Teenager bringt Sneaker auf Markt

Santiago Ribot aus Riede kreiert Schuhe

Tüftler Santiago Ribot (14) präsentiert den von ihm entworfenen Sneaker im Ratssaal.
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Tüftler Santiago Ribot (14) präsentiert den von ihm entworfenen Sneaker im Ratssaal.

Der 14-jährige Santiago Ribot aus Riede designt Schuhe. Ein Sneaker-Camp der Achimer Firma Desma inspirierte ihn.

  • Schüler des Gymnasiums am Markt in Achim betätigt isch als Schuhdesigner
  • Im Desma-Camp erlernte er das Handwerk
  • Verkauf über Online-Shop

Achim/Riede – Ein 14-Jähriger, der Schuhe designt und auf den Markt bringt, so etwas gibt es nicht, oder? Doch, Santiago Ribot macht genau damit Furore. Der Rieder, der die neunte Klasse des Gymnasiums am Markt in Achim besucht, hat Sneaker kreiert, die er in Indien produzieren lässt und die unter dem Markennamen „SanRi“ über einen Online-Shop zu beziehen sind. Aber wie kommt es zu solch einer abenteuerlich anmutenden Geschichte?

„Der Beginn meiner Idee entstand am Anfang der Sommerferien 2018“, verrät Ribot. Sein älterer Bruder Ramon habe ihm aus der Zeitung vorgelesen, dass die Firma Desma aus Achim ein viertägiges Sneaker-Camp für Jugendliche anbietet. Als damals Zwölfjähriger „hatte ich das Glück, mit einem Freund daran teilnehmen zu dürfen“. Das Camp beim Schuhmaschinenhersteller begeisterte ihn. „Jeder Tag war für mich eine Inspiration, meinen eigenen Sneaker zu formen und zu gestalten.“

Ein für ihn „erst nicht ganz so vorstellbarer Ferienspaß“ nahm Fahrt auf. „Es entwickelte sich immer mehr zu einer gut geplanten Zusammenarbeit mit ein paar Jugendlichen und in der Schuhwelt bekannten Personen“, erinnert sich der junge Rieder. „Wir haben beigebracht bekommen, wie man Schuhe entwickelt und designt, aber auch, wie man sie vermarktet, bis hin zum fertigen Verkaufskonzept.“

Der perfekte sportliche Schuh

Im Camp hätten er und die anderen Jugendlichen nicht nur das Handwerk gelernt, sondern sie seien dort auch auf die Präsentation des Prototypen geschult worden. „Am Ende durften wir unseren Eltern und weiteren geladenen Gästen unseren Schuh und unsere Idee zur Vermarktung vorstellen.“

Aber damit gab sich Santiago Ribot nicht zufrieden. Er tüftelte zu Hause weiter, feilte am Konzept für einen aus seiner Sicht perfekten sportlichen Schuh und überlegte sich auch, wie „seine“ Sneaker am besten zur Marktreife zu bringen sind. „Daran habe ich eineinhalb Jahre gearbeitet“, erzählt Ribot. Und hat es nun geschafft. Am Montag bereitete ihm Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld im Rathaus die Bühne. Mit dabei war auch der Camp-Chef, der den Jugendlichen beim Pressegespräch gar nicht genug loben konnte.

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass ein 14-Jähriger mit solch einer Geschichte um die Ecke kommt“, bekannte Desma-Geschäftsführer Christian Decker im Ratssaal. Es sei auch eine „coole Sache“, dass Santiago über einen Bekannten mit einem indischen Schuhproduzenten Kontakt aufgenommen hat. „Eine grandiose Leistung“, schwärmte Decker.

„Die Sneaker werden in Kanpur in einer kleinen Ledermanufaktur hergestellt“, präzisiert der Schüler auf Nachfrage. Die Fabrik in der Nähe der Metropole Mumbai sei mehrfach zertifiziert und genüge ökologischen und sozialen Standards der EU.

Santiago Ribot will also durch den massenhaften Verkauf von selbst entworfenen Schuhen viel Geld verdienen, reich werden, sich vorzeitig zur Ruhe setzen? Nein, so „tickt“ der Gymnasiast überhaupt nicht. Er möchte mit seiner Geschäftsidee „einen guten Zweck unterstützen. Ich habe einen behinderten Bruder“, berichtet Santiago Ribot beim Pressegespräch. Ramon (21) leide aufgrund einer Hirnverletzung unter einer Bewegungsstörung, die in Hamburg mit einer Therapie nach Petö behandelt werde. „Mein Bruder hat dadurch laufen gelernt.“ Zehn Prozent des Verkaufserlöses will der jüngere Ribot dem gemeinnützigen Verein „Schritt für Schritt“ (www.schritt-fuer-schritt.de) zukommen lassen. Ein Paar Schuhe des Modells „SanRi“, das wegen der genannten sozialen Komponente auch mit dem Slogan „Socially“ vermarktet wird, kostet 89,95 Euro.

Der Schuh soll Flügel verleihen

Doch wie sehen die Sneaker mit den Anfangsbuchstaben des Vor- und Nachnamens von Santiago Ribot überhaupt aus? Sie sind überwiegend von auffällig knallroter Farbe, die Hinterkappe ist schwarz. Und an der Seite ragt ein weißes rechteckiges Feld bis an den Schnürsenkelbereich heran, geziert von einem stilisierten blauen Vogel als Logo. „Der Schuh soll den Trägern Flügel verleihen“, erklärt der Neuntklässler.

„SanRi“, fügt er hinzu, biete ein Design mit dem gewissen Extra und hochwertige Handwerkskunst. So bestehe das Innenfutter aus Kalbsleder, die Brandsohle und die verstärkte Hinterkappe seien ebenfalls aus Leder.

Zum Start des Projekts habe er in der indischen Fabrik 50 Paar Schuhe produzieren lassen. „Meine Eltern haben mir dafür das Geld gegeben.“ Der Stückpreis sei sehr hoch ausgefallen. „Schon bei einem halbvollen Schiffscontainer mit 1500 Paar wäre es erheblich kostengünstiger gewesen“, weiß Ribot. „Ich hoffe, dass ich viele Schuhe verkaufe und den geliehenen Betrag an meine Eltern wieder zurückgeben kann.“

Zu haben sind die speziellen Sneaker über den Online-Shop www.sanri.info. „Dazu gibt es auch ein zehnminütiges Video mit Christian Decker und mir auf Youtube.“

Der Verkauf soll aber nicht nur über das Internet erfolgen. „Ich habe auch Firmen wie Karstadt und das KaDeWe angesprochen“, informiert der pfiffige 14-Jährige. Der Chefeinkäufer des Berliner Luxuskaufhauses „will sich das Modell anschauen“.

Einige Paar „SanRi“, die man auch „zu schickeren Anlässen“ tragen könne, habe er schon an Bekannte verkauft. Doch ein „Start-up“ betreibe er damit nicht, sagt Santiago Ribot. „Das ist mein Hobby.“

Von Michael Mix

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