INTERVIEW Ratsvorsitzender Bernd Junker über seine Rolle

„Streit muss es geben“

Bernd Junker
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Bernd Junker

Achim – Warum der Job als Ratsvorsitzender manchmal schwierig ist, wie er mit Kritik umgeht und warum der persönliche Kontakt zu den Bürgern seiner Meinung nach so wichtig ist, erklärt der Achimer Ratsvorsitzende Bernd Junker im Interview. Die Fragen stellte Sandra Bischoff.

Achim hat zurzeit einige große Projekte vor der Brust, unter anderem Achim-West und die Entwicklung des ehemaligen Lieken-Geländes. Sie prägen als Ratsherr die Entwicklung der Stadt für Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Ist diese Verantwortung mitunter auch belastend?

Das kommt immer auf das Projekt an. Positiv ist es natürlich, wenn die Leute es im Einklang mitbegleiten. Aber Projekte wie Amazon sind schwieriger, man muss sich als Ratsmitglied kundig machen und seine Entscheidung abwägen. Aber man muss dann auch sagen: Ich gehe jetzt aus diesem Grund diesen Weg. Das muss man transparent machen, denn das ist auch unsere Aufgabe als Politik: die Leute mitzunehmen und ihnen zuzuhören. Das gelingt nicht immer, natürlich gibt es auch Meinungsverschiedenheiten. So ist Demokratie.

Wie gehen Sie denn mit der Kritik der Bürger um, vor allem dann, wenn es persönlich wird?

Natürlich gibt es auch persönliche Angriffe, dann wehre ich mich auch verbal dagegen. Ich denke, das steht jedem Politiker auch zu.

Als Ratsvorsitzender sind Sie eine Art Moderator. Vor welche Schwierigkeiten stellt Sie das manchmal?

Als Vorsitzender bin ich sehr darauf bedacht, objektiv und neutral zu sein. Da muss ich mich mit meiner Meinung zurückhalten. Es juckt mir manchmal schon in den Fingern, etwas zu sagen. Aber das muss ich mir dann verbieten.

Wie sieht es denn mit der Streitkultur im Rat aus? Wird da immer für die Sache diskutiert oder schwingen da oftmals nicht auch Befindlichkeiten mit?

Ziel muss immer ein gutes Ergebnis für die Stadt und ihre Bürger sein. Aber viele Wege führen nach Rom, und manchmal ist einer dieser Wege der Streit. Den muss es im Rat auch geben, denn er ist ein bisschen wie das Salz in der Suppe und prägt die Demokratie. Ich finde, eine gewisse Streitkultur, die in der Sache begründet ist, macht es erst interessant. Es gibt schließlich viele unterschiedliche Ansichten zu einem Thema.

Klappt das denn?

Ich muss jetzt mal eine Lanze für den Rat brechen. Das sind 39 Personen mit unterschiedlichen Charakteren. Die alle unter einen Hut zu kriegen, ist manchmal etwas schwierig. Aber meistens klappt es. Es liegt an mir, die Ratsmitglieder zusammenzuhalten, so sehe ich meine Rolle als Ratsvorsitzender.

Als regulärer Ratsherr in den Ausschüssen sind Sie auch niemand, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält.

Na ja, ich spiele das Spiel ja mit, sonst wäre es auch langweilig. Und noch mal: Was wäre die beste Suppe ohne Salz? Schal und fad. Manchmal muss man ein bisschen Spannung reinbringen.

Im September stehen Kommunalwahlen an. Wie kann man die Ratsarbeit attraktiver machen, damit sich künftig auch mehr jüngere Menschen politisch engagieren?

Ich denke, wir müssen uns als Rat nach außen besser darstellen. Und wir müssen den Leuten erklären, was unser Job ist, nämlich, dass man als Ratsmitglied die Stadt in einem bestimmten Rahmen gestalten kann. Wir müssen den Rat viel mehr nach außen transportieren. Deshalb finde ich es auch gut, dass die Kollegen von der FDP das Streaming der Sitzungen beantragt haben. Wir müssen nach draußen gehen und den Leuten Politik erklären, das ist unsere verdammte Pflicht. Ebenso müssen wir Entscheidungen den Menschen persönlich erklären und transparent machen.

Was muss man mitbringen als Politiker, der nach Feierabend zum Teil über Ausgaben in Millionenhöhe bestimmt?

Man muss ganz viel Engagement mitbringen. Man muss ganz viel Enthusiasmus mitbringen. Man muss viel Zeit investieren. Und man braucht einen Partner, der das mitträgt. Außerdem benötigt man Fingerspitzengefühl und eine ganz große Offenheit. Man darf keine Scheu haben, auf Menschen zuzugehen, und man muss zuhören und auch andere Meinungen aushalten können.

Warum machen Sie den Job?

Ich habe gerne mit Menschen zu tun. Das liegt vielleicht auch in meiner Natur als Polizist und in meinem Charakter begründet, dass ich helfen möchte. Ich freue mich, wenn ich für andere etwas Gutes getan habe. Das ist der Treibstoff für meinen Motor.

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