Oldtimer-Modell im ersten Lockdown begonnen

Mit Stil in die Pedale: Volker Wutschik aus Achim baut Liegefahrräder

Volker Wutschik sitzt in seinem Doppel-Liegefahrrad im Oldtimer-Look.
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Bequeme Luxuskarosse: Volker Wutschik in seinem Doppel-Liegefahrrad im Oldtimer-Look.

Der Achimer Volker Wutschik setzt auf Liegefahrräder Marke Eigenbau.

  • Volker Wutschik hat ein ausgefallenes Hobby: Er baut Liegefahrräder.
  • Darunter auch ein Zweisitzer im Oldtimer-Look.
  • Er liebt bequemes Fahrradfahren und tüftelt leidenschaftlich gern.

Achim – Was da vor Volker Wutschiks Garage steht, erinnert eher an ein Luxusauto vergangener Zeiten. Es ist aber ein Fahrrad, ein selbst gebautes Liegefahrrad mit zwei Sitzen, um genau zu sein. Neben Frontscheiben, verchromten Seitenspiegeln, Scheinwerfern und Kühlerfigur verfügt das Gefährt sogar über ein Armaturenbrett mit Messanzeige. Bei genauem Hinsehen allerdings kein Tacho, sondern ein Barometer. „Sonst kann man ja gar nicht fahren“, sagt der Achimer und lacht.

In Wirklichkeit hatte er ursprünglich schon vorgehabt, einen Tacho einzubauen. „Aber wo soll man den anschließen?“ So entschied er sich stattdessen für die Luftdruckanzeige. Auf Liebe zum Detail lässt auch die Kühlerfigur schließen. „Da ist ein W vorne drauf. Könnte auch W wie Wutschik heißen“, scherzt der Hobby-Konstrukteur, der hauptberuflich IT-Berater ist und einigen Achimern auch als Künstler bekannt sein könnte.

Mit diesem neuesten Modell seines Fuhrparks aus Liege- und Dreirädern verbindet Wutschik zwei Leidenschaften: Oldtimer-Autos und bequemes Fahrradfahren. „Ich war bei vielen Oldtimertreffen, zum Beispiel in Thedinghausen oder Bruchhausen-Vilsen, aber nie hat ein Modell mich so angesprochen, dass ich dachte: Kaufen!“, erzählt der 57-Jährige. Es gehe ihm nicht darum, ein blitzendes Chromteil zu besitzen, sondern ums Basteln, und das lasse sich bei motorisierten Fahrzeugen nicht alles selber machen. Soweit kennt sich Wutschik mit Autos aus.

Eher Bequemlichkeit als sportlicher Ehrgeiz

Also begann er, sich seinen eigenen Oldtimer zu bauen. Als Grundlage nutzte er eine Anleitung für ein bereits in den 1930ern in Frankreich erprobtes Modell und verkleidete dessen Innenleben nach eigenem Design mit Holz. Was fehlt, ist noch etwas (graue) Farbe – auch, um das Fahrzeug regenfest zu machen. Auf Türen verzichtete er des Gewichts wegen: 67 Kilo wiegt die Konstruktion schon jetzt. „Wenn man alleine fährt, ist das doch ganz schön schwer“, räumt Volker Wutschik ein. Doch zu Zweit komme man ohne Probleme auf eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern.

Liegefahrräder selbst zu konstruieren, ist schon länger Wutschiks Hobby. Alles begann im Jahr 1999 mit der Überlegung, auch bei Regen mit Kind einkaufen zu fahren, ohne das Auto zu nutzen. Dahinter steckte laut Wutschik kein sportlicher Ehrgeiz: „Ich bin eher eine Schnecke beim Fahren. Mir geht es um Bequemlichkeit.“

Liegestrampeln schont die Nackenmuskulatur

Also baute sich Volker Wutschik seinen ersten „Regenschirm auf vier Rädern“. Im selben Maße wie Tochter Sophie wuchs, veränderte Wutschik das Fortbewegungsmittel: Anfangs bot es Platz für die Babyschale, später den Kindersitz und schließlich ein zusätzliches Tretlager, damit der Nachwuchs mitstrampeln konnte. Mittlerweile hat der Hobby-Bastler dieses Ur-Modell verkauft. „Meine Frau konnte irgendwann nicht mehr mitfahren wegen Knieproblemen. Und die Garage wurde zu klein“, so Wutschik.

Sein zweites Liege-Dreirad baute Wutschik für seine inzwischen 21 Jahre alte Tochter Sophie. Auch jetzt ist sie noch gern damit unterwegs, wie sie selbst bestätigt: „Man kann damit langsam fahren und kippt nicht um. Das mag ich besonders daran.“ Besonders für Fahrradtouren eigne sich das Dreirad, findet auch Papa Wutschik: „Auf einem normalen Fahrrad bekommt man irgendwann Nackenstarre oder kann nicht mehr sitzen.“ Alles Beschwerden, die Liegefahrradfahrer nicht kennen würden. Dafür werde beim Liegestrampeln die Oberschenkel-Muskulatur stärker beansprucht. „Das muss man erstmal üben.“

Überdacht – da kann man sich den Regenponcho sparen.

Letzteres gilt übrigens auch für das Anfahren. Denn der Körperschwerpunkt ist auf dem Liegesitz nach hinten verlagert, aber Schwung holen muss man vorne. Das führt Wutschik eindrucksvoll auf einem Liege-Zweirad vor, das er übrigens nicht selbst gebaut hat.

Oldtimer beinahe „Corona 2000“ getauft

Als der Liegefahrrad-Fan mich wenig später zur Probefahrt einlädt, entscheide ich mich lieber für die Dreirad-Variante. Ich darf ein Einzel-Dreirad mit selbst gebautem Dach einmal um den Block lenken. „Ab 25 Stundenkilometern merkt man den Unterschied zum normalen Fahrrad. Weniger Luftwiderstand“, bemerkt Wutschik. Zum Glück ist wenig Autoverkehr unterwegs, denke ich nur, während ich nach wackligem Start rasch dem (gefühlten) Geschwindigkeitsrausch erliege.

Bequemer ist da doch der stilvolle Zweisitzer, den Wutschik übrigens beinahe „Corona 2000“ getauft hätte. Seit Ausbreitung der Pandemie arbeitet der Computerfachmann, der sonst beruflich viel unterwegs ist, oft im Homeoffice. Dadurch kamen, manchmal mit Tochter Sophie, viele Werkstattstunden zusammen.

Es ist immer eine Mischung aus sich ausdenken und bauen können.

Hobby-Fahrradbauer Volker Wutschik

„Wir haben schon mal drei Stunden für eine Schraube gebraucht“, erzählt Sophie Wutschik, die nach eigenen Angaben gerne mithilft, aber sonst nicht mit ihrem Vater tauschen würde. „Es ist immer eine Mischung aus sich ausdenken und bauen können“, fügt Volker Wutschik hinzu. Ein Beispiel: Selbst dünnes Holz lässt sich nur in eine Richtung biegen. Damit sei das für viele Oldtimer charakteristische, geschwungene Form nur begrenzt nachzubauen.

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