„Stromtankstelle am Rathaus schaffen“

Achimer Firma Power Innovation tüftelt an Schnellladestation

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Bernhard Böden, Chef von Power Innovation, sieht noch einige Hürden auf dem Weg zur Schnellladestation.

Achim - Stromtankstellen auf öffentlichem Gelände suchen Fahrer von Elektro- oder Hybridautos in Achim bisher vergeblich. „Hier sollte die Stadt aber eine Vorreiterrolle übernehmen und den Energiewandel mit gestalten“, fordern Nutzer des Onlineportals Achim-Dialog. Am kommenden Dienstag wird sich der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr mit dem Thema befassen.

Acht der zwölf Bürgerinnen und Bürger, die sich an der Abstimmung im Internet beteiligt haben, beantragen, Stromtankstellen auf öffentlichen Parkplätzen, wie zum Beispiel auf dem Baumplatz zwischen dem Amtsgericht und dem Rathaus und / oder auf dem Park- and Ride-Parkplatz am Bahnhof aufzustellen. Damit könne die Kommune auch ihre Außendarstellung verbessern, führen die Befürworter ins Feld. „Achim, die Stadt, die nicht nur redet, sondern die auch handelt.“

Und wie beurteilen Verantwortliche im Rathaus die Sachlage? „Die Elektromobilität hat in den letzten Jahren im Bereich der Elektrofahrräder einen enormen Aufschwung erhalten. Die Nutzung von Ladestationen für E-Fahrräder bleibt jedoch hinter den Erwartungen weit zurück“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung. Die Kapazität der Akkus decke überwiegend die Anforderungen für gefahrene Strecken ab.

Installation von E-Tankstellen vorantreiben

Der Bereich Elektrokraftfahrzeuge werde in den nächsten Jahren allerdings eine deutlich höhere Bedeutung gegenüber heute erhalten. „Hinweise geben hierauf die zurzeit beginnenden enormen Anstrengungen der Automobilbauer in diesem Bereich“, erläutert Stefan Schuster vom Straßen- und Verkehrsmanagement der Stadt in der Vorlage für die Sitzung, die um 17 Uhr im Ratssaal beginnt.

Die Verwaltung schlägt vor, die Installation von E-Tankstellen in Achim voranzutreiben. Während erste Flächen im Sanierungsgebiet „Nördliche Innenstadt“ und im Gewerbegebiet Achim-Ost zurzeit auf Umsetzbarkeit geprüft und diskutiert würden, stünden Gespräche mit Betreibern noch aus.

Strom aus regenerativen Quellen

Erster Ansprechpartner für die Realisierung oder auch den Betrieb von E-Tankstellen sollten die Stadtwerke Achim sein. Gespräche mit interessierten Firmen seien in Abstimmung mit dem Energieversorger zu führen.

„Power Innovation“ käme in Betracht. Das im Gewerbepark Uesen ansässige Unternehmen tüftelt längst an umweltfreundlicher wie leistungsfähiger Ladestationen-Technik für Elektroautos. „Der Strom dafür wird nicht aus umweltschädlicher Kohle erzeugt, sondern aus regenerativen Quellen, also Wind- und Sonnenenergie“, sagt Inhaber Bernhard Böden.

Schwieriger als gedacht

Bereits im vorigen Jahr wollte der „Achimer Unternehmer des Jahres 2017“ solch eine Anlage auf dem Grundstück der firmeneigenen Forschungsabteilung, Rehland 2, verwirklichen. Doch das Vorhaben gestaltet sich schwieriger als gedacht.

„Es gibt Probleme zwischen der Ladesäule und dem Fahrzeug, das funktioniert noch nicht richtig“, berichtet Böden auf Nachfrage. Die benötigten Module stelle eine auswärtige Firma her. „Wenn Sie einen E-Golf laden können, heißt das noch lange nicht, dass Sie das auch beim VW Up, BMW I3 und beim Opel Ampera hinbekommen“, erläutert der Fachmann.

Größte Hürden überwunden

Doch die größten Hürden seien inzwischen überwunden. Zusammen mit dem größeren Partner Enercon solle am 14. März eine moderne Ladestation am Energieerlebniszentrum in Aurich in Betrieb genommen werden. Das ostfriesische Unternehmen liefere auch den aus Windkraft erzeugten Strom. Ein E-Golf könne dort dann in 40 Minuten zu 80 bis 90 Prozent „betankt“ werden.

Im April will Böden eine derartige Zapfsäule auf dem Firmengrundstück am Rehland aufstellen. Besitzer von E-Autos gucken dennoch erstmal in die Röhre. „Wir machen das zunächst nur rein zu Präsentationszwecken, weil die Abrechnung aus eichrechtlichen Gründen noch nicht funktioniert.“

Flächendeckendes Versorgungsnetz

Die von Bernhard Böden und anderen Experten vorhergesagte „automobile Zukunft“ kommt hierzulande also bis auf weiteres eher im Schneckentempo daher. Zusammen mit anderen Forschern im Hause und von außerhalb bastelt der ausgezeichnete Unternehmer unterdessen daran, dass Elektroautos bereits nach 15 Minuten Stromziehen über eine Reichweite von 400 Kilometern verfügen können. „Wir entwickeln Ladestationen, die mit 300 Kilowattstunden über große Energiespeicher verfügen.“

Die Bundesregierung plant nach Angaben von Böden ein flächendeckendes Versorgungsnetz. Die Technik aus Achim und Aurich solle auf den Tankstellen und auf Parkplätzen entlang der Autobahnen sowie bei interessierten Autowerkstätten aufgebaut werden.

mm

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