15 junge Männer besuchen Kurs der Vita-Akademie

Ob in Tischlerei oder IT-Firma – Flüchtlinge als Praktikanten

Zadjar Al-Nadjdi will Friseur werden und absolviert im Salon „La Familia“ an der Obernstraße in Achim ein Praktikum. Die Salonleiterin bescheinigt dem jungen Iraker eine Menge Talent für diesen Beruf und hat ihm schon einen Ausbildungsplatz angeboten. - Foto: Mix

Achim - Kann die Integration von Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Elend geflohen sind, gelingen? Die Vita-Akademie GmbH, mit Sitz in Wittmund, beendet jetzt in Achim einen Kurs „Ankommen in Beschäftigung“. Dieses Angebot richtete sich hauptsächlich an ehemalige Bewohner der Turnhalle in Embsen.

Dort waren vor rund einem Jahr zahlreiche Familien aus Syrien und Afghanistan untergebracht worden. Mittlerweile sind aufgrund des Engagements vieler ehrenamtlicher Bürgerinnen und Bürger alle Familien in Wohnungen in der Stadt Achim heimisch geworden.

Der Kurs „Ankommen in Beschäftigung“ habe die Teilnehmer gezielt auf eine Berufstätigkeit weiter vorbereitet, informiert Paul Brandt, regionaler Projektleiter der Vita-Akademie. „Gefördert wurde die Kommunikationsfähigkeit, die im Arbeitsalltag gebraucht wird.“ So seien neue Vokabeln aus dem Berufsleben erlernt, Kenntnisse der Regelungen für deutsche Arbeitsverhältnisse vermittelt, Grundlagen für Bewerbungen erarbeitet, Lebensläufe geschrieben, Bewerbungen formuliert worden. Brandt: „Das Konzept wurde bei den zuständigen Stellen auf Herz und Nieren geprüft und für die Bundesagentur für Arbeit und die Jobzentren der Landkreise zertifiziert.“

Ziel dieses ersten Kurses ist die „Bilanzierung der tatsächlich vorhandenen beruflichen Kompetenzen“ der Teilnehmer. Und dabei werde unmittelbar mit den Betrieben im näheren Umfeld zusammengearbeitet.

„Wir wollten die tatsächliche Welt der sich am Markt behauptenden Betriebe sofort erfahrbar machen. Die Realität ist immer besser als jede noch so gute Simulation“, schildert Paul Brandt den Grund für diese Vorgehensweise.

Der Anstoß hierfür sei aus der Erfahrung zahlreicher Integrationsmaßnahmen in Niedersachsen an rund 50 verschiedenen Standorten gekommen. Auch in Achim habe man sich Ende April dieses Jahres mit Behördenvertretern, Firmenförderern, Interessenverbänden und Unternehmern zusammengesetzt. „Ergebnis war der Ratschlag, die guten Erfahrungen mit der dualen Berufsausbildung auf die Qualifizierung von geflohenen Menschen zu übertragen“, schildert Brandt. So haben in dem Kurs 15 Personen mehrere Wochen in den Firmen als Praktikanten gearbeitet.

Vom Krankenhaus in Achim, der Küche eines Hotels und Restaurants, eines weiteren Lokals, einer Tischlerei, einem Malerbetrieb, einem Friseur, einer Zimmerei, einem IT-Unternehmen, einer Grundschule, einem Gartenbaubetrieb und einer Glaserei gab es eine große Bandbreite der beteiligten Firmen. Brandt betont, dass man sehr dankbar für das Engagement der Unternehmen sei.

Das scheint jedoch auch auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Bekannt ist, dass zur Zeit überall Arbeitskräfte gerade im Handwerk und der Dienstleistung nachgefragt werden.

„Wir sind überwältigt von der sehr positiven Resonanz unserer Kursteilnehmer in den Betrieben“, weiß Heino Blanke, einer der Lehrkräfte der Vita-Akademie, zu berichten. So hätten alle Arbeitgeber von der hohen Motivation der Praktikanten „geschwärmt“. Einsatzfreude, selbst Pünktlichkeit und Lerneifer waren weitere hervorgehobene Eigenschaften.

„So ist es kein Wunder, dass die Betriebe sich eine Fortsetzung der Zusammenarbeit, bis hin zum Abschluss von Ausbildungsverträgen, vorstellen“, informiert die Leitungskraft Brandt. Eine Forderung stehe im Vordergrund: „Die Teilnehmer mit Migrationshintergrund brauchen bessere Sprachkenntnisse.“

Eine Fortsetzung folgt. Ab November werden weitere Kurse von der Vita-Akademie angeboten. Interessierte Personen und Betriebe können sich bei Paul Brandt, Telefon 0171/1481564, oder per E-Mail an paul.brandt@vita-akademie.de informieren.

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