Differenzierter Unterricht in den Kernfächern

Inklusionsklassen an der IGS Achim: Unterricht mit Toast und Einmaleins-Tabelle

So sieht eine inklusive Mathestunde an der IGS Achim aus: Ein Schüler vervollständigt die Einmaleins-Tabelle. - Foto: Duncan
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So sieht eine inklusive Mathestunde an der IGS Achim aus: Ein Schüler vervollständigt die Einmaleins-Tabelle.

Achim - Von Lisa Duncan. Als die Schulglocke läutet, ist der Geräuschpegel in der Klasse noch hoch. Ein Nachzügler nutzt die Unruhe, um scheinbar unbemerkt in den Klassenraum zu huschen, dabei eine Entschuldigung murmelnd. „Was bedeutet das Klingeln?“, fragt Mathelehrerin Kerstin Guyet. „Ruhe“, meldet sich ein Schüler.

Es folgt die Morgenbegrüßung. „Guten Morgen, Frau Guyet, guten Morgen Frau Malzan-Tanke, guten Morgen, Frau Albes-Bielenberg, guten Morgen, Frau...“ Die Klasse stockt. Sie wissen nämlich nicht, wie die Frau von der Presse heißt, die heute mit im Unterricht sitzt, um über Inklusion an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Achim zu berichten. Die Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung gehört zum Konzept der Schule, die im Herbst 2017 ihren Betrieb aufnahm.

Zum Wachwerden in der ersten Stunde steht die Einmaleins-Tabelle auf dem Plan. An der Übung sollen sich alle 23 Schüler, mit und ohne Förderbedarf, beteiligen. In einer von den Schülern zuvor geschätzten Zeit – acht Minuten – sollen Mädchen und Jungs abwechselnd die Tabelle an der Tafel ausfüllen. Sie enthält nach Schwierigkeit gestaffelte Aufgaben – von 3 x 5 bis 9 x 13. 

Die Kinder sollen ihre Antwort jeweils kommentarlos an der Tafel ausfüllen und die Kreide dann, wie beim Staffellauf, weiterreichen. Es dauert nicht lange, bis die Gemeinschaftsaufgabe geschafft ist. „Acht Minuten, 45 Sekunden. Fast so schnell wie geschätzt“, lobt Guyet. Dann ruft sie einzelne Schüler auf, die eine ganze Einmaleins-Reihe mit dem Rücken zur Tafel gewandt, aufsagen sollen. Die 3er- und 5er-Reihe sind schnell abgegrast, ein Schüler memoriert auch die 13-er-Reihe flüssig.

Mit einer Toastscheibe wird Bruchrechnen geübt

Dann teilt sich die Gruppe auf: Förderlehrerin Barbara Malzan-Tanke begibt sich mit fünf Kindern und einer Schulassistentin in den Nebenraum, an die Tafel hat sie eine viergeteilte Toastscheibe gemalt. Die Schüler wiederholen die Grundlagen der Bruchrechnung. „Die Teile heißen Viertel, Fünftel...“, liest ein Schüler vor.

„Kinder mit dem Unterstützungsbedarf Lernen werden bei uns in den Kernfächern zieldifferent beschult“, erklärt Kerstin Albes-Bielenberg, Schulleiterin der IGS Achim. Heißt: In Mathematik, Deutsch, Englisch und Gesellschaftskunde werden die Schüler mithilfe einer Förderlehrkraft, ihren Fähigkeiten entsprechend, zusätzlich in Kleingruppen unterrichtet. Überhaupt betreffe die „innere Differenzierung“ als Grundprinzip alle Schülerinnen und Schüler der IGS Achim.

Das Motiv spiegelt sich in der Tischaufstellung im Klassenraum wider: Mit den L-förmig angeordneten Tischen sind alle Schüler gut sichtbar und die Einheiten lassen sich flugs zu Gruppentischen umfunktionieren.

