Planerin Limits in belasteten Abschnitten vor

Tempo 30 auf Landesstraßen

Der Bahnverkehr bleibt beim Lärmaktionsplan der Stadt außen vor. 
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Der Bahnverkehr bleibt beim Lärmaktionsplan der Stadt außen vor. Foto: mix
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Achim – Viele Achimerinnen und Achimer leiden unter von außen verursachtem Geräuschpegel. Dieser zerrt nicht nur an den Nerven, sondern schadet auch der Gesundheit. Einhellig stimmte der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr am Dienstag dafür, die dritte Stufe des Lärmaktionsplans in Angriff zu nehmen. Konkrete Maßnahmen wollen Politik und Verwaltung demnächst mit der interessierten Öffentlichkeit erörtern.

„Es geht dabei aber nur um den Straßenlärm“, verdeutlichte Antje Janßen vom Planungsbüro LK Argus aus Kassel in der Ausschusssitzung. Für die von Bahnstrecken ausgehenden Schallemissionen sei das Eisenbahnbundesamt zuständig. Das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim habe Hauptverkehrsstraßen im Achimer Stadtgebiet ab einer Belastung von 8 200 Kfz in 24 Stunden kartiert. „Sehr große, breite Lärmbänder gibt es durch die beiden Autobahnen“, zeigte Janßen auf. Nachts seien ab 65 Dezibel A Gesundheitsschäden zu erwarten.

Die Planerin benannte 14 Maßnahmenbereiche erster, zweiter und dritter Priorität. Neben dem „Dauerrauschen“ von der A 1 und der A 27, das auch in weiter entfernten Siedlungen zu hören sei, sah sie vor allem für die Anwohner der Landesstraße 158 Handlungsbedarf. Janßen schlug vor, auf bestimmten Abschnitten der Obernstraße, Am Schmiedeberg, Bremer Straße und Uphuser Heerstraße die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer herabzusetzen. Auch für die L 156 im Abschnitt Brückenstraße hielt sie das für sinnvoll. Außerdem empfahl Janßen, zu prüfen, ob das Tempolimit auf der Kreisstraße 6 auf der Strecke von Badenerholz nach Badenermoor von 70 oder gar 100 km/h auf 50 verringert werden sollte.

Darüber hinaus regte die Expertin an, weitere sogenannte Schutzstreifen für Radfahrer am Rand der Fahrbahnen der Brückenstraße und Uesener Feldstraße anzulegen. Für die Badener Bahnhofstraße wäre das ihrer Meinung nach ebenfalls eine gute Lösung.

Aktiver Schallschutz könne durch das Schließen von Baulücken und durch den Bau von Nebengebäuden wie Garagen betrieben werden. Passiver Schallschutz sei durch den Einbau lärmschluckender Fenster möglich.

Mit den verschiedenen Maßnahmen könnten laut Antje Janßen 1 200 Einwohner, immerhin die Hälfte der Bevölkerung in den lauten Gebieten, um drei Dezibel A entlastet werden. „Das ist so, als wenn nur die Hälfte des dort üblichen Verkehrs herrscht“, verdeutlichte sie.

„Geschwindigkeitsreduzierungen tun Autofahrern weh“, leitete der Grüne Peter Bartram die anschließende Debatte ein. Für die Akzeptanz von Tempo 30 auf Landesstraßen müsse es bei den Leuten am Lenkrad vorher im Kopf „klick“ machen.

Das Aufstellen von Schildern mit dieser Zahl auf einem Abschnitt der Uphuser Heerstraße habe „überhaupt nichts gebracht“, bemängelte der dort wohnende Herfried Meyer (SPD). Ohne Kontrollen seien Anordnungen nutzlos. Meyer forderte zudem Lärmschutz entlang der A 1. Die Wand und der Wall an der A 27 im Bereich Badenerholz hätten nichts bewirkt, wandte Anwohner Wolfgang Heckel (WGA) ein.

Hans Baum (FDP) warnte davor, „das Thema Lärm als Vehikel dafür zu nehmen, alternative Verkehrskonzepte umzusetzen“. Bahnlärm sei vermutlich in Achim ein größeres Problem als Autolärm.

„Ich komme ja jetzt schon kaum in der Stadt voran“, sagte Volker Wrede (CDU). Er sperrte sich gegen eine „generelle Beschränkung auf Tempo 30 auf Landesstraßen“. Ein derartiges, flächendeckendes Limit erachtet er nachts als sinnvoll. Rasern müssten die Behörden dringend in Badenermoor und Embsen Einhalt gebieten.

„Geschwindigkeitsbegrenzungen stehen nicht in alleiniger Entscheidungsgewalt der Stadt“, gab Vize-Verwaltungschef Bernd Kettenburg zu bedenken. Die Baulastträger Bund, Land und Kreis hätten beim Lärmaktionsplan ein Wörtchen mitzureden.

Von Michael Mix

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