Große Literatur und kluge Gedanken

Tobias Roth stellt Verlag „Das kulturelle Gedächtnis“ vor

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Der Philologe Tobias Roth (links) und Schauspieler Frederic Böhle stellten lebhaft und informativ den Verlag „Das kulturelle Gedächtnis“ in der Buchhandlung Hoffmann vor. 

Achim - Der Sprach- und Literaturwissenschaftler Tobias Roth stellte am Donnerstagabend in der Buchhandlung Hoffmann einen außergewöhnlichen Verlag vor. Unter dem Titel „Das kulturelle Gedächtnis“ hat er sich zum Ziel gesetzt, wichtige Bücher der Literatur- und Kulturgeschichte neu zu verlegen – um schon „gemachte Erfahrungen einzubringen“, erreichte Standards des Denkens und Schreibens hochzuhalten.

„Diese Bücher geraten nur zuweilen in Vergessenheit“, sagte Roth. „Dann aber kommen Umstände oder Entwicklungen, in denen sie dringend benötigt werden und in denen sie ihre Wirkung neu entfalten können.“

Verlag dient nicht der Gewinnmaximierung

Dieses Ziel verfolgen neben dem Philologen Tobias Roth auch Thomas Böhm, Peter Graf und Carsten Pfeifer. Alle vier Gesellschafter des Verlags haben mehr als 20 Jahre Erfahrung im Verlags- und Literaturwesen.

Dabei wird ein für den Buchhandel ungewöhnlicher Weg eingeschlagen. Die Gesellschafter machen nach eigenen Angaben unabhängig, gemeinsam und im laufenden Austausch Programm. So entstehen nicht nur wichtige, sondern auch schöne Bücher. Sechs bis acht Titel im Jahr, mit Sorgfalt und Phantasie gesetzt, gebunden und mit einem Kopffarbschnitt versehen, erläutert Roth.

Mit diesen Büchern verfolgt der Verlag allerdings nicht das Ziel, Wachstum und Gewinnmaximierung zu erreich, sondern „Kontinuität und Freiheit“. Die Gesellschafter bekommen kein Gehalt für die von ihnen geleistete Arbeit. Eventuelle Überschüsse sollen in erster Linie der weiteren Verlagsarbeit dienen.

Der Verlag wird von stillen Teilhabern und Helfern unterstützt. Neue dürfen gerne hinzu kommen. „Eingeladen ist jeder, der an die Kraft des Wortes nicht nur glaubt, sondern sie auch feiern will“, heißt es in der Verlagsinformation.

Elektrisiertes Publikum

Nach der Vorstellung des „Kulturellen Gedächtnisses“ durch Tobias Roth gab der Schauspieler Frederic Böhle einige Leseproben. Durch seine Artikulation, Gestik und Mimik fielen diese äußerst lebendig aus.

Er begann mit „Das abenteuerliche Leben des Jack Engle“ von Walt Whitman. Eine Schilderung schillernder Charaktere, überraschender Handlungsverwicklungen und Betrachtungen über das Wesen von Gut und Böse. Und endete mit Voltaires „Der Fanatismus oder Mohammed“. Die Tragödie stellt Macht und Manipulation exemplarisch dar. Der religiöse Fanatismus wird zur politischen Waffe. Das Werk ist ein drastischer Ruf der Warnung.

Das Publikum war geradezu elektrisiert. In der anschließenden Gesprächsrunde beantworteten die beiden Akteure und Buchhändler Veit Hoffmann in gemütlicher Runde viele Fragen.

Mit Blick auf Roths Werk sprach der Geschäftsinhaber von einer „tollen Idee“. Hoffmann hat alle bis heute erschienenen Werke des Verlags, darunter auch „Sensation im All“ – die vermutlich erste „Fakenews“ in der New Yorker „Sun“ von 1835 – im Laden zur allgemeinen Einsicht bereitgestellt.

hem

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