Das Thema interessiert bei der Veranstaltung von „60plus“ viele Menschen

Demente muss man in ihrer anderen Welt abholen

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Großes Interesse an dem Thema, das ganze Familien betrifft.

Achim - Wie geht man mit an Demenz erkrankten Menschen um? Über diese wichtige und viele bewegende Frage referierte Alice Fröhlich während einer Veranstaltung der SPD-Arbeitsgemeinschaft ,,60plus“ im Achimer Hotel Gieschen.

Die Referentin hatte in Bremerhaven den Verein ,,Solidar“ gegründet, der mit 130 freiwilligen Mitarbeitern-innen zwei Pflegeeinrichtungen in Bremerhaven unterhält. Alice Fröhlich, die in Holland lebte, berichtet: ,,In Holland sagen wir, die Demenzkranken wohnen in einem anderen Land - und wer sagt, dass es in der anderen Welt schlechter ist?“ Dann schaute sie in die Runde: ,,Jeder Dritte wird an Demenz erkranken“, und schon fingen die Besucher an zu zählen. Zum Lachen war und ist das Thema natürlich nicht.

Zwei Millionen Menschen sind in Deutschland an Demenz erkrankt. Sie erleben enorme Höhen und Tiefen. ,,Es ist eine Qual, zu merken, dass man den Verstand verliert“, so die Referentin. Die erste Phase sei schrecklich, denn da gebe es noch lange klare Momente, die dann immer weniger würden. ,,Und ich kann nichts dagegen tun“.

Sie riet den Besuchern, den Demenzkranken nur auf Augenhöhe zu begegnen, denn diese seien hoch sensibel. Gespräche sollten nur über Gefühle geführt werden. Es gehe im Umgang mit den Demenzkranken nicht um das Resultat, denn diese Menschen lebten, wie gesagt, in ihrer Welt.

Dann erzählte Alice Fröhlich von ihrem Vater, der auch an Demenz erkrankt war. Am Grab der Ehefrau und Mutter habe er furchtbar geweint, doch schon am nächsten Tag wusste er nichts mehr vom Tod seiner Ehefrau, mit der er etwa 60 Jahre lang verheiratet war. Erklärungen brachten nichts. Er musste in der Welt, in der er sich befand, abgeholt werden.

Die Betroffenen können nichts dagegen tun. Die Demenzerkrankung geht meist mit dem früheren Leben konform. So sind Menschen, für die früher die Sauberkeit über alles ging, auch in der Demenzerkrankung immer dabei, überall zu wischen.

,,Wir dürfen die Menschen nicht abschieben, sondern wir müssen sie mitnehmen“, appelliert Alice Fröhlich, denn jeder habe ein Recht auf Menschenwürde.

Menschliche Zuwendung

ist das Wichtigste

Menschliche Zuwendung sei das Wichtigste. Die Demenzkranken müssten ernst genommen werden, sie gehörten dazu.

Das Kurzzeitgedächtnis geht bei dieser Erkrankung zuerst gegen Null. ,,Wenn ich annehme, dass ich nichts ändern kann, geht es mir am besten“, folgerte die Referentin.

Sie sprach sich für Heime aus, in denen nur an Demenz erkrankte Menschen leben, denn beim Zusammentreffen von geistig gesunden und an Demenz erkrankten Heimbewohnern gebe es immer wieder Probleme. Diskutieren mit den Demenzkranken gehe überhaupt nicht. Es schloss sich eine rege Fragestunde an, so dass die Vorsitzende Christiane Knof-Grotevent die Veranstaltung erst nach zwei Stunden schloss.

hu

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