Krematorium finanziert Bestattungswagen

Ein bisschen mehr Würde für Sterneneltern

Vereinsvorsitzende Stefanie Gebers bei der Präsentation des neuen Bestattungsfahrzeugs für die Sternenkinder. Zahlreiche Gäste wohnten der Feierstunde bei, darunter auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth mit ihrer kleinen Tochter (im Hintergrund).
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Vereinsvorsitzende Stefanie Gebers bei der Präsentation des neuen Bestattungsfahrzeugs für die Sternenkinder. Zahlreiche Gäste wohnten der Feierstunde bei, darunter auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth mit ihrer kleinen Tochter (im Hintergrund).

Achim – „Früher wurden Tot- oder Fehlgeburten einfach so entsorgt – genau wie eine kranke Gallenblase. Das war schlimm, vor allem natürlich für die Eltern. Das hat sich gottseidank geändert“, erzählt Christel Upadeck, Pathologin im Krankenhaus Links der Weser in Bremen. Einen wesentlichen Anteil hieran hat in Achim der Verein „Sterneneltern“. Dieser betreut und unterstützt Eltern, deren Kinder vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind.

Am Freitagabend konnte der Verein sein Angebot um einen bedeutenden Baustein erweitern. Auf dem Desma-Gelände wurde ein Bestattungsfahrzeug offiziell seiner Bestimmung übergeben.

„Die Trauer um ein verlorenes Kind an sich ist schon riesengroß. Doch wenn dann ein kleiner Kindersarg in den ,Laderaum‘ eines großen schwarzen Leichenwagens geschoben wird, bricht die Welt für diese engsten Angehörigen oftmals völlig zusammen“, erläutert dazu Stefanie Gebers, erste Vorsitzende der Sterneneltern.

Würdevoller Transport eines Sternenkindes möglichen

Der gemeinnützige Achimer Verein, 2015 als Selbsthilfegruppe gegründet, steht den Betroffenen nun zur Seite, indem er auch für einen würdevollen Transport eines Sternenkindes sorgt. Für insgesamt 24 500 Euro wurde ein Mini Cooper Clubman angeschafft. Ein dezentes weißes Fahrzeug mit liebevoll ausgestatteten Details, in dessen speziell umgebautem Kofferraum ein kleiner Kindersarg Platz findet.

Ein besonderer Dank in der kleinen Feierstunde, zu der neben Vereinsmitgliedern auch Vertreter befreundeter Bestattungsinstitute, sozialer Einrichtungen und der Lokalpolitik erschienen waren, galt in der Begrüßungsrede von Stefanie Gebers dem Verdener Krematorium. Das hatte nämlich die kompletten Anschaffungskosten für das gebrauchte Fahrzeug übernommen. „Der Verein hat sich bei uns beworben, unser Beirat hat das Projekt als äußerst förderwürdig eingestuft, und dann floss das Geld“, erklärte Willy Hilling als Vorstand des Krematoriums.

Zur Demonstration während der Übergabe: Der Kofferraum des liebevoll und angemessen ausgestatteten Mini Cooper Clubman bietet Platz für einen Kindersarg.

Die Summe stammt übrigens aus dem Verkauf von Edelmetall – zum Beispiel künstliche Hüft- oder Kniegelenke, Zahngold, oder nicht abgenommenem Schmuck – Dinge, die bei einer Einäscherung nicht verbrannt werden (können). Der so „erwirtschaftete“ Betrag fließt nicht in den Haushalt des Krematoriums, sondern wird alljährlich gespendet. Von den fast 160 000 Euro im vergangenen Jahr gingen die erwähnten 24 500 an den Achimer Verein. Birgit Bischoff, kaufmännische Leiterin des Krematoriums, fügt hinzu: „Zum Glück ist das Thema Sterben in den letzten Jahren mehr und mehr enttabuisiert worden. Und die zielgerichtete Spende für diesen Verein und sein Engagement ist auf diesem Weg ein weiterer kleiner Schritt.“

Stefanie Gebers macht die Notwendigkeit der Anschaffung deutlich: „Kaum ein Bestattungsinstitut verfügt in seinem Fuhrpark über solch ein Fahrzeug. Dabei wird es häufiger gebraucht, als viele denken. Im vergangenen Jahr hatten wir 65 Akutbegleitungen – nach Totgeburten oder auch bei Müttern, die wissen, dass ihr Kind nicht lebend auf die Welt kommen wird.“ Diese Betreuung gehe bis zur Beisetzung und darüber hinaus.

Ähnliche Vereine gebe es im ganzen norddeutschen Raum kaum. „Darum greifen nicht nur Betroffene aus Achim und umzu diese Hilfe auf, sondern wir sind beispielsweise auch in Hamburg oder Hannover aktiv.“

Bestattungsfahrzeug wird zentral in Achim stationiert

Von den 95 Mitgliedern des Vereins legten sich 18 kräftig ins Zeug, merkt die zweite Vorsitzende Birgit Bischoff an. „Dabei ist es ein großer Vorteil, dass fast alle Aktiven einen derartigen Schicksalsschlag erlebt haben, sich zudem jeweils mit einem besonderen Schwerpunkt einbringen können und wir als Verein sehr gut vernetzt sind.“ Das Bestattungsfahrzeug, das an zentraler Stelle in Achim stationiert werden soll, stellten die Sterneneltern den Beerdigungsunternehmen zur Verfügung, „oder einer unser Aktiven setzt sich selbst an Steuer“.

Für den passenden Rahmen der Präsentation sorgte übrigens kostenfrei die auf dem Desma-Areal beheimatete Firma Solight, Veranstaltungstechnik. Nach einer kleinen Laser-Show rollte das „Schmuckstück“ auf vier Rädern unter spannendem Sound und gehüllt in Disconebel zu einer Besichtigung durch die zahlreichen Gäste aus der Halle heraus.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Das und der ganze Verein beeindruckte auch den vor Ort weilenden Bürgermeister Rainer Ditzfeld: „Nicht alle haben das Glück, so wie ich, dass ihre Kinder gesund zur Welt kommen. Der Beitrag, den die Sterneneltern mit ihrem Engagement auf dem Gebiet der Sterbe- und Trauerbegleitung leisten, kann man darum gar nicht hoch genug bewerten“, sagte Ditzfeld bei der Veranstaltung.  sp

Nähere Informationen zum Verein unter www.sternenelternachim.de

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