Die Super-Ansiedlung: Wunschtraum oder Albtraum?

Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ ist sicher eine der fesselndsten Stücke der Literatur. Die Milliardärin Claire kommt als alte Dame zurück in ihren Heimatort Güllen, den sie früh mit ihrem Kleinkind verlassen musste, nachdem ihr Partner Alfred III die Vaterschaft geleugnet und den Prozess darum mit bestochenen Zeugen gewonnen hatte. Als „alte Dame“ hat sie sich in ihren Heimatort eingekauft und verspricht ihm nun eine Milliarde, wenn ihr Gerechtigkeit widerfährt und der Ort den Strolch umbringt, der die Vaterschaft leugnete, sie zur Prostitution trieb und ihr Leben verpfuschte. Die Güllener lehnen die Rache empört ab, verschmähen aber ihr Geld auch nicht. Sie bringen schließlich Alfred III doch zur Strecke, und Güllens Bürgermeister erhält den Milliardenscheck.

In Achim ist es eine Amazone, die schon vor ihrem Eintreffen den ganzen Ort in helle Aufregung versetzt hat und viele ihre Prinzipien und Bedenken über den Haufen schmeißen lässt.

Sie winkt mit 2500 und mehr Arbeitsplätzen und einem kleinen Stück vom Steuerkuchen, der noch nicht im Paradies versteckt ist. Sicher verlangt die Amazone keine Gerechtigkeit und schon gar nicht den Tod eines Menschen, aber wie in Dürrenmatts Güllen werden Menschen schnell schwach, wenn es um große materielle Vorteile geht. Dass die Amazone ihre Malocher mit digitaler Technik kontrolliert und hetzt, spielt nun keine Rolle mehr. Dass sie die stationären Einzelhändler gefährdet und auch auf ihrem „Marktplatz“ erfolgreiche Selbstständige plötzlich platt macht, wird im Achimer Rathaus, das bisher jedes Einkaufszentrum außerhalb der Fußgängerzone verhindert hat, zur Nebensache.

„Geld regiert die Welt“

Egal auch, dass die Tausende Laster und Autos, die die Amazone mit sich bringt, der oft genug total verstopften Stadt den Verkehrsinfarkt bescheren können. Man macht einfach die Augen zu und beschließt ohne gründliche Prüfung ein Verkehrskonzept, das die wichtige Ueser Landesstraßen-Kreuzung außen vor lässt, und lässt sich vom „Experten“ mit einem Filmchen über die Verkehrsströme abspeisen, das eher an Mäusekino erinnert. Da hätte man auch gleich „Alexa“, den-Sprachcomputer der Amazone mit künstlicher Intelligenz, fragen können.

Die Moral von der Geschicht: „Geld regiert die Welt“ oder „Geld ist nicht alles“.

Die Einwohner des noch gemütlichen Weserstädtchens dürfen erwarten, dass ihre bezahlten und gewählten Vertreter es sich mit der Amazone 2018 nicht allzu leicht machen.

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