Vor den Toren Bremens flammen noch heftige, verlustreiche Kämpfe auf / 18 Häuser gehen in Flammen auf

Überraschender Widerstand in Uphusen

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Englische Panzer auf dem Vormarsch.

Uphusen - Von Rainer Pöttker. Während des Zweiten Weltkrieges war es in Uphusen und der näheren Umgebung relativ ruhig geblieben und es gab nur wenig Zerstörungen durch alliierte Luftangriffe. „Hoppen Hus“ hinter der Bahn brannte durch einen Flugzeugabsturz aus, einige Brandbomben fielen aufs Dorf. Das Kriegsende allerdings begann für Uphusen mit einem Inferno: Nicht weniger als 18 Gebäude gingen beim Einmarsch der englischen Kampfverbände in Flammen auf. Weitere fünf Häuser wurden während dieser Tage durch einen Luftangriff der Alliierten vernichtet, zahlreiche Häuser trugen schwere Schäden davon.

Am Sonntagabend, dem 22. April, vor 70 Jahren setzte von Achim und Bierden aus starkes Geschützfeuer in Richtung Uphusen ein, es gab keine Ruhepause, und Uphusen sollte für den weiteren Einmarsch sturmreif geschossen werden. Gegen Mittag erreichten die ersten leichten Panzerspähwagen als Aufklärer die erste Uphuser Panzersperre aus leichtem Dünensand. Ohne Gegenwehr kehrten sie wieder in Richtung Achim um. Am Abend und in der Nacht setzte wieder starkes Artilleriefeuer ein, begleitet von Tieffliegerangriffen auf das nahegelegene bremische Stadtgebiet. Die Maschinen flogen so tief, dass man den Piloten ins Gesicht sehen konnte. Der Bomben- und Geschützhagel war fürchterlich und der Boden bebte von den Einschlägen.

Die Kampfverbände suchten sich am Montag, dem 23. April, am frühen Morgen ihren Weg abseits der Heerstraße an den Flakstellungen vorbei durch die Bierdener Berge, wo es zu vereinzelten Feuergefechten mit den verbliebenen deutschen Truppenverbänden kam.

Zwischen Keumel-Lüssen und dem Hilgenberg (im Verlauf der Straße Am Weserberg) hatten ungarische Hilfstruppen etwa eine Woche vor dem Einmarsch zahlreiche Laufgräben mit befestigten Unterständen ausgehoben. Hier setzten sich die aus dem Achimer Verfügungsbereich zurückweichenden deutschen Soldaten fest und leisteten mit Maschinengewehrfeuer und Panzerfaustabschüssen erbitterte Gegenwehr. Der nicht erwartete Widerstand überraschte die Engländer, und man versuchte mit erneutem Artilleriebeschuss und Flammenwerferpanzern die Maschinengewehrnester endgültig auszuschalten, überrollte die Stellungen und schoss den Weg für die britische Infanterie frei.

Auf beiden Seiten waren mehrere Tote zu beklagen, die zwischen der Landesstraße und den angrenzenden Hügeln ihre letzte Ruhe fanden, mehr als hundert deutsche Soldaten gingen in englische Gefangenschaft. Die englischen Kampfverbände drangen mit den Feuer und Verderben speienden Kettenfahrzeugen in das Dorf ein und die Spur der Verwüstung zog sich durch den ganzen Ort.

Das eingezäunte, zu diesem Zeitpunkt bereits geräumte Konzentrations-Außenlager mit den Holzbaracken am Bruchweg ging größtenteils in dem Feuersturm unter. Bertha Meinken wohnte in ihrem Fachwerkhaus direkt an der Straße neben Haberkamps Hotel und nahm den Einmarsch folgendermaßen wahr: „As dat Trummelfuer vorbi wör, dor kem ene Ruhe up, sowat heb ik dat ganze Leben nich mehr wornomen. Dat wör so, as wenn de Vogels up de Bäume dat Singen und Fleutschen instellt harn und ene Ruhe upkäm, dat me Angst un Bange wör. Dat duur för me ne Ewigkeit, wör obers nur vorn korten Moment. Dann rasselten de ersten Panzer an me vorbie, ik set up de deel un har de Bibel in de Hand.“

Die Kampffront bewegte sich anschließend weiter über die Ortsmitte hinaus, stieß in Richtung Eisenbahn vor und eine Augenzeugin berichtet: „Beim Einmarsch der Engländer stand ein Panzer vor der Bahn am Bahnübergang Moordamm und schoss in die Häuser auf der gegenüberliegenden Bahnseite. Mehrere Gebäude brannten ab.“ Anscheinend hatten sich hier deutsche Soldaten auf ihrem Rückzug festgesetzt.

Der Uphuser Volkssturm mühte sich, Tage vor dem erwarteten Einmarsch, den „Feind“ mit Panzersperren auf der Heerstraße aufzuhalten oder sogar zu stoppen. Allerdings ließ sich der feine Dünensand schlecht zu einem Erdwall verfestigen und rieselte teilweise schon auf dem Transport durch die Ritzen der Beplankung der Leiter- und Ackerwagen, so dass die Sperren recht niedrig gerieten und von den Panzern problemlos umfahren oder überwunden wurden.

Kein Mensch wagte sich auf die Straße, und wer einen Keller besaß, verkroch sich dort. Die Panzer rasselten die Straße entlang, jeden Widerstand brechend, der sich ihnen in den Weg stellte. Im Schutze dieser „Tanks“ liefen an jeder Seite des Fahrzeugs Deckung suchende Panzergrenadiere in geduckter, kampfbereiter und gebückter Haltung - das Gewehr immer schussbereit im Anschlag, denn der bisher von den Engländern in Deutschland gezahlte Blutzoll war enorm. Und er sollte sich bedauerlicherweise in Uphusen noch erhöhen.

In der nächsten Folge:

Englische Panzer mit Minen in die Luft gejagt.

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