Kollegen erinnern an den großen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch

Strenger Clown und ein moralischer Anstifter

Mit bewegenden Worten lieferten Jürgen Kessler (li.) und Holk Freytag einen sehr persönlichen, emotionalen Blick auf das Lebenswerk des 2005 verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch.

Achim - Von Ingo Schmidt.  Der Autor, Freund, Agent und Wegbegleiter Jürgen Kessler lässt mit seinem Bühnenstück das Lebenswerk des großartigen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch Revue passieren. Als sein Leiter hatte Kessler am Sonntagabend „Die Reisende Truppe des Mainzer Kabarettarchivs“ in den Blauen Saal des Achimer Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch) geführt. Das archiveigene Ensemble spielte vor vollen Rängen und nahm das Publikum mit auf eine anspruchsvolle Zeitreise in die Welt der Worte und Clownerie des „Poeten der kritischen Phantasie“.

Jürgen Kessler spielte sich selbst als Agenten, und Holk Freytag mimte Hüsch. Begleitet wurden sie von Markus Schönberg am Klavier und dem Gesang von Irmgard Haub. Interpretationen und originale Chanson-Mitschnitte unterbrachen ein Zwiegespräch der Protagonisten: Gemeinsame Erinnerungen ließen ein Stück deutscher Kabarettgeschichte aufleben.

Die Einleitung bildete eine diagnostische Retrospektive - wechselweise durch Haub und Freytag in den Raum geworfene Eigenschaften oder Ereignisse aus dem Leben des Künstlers, beginnend mit der komplizierten Lage im Mutterleib und Kaiserschnittgeburt bis hin zu Fußleiden oder dem Genuss von Overstolz-Zigaretten.

Dieser Einstieg sollte einstimmen auf die wortgewaltigen Dialoge und Monologe, die das literarische Werk kennzeichnen. Es folgten Zitate originaler Texte und Erzählungen, die von der Ortsverbundenheit des Rheinländers handelten oder von kabarettistischen Gehversuchen an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Sie erzählten von ersten Rundfunk-Chanson-Aufnahmen, Aufenthalt in der Schweiz sowie von gemeinsamer Zeit mit den „Bühnentriebtätern“ und den „Unterhäuslern“. Kessler spricht über das Programm „Enthauptungen“ als ein Hauptwerk, dessen Poesie er nur schwer entschlüsselte.

Nach der Pause nahmen die Darsteller Bezug auf aktuelle Ereignisse: „Es läuft nicht gut Hanns Dieter“, lässt Kessler verlauten. Politik verkomme zu Hampelmann-Akrobatik und Kabarettisten würden zu Unternehmern, die geschmacklos überzogen herumpöbeln. Deutschland sei innerlich zerrissen, ohne Identität; es gebe zu viele Leute, mit denen man nichts gemein habe. Junge Menschen würden an den Bildungseinrichtungen flott formatiert, um möglichst schnell an der Wertschöpfungskette teilnehmen zu können.

In der Lesung mit Gesang skizziert das Ensemble den 2005 verstorbenen Hanns Dieter Hüsch als einen sehr emotionalen Kabarettisten. Als einen strengen Clown, der Anstifter sein wollte für ein anderes Welt-Verständnis.

So erlebten die Zuhörer auch einen sehr emotionalen, oft melancholischen Abend mit wenig heiteren Momenten. Jürgen Kessler liefert mit seinem Programm einen poetischen Nachruf auf Hanns Dieter Hüsch und auf die Kunst der feinen Worte.

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