Traumatisiertes Opfer vom Supermarkt nimmt Täter-Entschuldigung nicht an

Pistole gegen Kopf gerichtet

Achim - Sie spürte die Kälte des Pistolenlaufs auf der Stirn, obwohl der 28-Jährige die Waffe nicht direkt aufsetzte. Dennoch hatte die Frau natürlich Todesangst, musste nach dem Überfall auf den Achimer Supermarkt lange therapeutisch betreut werden. Sie bekommt bis heute Panikattacken, wenn jemand hinter ihr steht.

Er bedaure seine Tat sehr, betonte der 28-jährige Achimer mit deutscher Staatsangehörigkeit, der sich jetzt wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Schöffengericht verantworten muss. Er bot der als Zeugin und Nebenklägerin geladenen, 42-jährigen Frau aus der Marktleitung seine Entschuldigung an, was diese aber heftig ablehnte.

Der junge Gewalttäter war an jenem früheren Abend des 24. Juli 2015 „auf Droge“. Cannabis und Kokainspuren wurden nachgewiesen und außerdem ein Alkoholspiegel von 1,09 Promille. Er habe für die Sucht sein letztes Geld ausgegeben, Stress in der Familie und große Angst gehabt, sich nicht mehr mit Drogen-Nachschub eindecken zu können, erläuterte der 28-Jährige Motive seiner Tat.

Er hatte seinen Kopf mit einer Kapuze verdeckt, war aber nicht maskiert. Beschäftigte und auch das bedrohte Opfer kannten ihn als regelmäßigen Kunden dieses Verbrauchermarktes.

An den genauen Ablauf der Ereignisse könne er sich wegen seines Rauschzustands nur lückenhaft erinnern, sagte der Angeklagte. Bei der Pistole habe es sich um eine ältere Spielzeugwaffe aus schwarzem Plastik gehandelt.

40 Euro aus der Kaffeekasse des Markt-Personals waren die einzige Beute. Den Schlüssel zum Tresor mit den Tageseinnahmen bekam der Mann nicht – trotz heftiger Drohungen: „Bau keine Scheiße, oder ich knall dich ab“. Die 42-Jährige hatte aber den Schlüssel schlicht nicht dabei. Der Räuber zwang sie, weiter danach zu suchen, doch auf dem Weg zum Büro kamen den beiden Kollegen der Bedrohten entgegen. Daraufhin ergriff der 28-Jährige die Flucht.

Die der Lebensgefahr Ent-ronnene war sich vor Gericht sicher, dass eine echte Pistole auf sie gerichtet worden war. Sie erinnerte sich an abblätternden schwarzen Lack und Rostflecken. Die Waffe wurde nie gefunden.

Gerade einen Tag vor seiner Tat habe der Achimer noch im Amtsgericht beteuert, er sei von seiner Drogenabhängigkeit geheilt, hielt Richter Andreas Minge ihm vor. Das sei also offenbar gelogen gewesen.

Er fragte den Mann auch, ob der sich denn neben der Qual des Opfers nicht auch der Wirkung einer solchen Tag auf seine eigene Familie bewusst gewesen sei: „Mein Vater geht einfach in den Supermarkt und überfällt ihn“.

Der Angesprochene betonte immer wieder, er sei an jenem Abend eben in einem extremen Gemütszustand gewesen und habe Horror vor drohenden Entzugserscheinungen empfunden.

Die Verhandlung wird am 2. März fortgesetzt, da der Verteidiger verlangte, das umfangreiche Gutachten über seinen Mandanten vor Gericht zu präsentieren. Daraus werde nämlich klarer hervorgehen, wie der 28-Jährige und andere in ähnlichen Situationen und unter bestimmten Umständen zu Straftaten wie der hier angeklagten getrieben werden könnten.

la

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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