Preisgekrönte Krimiautorin Simone Buchholz liest aus ihrem aktuellen Roman

Sympathische Geiselnehmer auf St. Pauli

Die Hamburger Autorin Simone Buchholz präsentierte in der Buchhandlung Hoffmann ihren aktuellen Krimi um die Staatsanwältin Chastity Riley. Foto: Schmidt

Achim - Von Ingo Schmidt. „Gute Krimis entstehen in der Krise“, sagt Simone Buchholz. Eine Krise halte für die Autoren viele gesellschaftliche Themen und persönliche Katastrophen bereit, die beim Leser das Interesse für das Genre wecken. Am Dienstagabend war die Hamburger Schriftstellerin zu Gast in der Buchhandlung Hoffmann. Im voll besetzten Verkaufsraum präsentierte sie mit „Hotel Cartagena“ den inzwischen neunten Band ihrer Krimi-Reihe um die oft unkonventionell agierende Staatsanwältin Chastity Riley.

In ihrer Erzählung führt die Autorin ihre Leser in die Welt der 1980er-Jahre: Popper, Nazi-Kloppe und Kiez-Gangster, die in weiten Stoffhosen und pastellfarbenen Sakkos oder Glitzerhemden mittelcoole Bewegungsmuster einüben – wer diese verrückte Zeit miterleben durfte, fühlte sich sofort darin zurückversetzt. „Es wird in diesem Roman überhaupt nicht ermittelt“, verriet die Autorin zum Einstieg. Es gehe alleine um eine Geiselnahme, deren Hintergründe in der Folge aus drei Perspektiven aufgelöst werden.

Der 19-jährige Henning will raus aus St. Pauli. Er schämt sich für den Ort, an dem er aufgewachsen ist. Er hat die Schule geschmissen, eine Ausbildung abgebrochen und erkennt allmählich, dass sich die Dinge nicht ändern, nur weil man sich etwas Besseres wünscht. Also heuert er auf einem Schiff an, dass ihn nach Kolumbien bringt. Simone Buchholz weiß, dass Krisensituationen ein sicheres Fundament für jeden Krimi bieten. Eine schwere persönliche Krise lässt sie ihre Romanfigur Henning durchleben. Er trifft auf Drogenboss Esteban, der für seine Geschäfte Kontaktpersonen in Hamburg sucht. Henning macht das klar und anschließend Karriere mit einer eigenen Bar. Alles geht gut, bis in Hamburg im Jahre 2001 einer auspackt. Henning flieht mit Frau und Sohn Arturo nach Curacao. Zwei Killer finden sie und erschießen die Familie, Henning überlebt.

Diesen Handlungsstrang verbindet Buchholz mit zwei weiteren in der Gegenwart: Auf der Straße vor dem Hotel River Palace steht LKA-Mann Ivo Stepanovic, er hängt seinen Träumen nach und horcht in sich hinein. „Mein Herz macht ein ungesundes Geräusch“, stellt der Beamte im Selbstgespräch fest. Immer wenn er etwas tun soll, was er absolut nicht wolle, verspüre er einen besonderen Druck auf der Brust. Oben in der Hotel-Bar, im 20. Stockwerk, warten inzwischen Freunde und Kollegen, um den 65. Geburtstag des ehemaligen Vorgesetzten Faller zu feiern. Dort überschlagen sich die Ereignisse: Zwölf Personen stürmen die Bar und nehmen die Anwesenden in Geiselhaft, darunter Staatsanwältin Chastity Riley.

Mit dieser Sachlage lässt die Autorin die Barbesucher und ihre aufmerksam lauschenden Literaturfreunde im Ungewissen, denn die Geiselnehmer stellen keine Forderung. Die Situation beschreibt die Krimi-Expertin als „entspannt“ und die Geiselnehmer als „sympathische Typen“ mit Haltung. „Die machen das schon vollkommen richtig“, versichert Buchholz und zaubert damit verwunderte Blicke in die Gesichter ihrer Zuhörer. Zerbrochene Figuren, Wichtigtuer und verschrobene Charaktere – es ist die Authentizität, mit der Simone Buchholz ihre Akteure beschreibt und so lebendig für den Leser erleben lässt. Ihre Hauptpersonen, die sie bereits seit dem Jahre 2006 begleiten, hat Buchholz fest im Griff. „Nur Chastity Riley macht manchmal Dinge, die ich nicht vorhersehen kann“, beschreibt sie ihren krassen Hauptcharakter. Ihre besondere Biografie mache Riley zu einer tief beschädigten und unberechenbaren Persönlichkeit. Auch die Beschreibung der Orte und Milieus überlässt Simone Buchholz nicht dem Zufall. „Wenn möglich, verbringe ich einige Zeit vor Ort“, berichtet sie über ihre Vorgehensweise. In Kolumbien sei sie nicht gewesen, habe aber von Erzählungen einiger Bekannter profitiert.

Simone Buchholz schafft eindrucksvoll eine tiefe Nähe zu Handlung und Personen, die ihr bereits mehrere Krimipreise eingebracht hat. Der nächste Roman ist bereits in Arbeit und wird zum Teil in Großbritannien spielen. Schon jetzt freue sie sich auf einen Aufenthalt in Schottland.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Meistgelesene Artikel

Immer mehr Wohnmobile in Verden

Immer mehr Wohnmobile in Verden

Immer mehr Wohnmobile in Verden
Balge-Mord: Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt – Mord nicht nachgewiesen

Balge-Mord: Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt – Mord nicht nachgewiesen

Balge-Mord: Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt – Mord nicht nachgewiesen
Kürbis-Spezial in Völkersen

Kürbis-Spezial in Völkersen

Kürbis-Spezial in Völkersen
Verden: Neue Polizeichefin, alte Akzeptanz-Probleme

Verden: Neue Polizeichefin, alte Akzeptanz-Probleme

Verden: Neue Polizeichefin, alte Akzeptanz-Probleme

Kommentare