Bürgerinitiativen protestieren

„Stoppt die aktuelle Förderpraxis der Erdgasindustrie“

Dutzende Aktivisten bilden mit roten Xen an der Ueser Kreuzung eine Mahngasse.
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Dutzende Aktivisten bilden mit roten Xen an der Ueser Kreuzung eine Mahngasse.

Achim - Ein rotes „X“ oder die „Rote Hand“ – damit bringen Bürger des Landkreises ihre Meinung zum Ausdruck: „Stoppt die aktuelle Förderpraxis der Erdgasindustrie“, fordern die inzwischen sechs aktiven Initiativen in Völkersen, Langwedel, Blender, Walle, Achim/Thedinhausen und Kirchlinteln.

Um auf mögliche Gefahren bei dieser Bodenausbeutung hinzuweisen, versammelten sich am Samstagvormittag etwa 70 bis 80 Aktivisten an der Ueser Kreuzung und verteilten Informationsmaterial.

Jede Art der Erdgasförderung bringe eine Reihe von Gefahren für Gesundheit und Umwelt mit sich, davon sind die Gasbohrgegner überzeugt. Auf dem Sektor tätige Unternehmen hätten die Risiken stets verharmlost und verschwiegen. „Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel“, mahnt Mitinitiatorin Silke Thomas, „wir können nicht zulassen, dass wir das gefährden.“

Ein Risiko bilden der Initiative zufolge Schadstoffe, wie etwa Benzole oder Quecksilber, und mit dem sogenannten Lagerstättenwasser an die Erdoberfläche gelangen. „Es ist dabei nicht sichergestellt, dass durch Unfälle bei der Förderung Grundwasser verunreinigt wird“, erklärt Thomas die Bedenken der Protest-Teilnehmer. So seien Erdbeben als Folge dieser Art von Energiegewinnung besonders in Langwedel und im Südkreis bereits signifikant und vermeintlich verlässliche Rohrsysteme alles andere als sicher. „Wir müssen die Förderpraxis stoppen“, fordert die Achimerin.

Bereits zum zweiten Mal, nach einer ähnlichen Aktion in Verden im Juni, zeigen Gasbohrgegner im Landkreis an einer verkehrsreichen Stelle Flagge, um auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Schauplatz diesmal: Achim.

Erdbeben führten zu Schäden an Gebäuden und damit zu Ärger und Wertverlusten für die betroffenen Eigentümer sowie gesundheitliche Schädigungen, die in den USA bereits anerkannt seien. „Die Förderung ist möglicherweise nicht so eine saubere Sache, wie uns erklärt wird“, sagt Wolfgang Marschhausen aus Langwedel. Betrachte man die gesamte Prozesskette zur Gasgewinnung, sei die Klimabilanz von Erdgas mindestens so schlecht wie bei Kohle oder Erdöl.

Zudem deckte deutsches Erdgas nach seinen Angaben nur 1,7 Prozent des Energiebedarfs im vergangenen Jahr. „Nur die ganz konsequente Abkehr von fossilen Energiequellen, also der unbedingte Wille zum Umstieg auf erneuerbare Energien, wird mindernd auf den Klimawandel wirken“, macht Marschhausen deutlich. „Nur leider betreibt die Bundesregierung genau das Gegenteil, indem sie den Ausstieg aus den fossilen Energien bremst, anstatt mit gutem Beispiel für andere Länder voranzugehen.“

Aktuell ist Dea (Deutsche Erdöl AG) erneut auf der Suche nach weiteren Erdgasvorkommen im Landkreis. Dabei versucht der Konzern, mit lukrativen Angeboten an Eigentümer, Zugang zu Grund und Boden zu bekommen. „Aber Vorsicht“, warnen die Gegner, „die Folgen sind nicht absehbar und nach Ablauf der Pacht sitzt der Eigentümer unter Umständen auf einer kontaminierten Fläche.“

Das Landesamt für Bergbau Energie und Geologie müsse der Dea zwar auf Antrag die Aufsuchungserlaubnis erteilen, aber entscheidend sei das vorherige Verhalten der Grundstückseigentümer. „Niemand muss das zulassen oder einen solchen Pachtvertrag unterzeichnen“, erklärt Christiane Siemer aus Thedinghausen. „Und wer schon einem Messpunkt zugestimmt hat, kann diesen jederzeit widerrufen.“

sch

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