Theater am Mühlenberg bringt „Club der toten Dichter“ auf die Bühne

Traut euch, selbstbestimmt zu leben

Die Mutter richtet hier mahnende Worte an ihren rebellischen Sohn. Foto: hägermann

Achim - Von Bernd Hägermann. Wenn keine Barrikaden vorhanden sind, auf die es zu steigen lohnt, um für eine Sache zu kämpfen, reichen bisweilen auch Schultische. Der Film „Der Club der toten Dichter“, in dem Robin Williams als literaturliebender Lehrer mit unkonventionellen Lehrmethoden die Schüler für die Sprache und das Leben begeistert, aber dadurch den Widerstand des Kollegiums provoziert und schließlich seine Entlassung, hat es bewiesen.

Thematisch angelehnt an diesen Film war ein Theaterstück, das im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) aufgeführt wurde. Dort gastierte die Theatergruppe am Mühlenberg. Das Ottersberger Ensemble von 13 Leuten gab im Blauen Saal den „Verein Verblichener Verse Verfasser“. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen meisterten schnelle Szenenwechsel und agierten engagiert.

In zwei Internatsklassen werden Jungen und Mädchen auf herausgehobene gesellschaftliche Positionen vorbereitet. Die schulischen Methoden dafür scheinen bewährt, geraten aber ins Wanken, als ein neuer Lehrer, John Keating, neue Denkansätze bietet und damit bei den Schülerinnen und Schülern die Lust am Formulieren und an der Kunst im Allgemeinen weckt.

Kritisch beäugt von pädagogischen Traditionalisten, entwickelt sich an der englischen Schule eine aufgeladene Stimmung. Die jungen Leute entdecken neue literarische Ufer, das angestammte Lehrpersonal fürchtet derweil um die eigene Reputation und um die der Schule.

Deren Leitlinien sind für die jungen Leute aber längst nicht mehr als Gegenstand von Persiflagen: Für sie reagieren in der Bildungseinrichtung Travestie, Ekel, Dekadenz und Lethargie.

Mit Lehrer John Keating weht frischer Wind. Er lässt die Schüler aus literarischen Lehrbüchern knochentrockene und überholte Textstellen reißen, stärkt das Selbstvertrauen Einzelner, dann aller, hat Verständnis für und Antworten auf Liebeskummer und erinnert immer wieder an die Einmaligkeit des Lebens. Sich etwas nicht zu trauen, ist nicht Bestandteil von Keatings Lebensplanung. Seine Schüler sollen ihre Möglichkeiten ausschöpfen, nicht anderer Erwartungen erfüllen.

Am Ende muss John Keating die Schule verlassen. Bleiben wird das „O Captain, mein Captain“, das ihm seine Schüler, auf den Tischen stehend, beim Abschied nachrufen und der Wille zu einem selbstbestimmten Leben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

50 Jahre Harpstedt und Loué - ein Freundschaftsspiel

50 Jahre Harpstedt und Loué - ein Freundschaftsspiel

Mit dem Google Pixel 4 mehr Sterne sehen als mit dem Auge

Mit dem Google Pixel 4 mehr Sterne sehen als mit dem Auge

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

Kurdenmilizen setzen Abzug aus Nordsyrien fort

Kurdenmilizen setzen Abzug aus Nordsyrien fort

Meistgelesene Artikel

Andreas Pofahl eröffnet einen kleinen Bäckerladen in Achims Bahnhof

Andreas Pofahl eröffnet einen kleinen Bäckerladen in Achims Bahnhof

Unfall bei Kirchlinteln: Autofahrer stirbt nach Kollision mit Baum

Unfall bei Kirchlinteln: Autofahrer stirbt nach Kollision mit Baum

Wurst darf jetzt in die Tupperdose

Wurst darf jetzt in die Tupperdose

Sanierung des Ententeichs

Sanierung des Ententeichs

Kommentare