Betrüger geben sich als Mitarbeiter der Stadtwerke aus und fordern Zählerstand

Tarif-Trickserei am Telefon

Mit unlauteren Methoden versuchen Anrufer zurzeit Stadtwerke-Kunden zum Tarifwechsel zu überreden. Sie werden aufgefordert, den Stand ihres Stromzählers durchzugeben.
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Mit unlauteren Methoden versuchen Anrufer zurzeit Stadtwerke-Kunden zum Tarifwechsel zu überreden. Sie werden aufgefordert, den Stand ihres Stromzählers durchzugeben.

Achim - Von Lisa Duncan. Zweifelhafte Geschäftemacher versuchen zurzeit offenbar, Stromkunden zum Vertragswechsel zu bringen. Perfide: Die Anrufer geben sich als Mitarbeiter der Stadtwerke Achim aus.

Uwe Müller (Name von der Redaktion geändert) aus Baden hatte gestern Vormittag zunächst einen seriösen Hintergrund vermutet, denn der Herr am Telefon stellte sich als Mitarbeiter der Achimer Stadtwerke vor. Stutzig wurde der 66-Jährige erst, als die Stimme in der Leitung ihn drängte, den Stand seines Stromzählers telefonisch mitzuteilen. Grund: Am 1. Mai würden die Stadtwerke die Tarife aller ihrer Kunden geschlossen auf Ökostrom umstellen. Ein entsprechendes Schreiben soll Müller erhalten haben. Doch daran konnte dieser sich nicht erinnern.

Auf Verdacht tat der Badener genau das Richtige: Er teilte dem Anrufer mit, dass er nun selbst die Stadtwerke anrufen werde. Sein Gesprächspartner legte auf.

„Ach, jetzt geht das wieder los“, lautete der Kommentar der Stadtwerke-Mitarbeiterin, als Uwe Müller anschließend dort nachhakte. Offenbar waren schon mehrere Beschwerden dort eingegangen.

Das bestätigt Stefan Miebach, Bereichsleiter Handel bei den Achimer Stadtwerken. Bis zu fünf Anrufe die Woche erhalte der Energieversorger von Kunden, die von solchen oder ähnlichen Fällen berichten.

Doch was nützt den unredlichen Stromanbietern die Angabe des Zählerstands? „Mithilfe des Zählerstands kann die Firma Kunden als seinen Kunden bei uns anmelden“, erklärt Miebach. Wenn jemand den Zählerstand wider besseren Wissens am Telefon durchgibt, könne das also tatsächlich einen ungewollten Tarifwechsel zur Folge haben.

In diesem Fall seien den Stadtwerken tatsächlich erstmal die Hände gebunden. „Der Kunde muss sich selber drum kümmern.“ Stefan Miebach rät jedoch: „Wer unaufgefordert einen Tarifwechsel herbeiführt, sollte das gleich schriftlich kündigen.“

Die unlauteren Konkurrenten zu belangen, sei schwierig, solange man nicht wisse, wer dahinter steckt. Auf die Handy-Nummer, die Mebach von Stadtwerke-Kunden erhalten hatte, hätte sich niemand gemeldet. Der Bereichsleiter schätzt jedoch das Problem der dubiosen Anrufer nicht so gravierend ein, dass es sich geschäftsschädigend für die Stadtwerke auswirken könnte. „Wir vertrauen auf den gesunden Menschenverstand der Leute.“

An etlichen Merkmalen könne man die windigen Geschäftemacher von den echten Stadtwerken unterscheiden. Miebach versichert: „Wir melden uns selten unaufgefordert.“ Wenn doch mal ein Anruf der Stadtwerke eingehe, dann bestehe ein konkreter Anlass, wie etwa bei einem Umzug. Auch eine, wie vom Anrufer behauptete, kollektive Umstellung auf Ökostrom sei Humbug: „Kein Kunde wird zwangsweise umgestellt.“

Auch würden Mitarbeiter der Stadtwerke ihre Kunden niemals telefonisch nach dem Zählerstand fragen. Diesen könne das eigene EDV-System nämlich bei jedem Kunden – mehr oder weniger genau – auch selbst ermitteln. Davon abgesehen stehe den Kunden immer offen, ihren Zählerstand von sich aus anzugeben.

Im Zweifelsfall könnten Kunden stets persönlich in der Zentrale der Stadtwerke unter Telefon 04202 / 5100 nachhaken.

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