, und von denen kamen dann auch mehrere in die Alten Finien, warum auch immer.

Während der Angeklagte behauptet, der Mann auf dem Balkon habe ihn aufgefordert, sich einer Schlägerei an der Haustüre zu stellen, behauptet das Paar, die jungen Leute mit Migrationshintergrund hätten an der Haustüre geklingelt und sie fast überfallen. Die Anklage lautete jedenfalls, dass dieser Angeklagte und der zweite 22-jährige Angeklagte sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hätten mit einem Besenstiel, einem Fahrradschloss und einem Gürtel mit Metallschnalle. Letzteren soll der zweite 22-jährige Angeklagte der Frau über den Kopf gezogen haben. Die Anklage beruht auf den polizeilichen Vernehmungen der „Opfer“. Der Mann hatte behauptet, er sei von hinten mit dem Fahrradschloss geschlagen worden. Dokumentiert sind die Verletzungen nicht. Der Mann verwies auf Hautabschürfungen am Ringfinger, die aber nach Einschätzung von Richter Matthias Hahn nicht von einem Schlag stammen konnten.

Ein Schlag mit einem Besenstiel konnte in der Verhandlung nicht nachgewiesen werden. Das vermeintlich geschlagene Achimer Paar konnte nur bezeugen, dass der 23-jährige mit dem Kleinkind einen solchen in der Hand gehabt habe.

Die polizeiliche Vernehmung der Tatverdächtigen kam in dieser Gerichtsverhandlung überhaupt nicht zur Sprache. Sie bestreiten alle Angriffe. Der angebliche Gürtel-Gewalttäter behauptet, eine Jogginghose ohne Gürtel getragen zu haben. Ein Gürtel wurde auch nicht sichergestellt.

Bedauern, dass sie

nicht getroffen haben

Von beiden Parteien übereinstimmend wurde berichtet, dass der Bewohner des Hauses sich nach der Rangelei am Hauseingang eine große Blumenschale vor dem Haus gegriffen, die Kontrahenten verfolgt, in die Flucht geschlagen und dass die Frau mit einem Schlüsselbund geworfen habe. Beide bedauern, nicht getroffen zu haben.

Vergeblich hatten die jetzt Angeklagten am 7. April die Polizei aufgefordert, bei dem Paar einen Drogentest vornehmen zu lassen. Vergeblich fragten sie jetzt Richter Hahn, warum zu der Gerichtsverhandlung nicht der Bekannte an der Schaukel und eine Achimerin geladen seien, die zwar gut bekannt mit dem Paar sei, aber die Wahrheit sagen werde.

Die schon aufgeschaukelte Verhandlung eskalierte, als Angeklagte und Zeugen lachten und offensichtlich alles lustig fanden. Nur mit der Drohung von saftigem Ordnungsgeld oder Haft konnte dieses respektlose Verhalten gestoppt werden.

Die auch deshalb aufgebrachte Staatsanwältin forderte so jeweils sechs Monate auf Bewährung wegen gefährlicher gemeinschaftlicher Körperverletzung.

Der Amtsrichter allerdings sprach den Angeklagten mit dem Kleinkind frei, weil ihm allenfalls ein Besenstiel in der Hand nachgewiesen werden könne. Den anderen Angeklagten und angeblichen Gürtelschläger verurteilte er dagegen zu neun Monaten auf Bewährung.

Für die mit wenigen meist Jugendstrafen vorbelasteten Angeklagten und Zeugen ist das Willkür gegen Menschen, die aus dem Ausland gekommen sind, wie sie lautstark schimpften.

mb

Rubriklistenbild: © dpa

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