Frisch gekürter Vorsitzender

Striedieck neuer CDU-Chef, Puls kartet nach

Rief die CDU zur Geschlossenheit auf: Der neue Vorsitzende Jürgen Striedieck, der eigentlich Achimer Bürgermeister hatte werden wollen.
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Rief die CDU zur Geschlossenheit auf: Der neue Vorsitzende Jürgen Striedieck, der eigentlich Achimer Bürgermeister hatte werden wollen.

Achim – Vier Wochen nach dem Holterdiepolter-Rücktritt von Martin Puls hat die Achimer CDU wieder einen Vorsitzenden. Jürgen Striedieck führt jetzt den Stadtverband. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit reichlich Zündstoff am Donnerstagabend im Gasthof Zur Linde bekam der 50-jährige bisherige Parteivize, Ratsherr und im Frühjahr von der Basis nicht gewollte Bürgermeisterkandidat in geheimer Wahl 26 Ja-Stimmen, drei Christdemokraten enthielten sich, eine Stimme war ungültig.

„Der verbleibende Vorstand geriet nicht in Schockstarre“, lobte Ehrenvorsitzender Rüdiger Dürr die Führungsriege um die stellvertretenden Vorsitzenden Striedieck, Hans-Michael Paulat und Stephan Warnken nachdem Puls Ende Mai kurz nach seiner Wiederwahl als Parteichef den Posten mit Pauken und Trompeten hingeschmissen und damit die Achimer CDU mitten im Wahlkampf empfindlich getroffen hatte. Doch „Friede, Freude, Eierkuchen“ herrscht dort nach der Inthronisierung von Jürgen Striedieck noch lange nicht. Der vor knapp einem Monat mit einem mäßigen Ergebnis im Amt bestätigte und kurz darauf auch noch aus anderen Gründen entnervt hinwerfende Martin Puls kartete bei der Versammlung am Donnerstag kräftig nach. In seinen 18 Monaten als Vorsitzender habe er einen „netten Umgang“ mit Parteimitgliedern erlebt. „Dann dreht man sich um – und kriegt ein Messer in den Rücken.“

Noch vor der Wahl seines Nachfolgers ergriff Puls das Wort, um offene Rechnungen zu begleichen. So schlug er seinen Parteifeind Karl-Heinz Lichter als neuen Vorsitzenden vor. „Ich nehme die Wahl von Puls nicht an“, erwiderte der langjährige Fraktionschef angesäuert. Und auch die von Puls verlangten und von der Versammlung Ende Mai abgelehnten 500 Euro aus der Parteikasse für eine Weihnachtsfeier des Vorstands sprach der Ex-Vorsitzende noch einmal an und knallte „Kleinkrämer“ Lichter demonstrativ einige Münzen auf den Tisch.

Nach der giftigen Rückschau blickte er schließlich auch noch ein wenig in die Zukunft, zunächst rein sachlich. Die CDU werde bei der Stadtratswahl am 12. September wohl kaum die absolute Mehrheit erringen. Deshalb hielte er es für sinnvoll, ein Bündnis mit der FDP zu schmieden. Oder aber auch mit der SPD, der derzeit stärksten Kraft im Rat, tat Puls kund und stichelte: „Das hätten wir schon haben können, aber der Fraktionsvorsitzende hat das nicht hinbekommen.“

Der frisch gekürte Parteichef Jürgen Striedieck erkannte einen „gewissen Frust“ bei seinem Amtsvorgänger und rief die Achimer CDU zur Geschlossenheit auf. „Wichtig ist, dass wir als Union zusammenstehen.“ Die CDU habe mit Dr. Nadine Fischer eine „ganz tolle Bürgermeisterkandidatin“, betonte der bei dieser Abstimmung unterlegene parteiinterne Konkurrent. Striedieck blies zum Sturm aufs Rathaus. „Wir wollen in Achim stärkste Partei werden und das Stadtoberhaupt stellen.“

Fischer, die zur Zeit im Urlaub weilt, übermittelte der Versammlung eine Videobotschaft. Im Wahlkampf habe sie in Achim bisher schon „unzählige Menschen“ getroffen und auch ihr Podcast zu verschiedenen Themen laufe gut. Um die Innenstadt zu beleben, kann sich die CDU-Bürgermeisterkandidatin eine „Markthalle der Spezialitäten“ vorstellen. Außerdem verkündete Fischer unter anderem, ein Unternehmerforum gründen zu wollen, um Firmen bei Steuerfragen und anderen Problemen besser zu unterstützen.

Striedieck formulierte für die CDU zehn Wahlziele. Die Innenstadt bezeichnete er als „größte Baustelle“. Diese gelte es, „zu einem Ort des Wohlfühlens zu formen“. Achim habe mit seiner Kaufkraft viel Potenzial, um eine attraktive City zu gestalten. „Mehr Grünflächen in der Fußgängerzone, raus mit dem Kopfsteinpflaster“, lautete die Ansage.

Zur Lösung der Verkehrsprobleme sei eine zweite Weserüberquerung in Achim notwendig. Die CDU spreche sich aber auch für einen Ausbau des Radwegenetzes aus, „ohne dabei den Autoverkehr zu verdammen“.

Weitere Stichworte Striediecks waren „Digitalisierung an Schulen ausbauen“, „Breitensportförderung“ und die Stärkung der ehrenamtlichen Brandschützer – „wir als CDU sind die Feuerwehr-Partei“.

Stärker als bisher sollte nach Meinung der Christdemokraten die Lage der Stadt am Fluss zur Geltung kommen. „Wir öffnen Achim zur Weser“, ist ein Programmpunkt überschrieben. Auf der städtischen Fläche an der Ueser Brücke könnten doch im Sommerhalbjahr Konzerte und andere Veranstaltungen steigen, konkretisierte der neue Vorsitzende.

Das Angebot für Kinder und Jugendliche müsse ausgeweitet werden, etwa durch gut ausgestattete Spielplätze und neue Treffpunkte. Und Migranten sollten vom Kindergarten an die deutsche Sprache erlernen, um sie besser in die heimische Gesellschaft integrieren zu können.

Aus dem Projekt „Achim-West“ wolle die CDU aussteigen, vor allem wegen der ungeklärten Finanzierung, neu entstehender Verkehrsprobleme und erheblicher Flächenversiegelung. Sollte der derzeitige Bürgermeister das Vorhaben wie geplant umsetzen, werde er als „Schulden-Rainer“ in die Achimer Geschichte eingehen, merkte Jürgen Striedieck unter Beifall und Lachen im Saal an.

Als zehntes und letztes Wahlziel benannte der neue Vorsitzende den Erhalt der Aller-Weser-Klinik. Die Krankenhausversorgung in Achim müsse gewährleistet bleiben.

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