Wirtschaftsbeirat hat Idee für Bauernviertel

Entsteht in Achim Top-Seniorenresidenz mit Blick in die Marsch?

Die Hofstelle an der Unterstraße, Ecke Zur Achimer Marsch, soll veräußert werden. Die Sahnelage nahe der Innenstadt und direkt am Landschaftsschutzgebiet ist begehrt.
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Die Hofstelle an der Unterstraße, Ecke Zur Achimer Marsch, soll veräußert werden. Die Sahnelage nahe der Innenstadt und direkt am Landschaftsschutzgebiet ist begehrt.

Achim – Das Bauernviertel, eine Keimzelle des alten Dorfes Achim und mit seiner Lage nahe der Innenstadt und der Marsch eine äußerst beliebte Wohngegend, verändert sein Gesicht, verliert seinen ursprünglichen Charakter. In die Jahre gekommene Gebäude, die energetisch, räumlich und optisch nicht mehr heutigen Ansprüchen genügen, weichen für moderne Häuser.

Nun treibt diese Entwicklung einem vorläufigen Höhepunkt entgegen, denn die Eigentümer geben den ortsbildprägenden Bauernhof an der Unterstraße, Ecke Zur Achimer Marsch, auf und wollen die landwirtschaftliche Hofstelle verkaufen. Kein Stein wird auf dem Anwesen, das etwa an die Hälfte der Strecke der Kopfsteinpflastergasse unterhalb der St.-Laurentius-Kirche angrenzt, mehr auf dem anderen bleiben.

Für das denkmalgeschützte Wohn- und Wirtschaftsgebäude, das mit seinem langgestreckten Baukörper samt großflächigem Satteldach und dem zentral angeordneten Rundbogentor an der Giebelseite die traditionelle dörfliche Bauweise widerspiegele, wie Stadtplanerin Christa Meiering erläutert, liegt nach ihren Angaben eine Abrissgenehmigung vor, da eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei. Auf dem mehr als 10 000 Quadratmeter großen Grundstück wolle ein Investor drei Doppelhäuser und zwei Einfamilienhäuser errichten, was die Stadtverwaltung befürwortet.

Der Wirtschaftsbeirat hat für das Areal am Rand des Landschaftsschutzgebiets Achimer Marsch allerdings eine andere Idee. Auf dem „Filetstück“ des Bauernviertels soll nach dem Willen des Vereins, dem frühere und auch noch aktive Geschäftsleute angehören, die sich ehrenamtlich für Belange der Stadtentwicklung ins Zeug legen, eine „zentrumsnahe hochwertige Seniorenresidenz“ entstehen.

„Dort könnten etwa 50 attraktive Wohnungen für einzelne Senioren und für Ehepaare mit jeweils zwei bis drei Zimmern, Küche und Balkon geschaffen werden“, sagt Beiratsmitglied Sigurd Wasmund. Dafür sei ein großes Grundstück mit einer Fläche von 10 000 bis 12 000 Quadratmetern erforderlich.

Wasmund schwebt eine „hochwertige Ausstattung mit Restaurant, Café, Aufenthaltsräumen und schönem Garten mit hervorragender Aussicht in die Marsch“ vor. Dazu sollten noch einige Pflegezimmer für den letzten Lebensabschnitt und Gästezimmer für Besucher der Senioren kommen.

Die „fußläufige Nähe zur Innenstadt, um dort einkaufen und flanieren zu können“, streicht der Wirtschaftsbeirat als großen Vorteil bei einer Realisierung solch eines Objekts im Bauernviertel heraus. „Wegen des hohen Anspruchs an die Wohnqualität kommt die Anlage vorrangig für wohlhabende Senioren infrage, die über gute Kaufkraft verfügen und für eine Belebung der Innenstadt von großer Relevanz sind“, merkt Sigurd Wasmund an.

Er selbst und „viele andere gut situierte Einzelhausbesitzer mit zum Teil großen Grundstücken“ ließen sich unter den genannten Voraussetzungen zur Aufgabe ihrer Häuser animieren. Was einen positiven Folgeeffekt haben würde. „Diese frei werdenden Grundstücke und Häuser können für verdichtetes Wohnen oder als Einzelhäuser für andere gut situierte jüngere Familien genutzt werden, um zusätzliche Kaufkraft nach Achim zu ziehen“, erläutert Wasmund.

Die Lage des Grundstücks am Weserradweg sei aber auch touristisch interessant. Café und Restaurant sowie die für Gäste vorgesehenen Zimmer könnten auch für Radfahrer zur Verfügung gestellt werden. „Und auch weitere Einrichtungen wie zum Beispiel ein Kindergarten oder eine Fahrradreparatur-Werkstatt würden dem Bauernviertel ein neues und attraktives Gesicht geben.“

Der Bau einer komfortablen Seniorenresidenz nahe der Innenstadt mit dem genannten „Mehrwert“ mache Sinn, unterstreicht der Wirtschaftsbeirat. „Die Leute wollen im Alter doch nicht in eine Anlage in Uphusen oder sonstwo am Stadtrand ziehen“, sagt Wasmund. Der 82-Jährige verweist auf den „großen und stark wachsenden Anteil der über 65-jährigen Einwohner Achims“. Die rasante Weiterentwicklung der Medizin sorge für mehr rüstige ältere Menschen. „Reine Pflegeeinrichtungen für die letzte Lebensphase decken für diese nicht den Bedarf.“

Am kommenden Dienstag wird sich die Politik mit der Zukunft des Bauernviertels befassen. Dem Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, der ab 17 Uhr öffentlich im Ratssaal tagt, liegt zunächst ein Antrag der Gruppe SPD/Mindermann vor, die eine Bauleitplanung für den westlichen Teil des Gebiets rund um die Unter- und Langenstraße fordert. Es stelle sich die Frage, ob es dort „bei der ungeplanten, nur durch die Kräfte des Immobilienmarktes bestimmten Entwicklung bleiben kann“, schreibt Werner Meinken (SPD). Es dürfte spannend werden.

Ein Investor will auf dem Areal drei Doppel- und zwei Einzelhäuser schaffen. skizze: Stadt

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