Stau an Ueser Kreuzung schafft gefährliche Situationen auch für Krankenwagen

Rettungsgasse ausgeschlossen

+
Die Kolleginnen Christina Schön und Alexandra Prahs (v.l.) haben täglich den Stau vor Augen. Dadurch wird es Autofahrern erschwert, eine Rettungsgasse für Krankenwagen zu bilden.

Uesen - Rumms, krach, bumm – so oder ähnlich klingt es, wenn an der Ueser Kreuzung mal wieder der Seitenspiegel eines fahrenden Autos zu Bruch geht. Alexandra Prahs, deren Arbeitsplatz sich direkt an dem Verkehrsknotenpunkt befindet, ist daran gewöhnt, dass Autofahrer mit ihren derart beschädigten Fahrzeugen die Auffahrt des Malereibetriebs Rutz an der Uesener Feldstraße ansteuern. Die Kreuzung sei einfach zu eng, die Ampelphasen zu lang. Aber was die Achimerin besonders ärgert, ist die Unfähigkeit der Verkehrsteilnehmer, in diesem Chaos eine Rettungsgasse zu bilden, um Krankenwagen durchzulassen.

„Der Rettungswagen braucht elendig lange an dieser Kreuzung“, sagt die 24-Jährige. Statt rechts ranzufahren, blieben die Autos oft stehen – oder fuhren mit Vollgas weiter. Fatal sei das, denn bei Rettungsfahrten, etwa zur nahe gelegenen Autobahn 27, entscheiden Sekunden über Leben und Tod. „Es geht mir nicht darum, dass die Leute gegen die Verkehrsregeln verstoßen, sondern um die Sicherheit“, betont Prahs.

Die gefährlichen Situationen ergeben sich nicht nur aufgrund von Fehlverhalten, sondern auch durch die Enge der Kreuzung und die Ampelschaltung. Pro Grünphase schafften es lediglich acht Autos über die Kreuzung, hat Alexandra Prahs beobachtet. Viele Linksabbieger fuhren deshalb nachmittags mit Vollgas Richtung Rewe oder Baden.

Helge Cassens, Pressesprecher bei der Polizeidirektion Osterholz/Verden kennt das Problem. Viele Verkehrsteilnehmer wüssten trotz bestandener Führerscheinprüfung nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Polizeiauto oder Krankenwagen mit Blaulicht und Martinshorn durchfahren will. „Grundsätzlich müssen wir uns auch als Polizeibeamte an die Verkehrsregeln halten“, sagt er. Das ändere sich immer dann, wenn die Beamten „hoheitliche Maßnahmen“ erfüllen müssten. Sprich: Kranke transportieren oder einen Tatverdächtigen festnehmen.

Was viele nicht wüssten: Manchmal ist die Polizei ohne Blaulicht und Martinshorn unterwegs – und dennoch kann es sich um einen Notfall handeln. Bei Raubüberfällen würde ein lautstark herbeieilender Streifenwagen die Täter vorzeitig warnen. Darum bleibt die Sirene ausgeschaltet.

Natürlich würde es die Arbeit erleichtern, wenn mehr Autofahrer bei Notfällen Platz machen würden. Heißt: so weit wie möglich zur Seite ran fahren. Und statt stehen zu bleiben, sei es laut Cassens sogar sinnvoller seinen Weg zügig fortzusetzen. Mit dem Reifen auf den Bordstein zu fahren und womöglich noch die Felge zu beschädigen, sei nicht notwendig.

Oliver Rautenberg, DRK-Rettungsdienstleiter für den Landkreis Verden, findet es hilfreich, wenn Autofahrer den Blinker setzen, dann den Fuß vom Gas nehmen und nach rechts außen lenken. „Das heißt, dass man uns gesehen hat.“

Das Durchkommen an Kreuzungen sei für Polizei oder DRK grundsätzlich schwierig, stellt Cassens fest. Der Platz sei eben eingeschränkt. „Die Ampeln sind rot, es kommt Gegenverkehr, wo sollen die Leute hin?“, sagt Rautenberg. Cassens findet: „Man kann nichts Unmögliches von den Verkehrsteilnehmern verlangen.“ Und er versichert, dass Polizei und DRK dies schon einkalkulieren würden, indem sie sich vorsichtig in den Kreuzungsbereich hinein tasten. „Wir würden nie einfach durchrasen“, betont Cassens.

Um die Situation an der Ueser Kreuzung zu entschärfen, würde Rautenberg zufolge auch eine Verbreiterung der Straße nicht helfen: „Selbst wenn die Autofahrer 30 Zentimeter weiter rüber fahren könnten, wäre es noch zu eng.“ Dem Rettungswagen bliebe deshalb meist keine andere Möglichkeit, als die Gegenfahrbahn zu nutzen.

Eine Patentlösung für die Situation an der Ueser Kreuzung hat Alexandra Prahs auch nicht. „Aber es würde vielleicht helfen, wenn man die Ampelschaltung ändern und bei Rewe eine Abbiegespur einrichten würde“, schlägt sie vor.

ldu

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

Meistgelesene Artikel

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Tolle Premiere für „Chaos in’t Bestattungshuus“

Tolle Premiere für „Chaos in’t Bestattungshuus“

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Menschen an der  Elfenbeinküste: „Sie erleben die Hölle mit Folter und Vergewaltigung“

Menschen an der  Elfenbeinküste: „Sie erleben die Hölle mit Folter und Vergewaltigung“

Kommentare