Szenische Lesung in der Stadtbibliothek

Mörderischer Spaß zwischen Bücherregalen

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Halb zog er sie, halb sank sie hin – Dr. Watson entlieh sich dem Publikum nicht nur eine „sterbende Schwester“.

Achim - Von Ingo Schmidt. Im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe hatte der Förderverein der Stadtbibliothek Achim am Donnerstagabend zu einem ganz besonderen Krimierlebnis eingeladen. Bei Schummerlicht im Bibliotheks-Foyer führten die Romangestalten Dr. Watson und Sherlock Holmes, dargestellt durch Roland Kalweit und Danny Richter, in die düstere Welt des Erfolgsautors Sir Arthur Conan Doyle.

Unversehens fand sich das Publikum wartend in einer Bahnhofshalle verortet und Dr. Watson führte seine Mitreisenden ins späte viktorianische Zeitalter. Wie zum Zeitvertreib berichtete er über den aktuell gelösten Mordfall seines splienigen Partners Sherlock Holmes. Die Interaktion mit dem Publikum war dabei durchaus beabsichtigt, wenn nicht sogar nötig: Denn für heulende Winde, kläffende Hunde oder Schreie in der Nacht sorgten die Zuschauer selbst. Manchmal fehlte auch ein entstellter Pavian oder gar eine Leiche. Selten reicht ein Buch als Requisite: So musste die Lesebrille einer Zuhörerin als Lupe herhalten, oder ein Kaffeeautomat als Tresor.

Hin und wieder verließ der Chronist freimütig die Vorgaben des Romans, beispielsweise bei einer überlangen Umarmung der zu Tode erschrockenen Frau aus dem Publikum oder er ließ Holmes dicht mit dem Gesicht über dem Boden kriechend den Tatort untersuchen, hin und zurück, weil das Skript es angeblich so wollte.

In gekonnt analytisch-rationaler und pointierter Weise betrachtete Sherlock Holmes die Ereignisse und löste letztlich den Fall des „gefleckten Bandes“. Nach gespielt holpriger Fahrt in einem Einspänner inspizierte er mit Partner Watson ein altes Herrenhaus. Dort stellte er dem Stiefvater eine Falle, der anschließend durch den Biss des „gefleckten Bandes“, seiner eigenen Schlange, tragisch ums Leben kam.

Nicht nur die Gäste fanden großen Gefallen an der außergewöhnlichen Darbietung. Bei all ihrer Pantomime hatten die Darsteller sichtlich Spaß und lachten manches Mal selbst über ihre Improvisationsleistung.

Nach einer kurzen Pause und einem zweiten Krimiabenteuer entließ ein amüsiertes Publikum die Protagonisten unter Beifall in eine britisch-verregnete Oktobernacht und forderte weitere heitere Leseabende des Fördervereins.

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