Theatergruppe „Wilde Bühne“ hinterlässt im Cato-Gymnasium starken Eindruck / Stück über Gefahren neuer Medien

„Hier kann man nicht reden, hier kann man nur chatten“

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Im Internet sucht Johanna die Bestätigung, die sie in der Realität nicht bekommt.

Achim - Johanna hat schlechte Schulnoten, ihr Vater meckert nur rum und von den Mitschülern wird sie gemobbt. Nur im Computer-Spiel „Der Kristall der Macht“ fühlt sie sich stark. So die Ausgangssituation in dem Stück „Helden im Netz“ der „Wilden Bühne“ Bremen, das sich mit den Gefahren der neuen Medien auseinander setzt. Auf Einladung der AG Medien im Präventionsrat der Stadt Achim spielte die Laientheatergruppe gestern vor Schülern der achten, neunten und zehnten Klassen in der Aula des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums.

Mit dem neuen Computerspiel will sich Johanna zunächst nur ein gutes Gefühl verschaffen. Denn nach einer Mobbing-Attacke von Mitschülern ist sie am Boden zerstört: „Am liebsten würde ich abhauen, jemand anderes sein.“ Im Spiel kämpft sie als „Auserwählter“ gegen den dunklen Lord, um den Kristall der Macht aus den Fängen des Bösen zurückzuerobern. Parallel sucht sie verzweifelt Bestätigung in einem Chatroom. Vergeblich: „Hier kann man nicht reden, hier kann man nur chatten“, ist der Kommentar, den sie von anderen Usern erntet. Und auch die so lieb gewonnenen Figuren aus dem Computerspiel geben nur monoton die gleichen einprogrammierten Sätze von sich. Nach und nach erkennt Johanna, dass sie die Lösung für ihre Probleme nur bei sich selbst finden kann. Sie geht wieder auf ihren Vater zu und stellt die Mitschülerin, von der sie zuvor gemobbt wurde, zur Rede. „Entscheide selbst“, heißt es hoffnungsvoll zum Schluss.

Mit dem im Stück behandelten Problemfeld Sucht und Suchtprävention kennen sich die Akteure der „Wilden Bühne“ bestens aus: Die Darsteller zwischen 22 und 60 Jahren haben alle in der Vergangenheit Probleme mit Alkohol oder illegalen Drogen gehabt und leben nun ohne das Suchtmittel. Vor 13 Jahren von Jana Köckeritz und Michaela Uhlemann-Lantow gegründet, ist das Ensemble in verschiedenen Schulen Norddeutschlands unterwegs, um Schülern auf authentische Art und Weise ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Die Antwort auf die drängende Frage, was Freunde tun können, wenn sie sehen, dass jemand in die Sucht abrutscht, ernüchtert zunächst: „Man kann niemanden retten, man muss selber drauf kommen“, meint der 47-jährige Jörg. Doch die 60 Jahre alte Mitspielerin, die seit 23 Jahren clean ist, macht mehr Hoffnung. Erst als ein Freund sagte: „Ey, Mann, Rita, du säufst!“ habe sie das Problem, von dem sie längst gewusst hätte, angehen können – und stand am nächsten Tag bei den Anonymen Alkoholikern auf der Matte. Außer dem Freundeskreis gibt es andere Hilfen: So wies Regina Haack von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention auf das Beratungsangebot an der Feldstraße 2 hin.

„Wir haben das Thema in den Fächern Deutsch sowie Werte und Normen vor- und nachbereitet“, sagt Ulrike Kompch, Lehrerin am Cato und Mitorganisatorin der Aufführung. Von einem rigiden Handy-Verbot hält die Pädagogin nichts: „Das ist Teil der Identität, gehört dazu.“ Um Schülern vielmehr einen gesunden Umgang mit dem Mobiltelefon zu vermitteln, plant sie eine Klassenfahrt – „Handys ausdrücklich erwünscht“. Auf der Fahrt sollen sie die Geräte nutzen, um gemeinsam ein Filmprojekt zu realisieren, erzählt Kompch.

ldu

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