Widerstand einer alkoholkranken Frau

Tritt und Biss gegen Polizei versucht

Achim - Widerstand gegen Volstreckungsbeamte und versuchte Körperverletzuung lauteten die Überschriften zu einer eher traurigen Geschichte, die am Achimer Amtsgericht verhandelt wurde.

Im Mittelpunkt die Angeklagte, eine 51-jährige Oytenerin, eine trockene Alkoholikerin, die am 12. Dezember des Vorjahres jedoch rückfällig geworden war. Nach ihren eigenen Angaben hatte sie in einer tiefen seelischen Krise an dem Abend eine Flasche Wein und ein Bier getrunken, hielt sich dann abends jedenfalls auf dem Oytener Friedhof an der Schulstraße auf, rief von dort eine Freundin an und teilte ihr Suizidabsichten mit. Die erschrockene Freundin verständigte daraufhin die Achimer Polizei, die die Oytenerin auf dem Friedhof im strömenden Regen vorfand.

Die Frau sei „sturzbetrunken“ gewesen und habe nur gestützt noch mitgehen können, berichtete gestern die Polizistin von ihrem damaligen Einsatz. Strafrechtlich problematisch wurde es erst, als die auf die Achimer Polizeiwache gebrachte Frau nach der Blutprobe erfuhr, dass sie wohl auch in die Psychiatrische Klinik nach Rotenburg zwangseingewiesen würde. Da wurde sie gewalttätig, warf mit dem Handy, versuchte, die Polizistin zu beißen und den Polizisten zu treten. Es gelang wohl nicht.

So einen Vorfall mit Suiziddrohung habe sie doch schon zehnmal gehabt und jetzt werde in Achim so eine Show daraus gemacht, hatte sie sich im Dezember beschwert. Die Frau, die außer Rand und Band war, wurde in Handfesseln gelegt und zwangsweise in die Rotenburger Klinik gebracht. Die Polizistin und ihr Kollege hatten keine psychischen und physischen Folgen davongetragen, wie die junge Ordnungshüterin gestern betonte.

Der als Gutachter hinzugezogene Leiter der Rechtsmedizin der Uni Göttingen hatte ausgerechnet, dass die Oytenerin an dem Abend einen Alkoholspiegel von rund 2 bis maximal 2,4 Promille gehabt haben muss, dass sie zum Zeitpunkt ihres Widerstands im Polizeikommissariat demnach nicht schuldunfähig, aber vermindert schuldfähig gewesen sei. Sie habe unter einer akuten schweren exogenen Störung gelitten und deshalb untypisch und wesensfremd reagiert. Ähnliche Körperverletzungsversuche sind von ihr nicht bekannt, allerdings eine Trunkenheitsfahrt mit Führerscheinentzug aus dem Vorjahr.

Die sichtlich mitgenommene Angeklagte aus Oyten gestern zur Polizistin: „Ich möchte mich noch einmal ausdrücklich entschuldigen. Es tut mir leid, was ich gemacht habe.“

Für ihren Verteidiger Lüder Göttsche war das alles Anlass, das Verfahren einzustellen, doch da machte weder der Staatsanwalt noch Richter Andreas Minge mit.

Der Staatsanwalt hielt eine Verwarnung von 30 Tagessätzen zu je 40 Euro für ausreichend, und das fand auch der Verteidiger eine milde Strafe, wenn schon keine Einstellung möglich sei.

Richter Andreas Minge blieb bei den 30 Tagessätzen allerdings zu je 30 Euro, eine Geldstrafe zur Bewährung, und stellte klar, Polizeibeamten müsse bei ihrer Arbeit ein besonderer Schutz gewährt werden. Tritte und Bisse seien unakzeptabel. Auch wenn es für die Polizisten Routine sei, könne nicht alles mit dem Mantel der Einstellung zugedeckt werden, fand er klare Worte. 

mb

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

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