Till Simon stellt Debüt-CD im Kulturhaus vor

Wechselfälle des Lebens vertont

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Till Simon zeigte dem Kasch-Publikum, dass er mit seinen eigenen Kompositionen zum guten Künstler gereift ist.

Achim - Beim Texten von Liedern kann Lebenserfahrung nützlich sein, will man nicht ständig über Themen wie Klamotten, Kumpels, Kater, schlechtes Wetter, schwankendes Gewicht und Gemüt oder vermeintlich verbaute Lebensperspektiven schreiben. Till Simon hat es gut. Er zählt 43 Lenze und hat als Musiker nun hörbar Lust auf differenzierte Betrachtungsweisen, die auf persönlichen Erfahrungen gründen, aber sich nicht gegen Allgemeingültiges sperren. Als Künstler bringt man derlei gerne in eine gerahmte, behauene oder gepresste Form.

Till Simons neue CD, die er samt Band (Bojana Tadic, Peter Muller, Piet Gorecki, Matthias Zalepa, Stefan Dahm, Christiane Windeler) am Freitagabend im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) vorstellte, trägt den Titel „Von Innen nach Außen“. Die Annahme, dass Till Simon etwas von sich preisgeben möchte, liegt nahe und wird während des Release-Konzerts bestätigt.

Simon neigt in seinen Stücken nicht zu bedeutungsschweren Metaphern, die bleiern sich auf Rhythmus und Harmonien legen, sondern bevorzugt einen augenzwinkernden Umgang mit den Wechselfällen des Lebens. Doch Till Simon gelingt mit seiner Debüt-CD weitaus mehr. Er textete sie gewissermaßen mit offenem Visier, gibt sich in und zwischen den Zeilen und auf der Bühne versonnen, angriffslustig, verletzlich, freudvoll, witzig, fehlbar und ist dabei immer mehr als der Gute-Laune-Till mit Music-School und Lehrauftrag. Simon ist mit seinen eigenen Texten und Kompositionen zum guten Künstler gereift.

Als solcher thematisiert er wie selbstverständlich die Suche nach einer Frau im Internet (weder interessant, noch erfolgreich), erinnert an eine Zeit, als er beruflich mit Textilien beschäftigt war (nicht sehr glücklich) und poliert gänzlich unprätentiös am Heimatbegriff. „Dieser Ort“ könnte auch Achim meinen. Hier wie andernorts gibt es schöne und vertraute Orte, aber ebenso Umwege, die jemand nimmt, wenn die eigene Tagesverfassung nicht stimmt und man am liebsten überhaupt niemanden mehr kennt.

Simon singt über die ständige Möglichkeit einer unverhofften neuen Liebe, staunt über die Schönheiten des Lebens, beschäftigt sich mit Beziehungs- und Bezugslosigkeit, ficht mit den eigenen Widersprüchlichkeiten und für das Recht aufs temporäre Alleinsein. Am Freitagabend jedoch hatte er auf der Bühne gute Gleichgesinnte um sich und vor sich im Publikum Menschen, die ihm in vielen Momenten ganz nahe schienen.

häg

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