Ärztin Dr. Anke Hornemann informiert Unternehmerfrauen über das Palliativnetz

Sterbenden Schmerzen lindern und das Ende erleichtern

Palliativkräfte wollen Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen möglichst langen und erträglichen Aufenthalt in ihrer gewohnten Umgebung ermöglichen. - Foto: dpa

Achim - Von Ingo Schmidt. Das Palliativnetz im Landkreis Verden möchte Schwerstkranke während ihrer letzten schwierigen Tage begleiten und mit ganzheitlicher Versorgung eine lebenswerte Zeit ermöglichen. „Viele Menschen haben gar keine Angst vor dem Sterben, sondern vor den Schmerzen und den Begleitumständen“, erklärt Allgemeinmedizinerin und Palliativärztin Dr. Anke Hornemann aus Ottersberg und betont: „Die Palliativmedizin will der Diskussion um Sterbehilfe vorgreifen, indem sie die letzten Tage im Leben eines Menschen lebenswert gestaltet.“

Dr. Anke Hornemann, Vorsitzende des Vereins Palliativnetz im Landkreis. - Foto: Schmidt

Dr. Anke Hornemann war einer Einladung des Arbeitskreises Unternehmerfrauen im Handwerk gefolgt und referierte beim Stammtisch im Achimer Gieschens Hotel über die Palliativversorgung. Als Vorsitzende des Vereins Palliativnetz im Landkreis Verden ist sie maßgeblich am Aufbau des Netzwerkes beteiligt. Die sogenannte Palliativ care beinhaltet eine ganzheitliche stationäre oder ambulante Behandlung und betrachtet den Menschen und sein Umfeld gleichermaßen. Symptome wie Schmerz, Atemnot, Wunden, Schwäche, Angst oder Übelkeit könnten durch Medikamente oder durch kleine Maßnahmen, durch einfaches Selbsthilfemanagement, gelindert werden, sagte sie.

Spirituelle, soziale, physische oder psychische Faktoren beeinflussen den Menschen und werden berücksichtigt. Stationäre Einrichtungen, zum Beispiel Abteilungen in Hospiz- oder Krankenhäusern, dienen in der Regel nur als Zwischenlösung: Das Ziel ist ein möglichst langer Aufenthalt im gewohnten Umfeld der Betroffenen. Um dies zu gewährleisten steht zusätzlich zur allgemeinen ambulanten Versorgung eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung zur Verfügung, die als verordnungsfähige Leistung von den Krankenkassen getragen wird. Sie bildet einen Zusammenschluss von Ärzten, Fachärzten und Pflegekräften mit Palliativzusatzausbildung sowie Hospizdiensten, Pflegeheimen und Apotheken.

Sie bieten neben der Erstberatung auch eine Versorgung rund um die Uhr. „Mit Einverständnis der Patienten nehmen ausgebildete Palliativärzte eine Erstbegutachtung vor“, erläuterte Dr. Anke Hornemann das Vorgehen. „Idealerweise in Kooperation mit dem behandelnden Hausarzt wird das notwendige Vorgehen besprochen.“ Häufig ist dazu der Aufenthalt in einer Palliativstation notwendig, wo Ärzte lindernde Maßnahmen ermitteln. Anschließend folgt im Idealfall der Umzug ins gewohnte Umfeld. Wenn die Betreuung geregelt ist und alles gut läuft, zieht sich der Verein zurück, bleibt aber im Notfall erreichbar.

Das Palliativnetz im Landkreis Verden übernimmt die Organisation der Versorgung. In der Geschäftsstelle in der Herbergstraße 16 in Achim stehen unter Tel.: 04202/910104 Anneliese Gieschen und Sylvia Best für Fragen zur Verfügung.

„Der Tod wird heute nicht mehr weggeschoben, sondern mit offenen Augen und Ohren bewusst angegangen“, weiß Anke Hornemann. Pflege, Schmerztherapie und menschliche Begleitung sollen Schmerzen und Ängste in der letzten Lebensphase lindern.

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