Inklusion kann in unterschiedlichen Varianten praktiziert werden

Albes-Bielenberg, die zuvor viele Jahre an einer IGS in Osterholz-Scharmbeck unterrichtet hatte, weiß, dass es auch anders laufen kann: „Nicht alle Gesamtschulen folgen bei der Inklusion dem gleichen Prinzip. An der Bremer Schule waren die Förderlehrer auf alle Unterrichtsfächer verteilt“, erzählt sie. „Dabei schaffen die für die Regelschule ausgebildeten Lehrkräfte es in Kunst, Sport und Musik auch alleine.“

Pro Jahrgang gibt es derzeit drei Regelklassen und zwei Inklusionsklassen, in der etwa fünf Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen in den Bereichen Lernen, geistige Entwicklung und Sprache gemeinsam mit Regelschülern unterrichtet werden. Allerdings wird gerade kein geistig beeinträchtigtes Kind an der IGS Achim beschult.

Insgesamt 14 Förderschullehrstunden erhält die IGS pro Woche in Absprache mit der Erich-Kästner-Schule (EKS), die ihre Lehrkräfte dorthin abordnet. „Eine Doppelbesetzung wäre klasse im Unterricht“, so die Schulleiterin. Aber dafür reicht es nicht, denn Förderlehrer gibt es einfach zu wenige auf dem Markt. Noch besser wäre es nach Ansicht der IGS-Rektorin, wenn Schulen, die inklusiv arbeiten, selber Förderpädagogen einstellen könnten.

Derzeit gibt es für drei Schulen zwei Sozialpädagogen

Anders ist der Unterricht an der IGS bei den Schülern mit den Förderbedarfen körperlich-motorische und sozial-emotionale Entwicklung geregelt: Sie lernen in den Regelschulklassen nach dem gleichen Lehrplan wie die anderen Kinder und werden unter Einbeziehung der mobilen Dienste gefördert. Jede Klasse wird von zwei Regelschullehrkräften geleitet.

Eine wichtige Stütze, gerade für Kinder mit sozial-emotionalem Förderbedarf, stellen zudem die Sozialpädagogen dar. Derzeit verteilen sich allerdings zwei Kräfte auf drei Schulen (IGS, Real- und Hauptschule).

Die IGS setzt auf Beratung, auch hinsichtlich der möglichen Abschlüsse. Mit der an der EKS neu eingerichteten 5. Klasse haben die Eltern die Wahl und könnten ihr Kind auch vor Ort auf eine Förderschule schicken. „Wir freuen uns darüber, dass trotzdem viele Eltern uns anwählen. Das zeigt, dass die Inklusion an dieser Schule angenommen wird“, so die Schulleiterin. Das gelte auch für Eltern, deren Kinder keinen speziellen Förderbedarf haben: „Wir haben schon oft Ängste von Eltern ausgebremst, dass ihr Kind bei uns nicht genügend lernt“, sagt Albes-Bielenberg. Die inklusive Beschulung komme allen zugute, denn zum Lernen gehöre nicht nur Leistung, sondern auch, soziale Aspekte wie Hilfsbereitschaft, zu vermitteln.

Die Ausstattung könnte noch besser sein, sagt die Schulleiterin

Abgesehen von der personellen Situation, hapere es bei der Inklusion an der IGS Achim noch an der Ausstattung, wie Albes-Bielenberg berichtet. Das betreffe elektronische Mittel wie Tablets und Beamer, aber auch das Inventar, etwa abschließbare Schränke. „Besonders Tablets eignen sich gut für den Unterricht mit Inklusions- und Flüchtlingskindern.“ Was die Aufstockung dieser Hilfsmittel angeht, steht die IGS mit dem Schulträger, der Stadt Achim, in Kontakt.

Auch der barrierefreie Ausbau der IGS – mit Lernhaus und Umbau des Haupt- und Realschulgebäudes – ist bereits auf den Weg gebracht: Der Bauantrag soll nach Empfehlung des Schulausschusses schnellstmöglich beim Landkreis Verden eingereicht werden (wir berichteten).

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