Serie: Durch das Gartenjahr mit Achimer Kleingärtnern (4)

Stadtgarten als grüne Lunge und Freiraum für Kinder

Dekorativ und nützlich: Silke Struckmeyer hat aus ihren Hochbeeten einen Kräuterstrauß zusammengestellt.
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Dekorativ und nützlich: Silke Struckmeyer hat aus ihren Hochbeeten einen Kräuterstrauß zusammengestellt.

Achim – Eine ungeschriebene Regel unter Kleingärtnern lautet: Ist die Gartenpforte angelehnt, kann Besuch auch unangemeldet eintreten, ist sie geschlossen, braucht die Hobbygärtnerin ihre Ruhe. „Für Kinder gilt das natürlich nicht“, wirft Silke Struckmeyer ein. In der Parzelle der Vorsitzenden des Achimer Kleingärtnervereins hängen überall bunte Girlanden – Willkommensdekoration für Struckmeyers Tochter und ihre elfjährige Enkeltochter – beide wohnen in Südfrankreich und waren gerade zu Besuch.

„Im Prinzip bin ich selber in einem Kleingarten groß geworden. Jeden Sommer besuchte ich meine Großeltern in ihrer Parzelle in Wuppertal“, erzählt die gebürtige Hamburgerin. Ein Umfeld, das sie heute noch als idealen Freiraum für Kinder wahrnimmt. Obst naschen, in der Hängematte liegen, Gartenzwerge und Plastikgeschirr mit Punkten – an diese Dinge erinnert sich Struckmeyer heute gerne zurück. Und wie freundlich die kleine, blonde „Hamburger Deern“ von den Kleingärtnern aufgenommen wurde. Sicher mit ein Grund, warum die Leiterin einer Erwachsenenbildung auch heute beinahe täglich nach Feierabend im Garten ist, „da entschleunige ich“. Wie passend, dass die Anlage an der Potsdamer Straße „Abendfrieden“ heißt.

Der Achimer Kleingärtnerverein sei mit seinen rund 130 Parzellen eine vergleichsweise winzige Anlage, so Struckmeyer. Als der Verein vor mehr als 75 Jahren gegründet wurde, befanden sich dessen erste Kleingärten übrigens dort, wo jetzt das Rathaus steht.

Mittlerweile habe sich vieles verändert, zum Beispiel seien Kleingartengebiete „bunter und vielfältiger“. Die früher in Schrebergärten übliche Kleintierhaltung ist bundesweit verboten worden. Wo ein Kleingarten früher oft die Nahrungsgrundlage sicherte, werde nun oft aus anderen Motiven gegärtnert – etwa aus ökologischen Gründen. „Gerade in Städten, wo viel gebaut wird, sind die Kleingärten grüne Lungen“, so die Wahl-Achimerin.

Struckmeyer, die seit vielen Jahren Mitglied und seit fünf Jahren Vorsitzende des Kleingärtnervereins Achim ist, pflanzt vor allem bienenfreundliche Kräuter, einfache Blüten und Rosen an. „Alles, was Bienen gut bestäuben können.“ In den Hochbeeten wachsen auch besondere Kräuter wie Oliven- oder Currykraut, verschiedene Sorten Oregano und Rosmarin. Als Mitbringsel für Freunde stellt Struckmeyer daraus gern einen Strauß zusammen. Ihr blühender „Schmetterlingsbaum“ lockt, wie der Name sagt, tatsächlich massenweise flatternde Freunde an.

Insektenfreund: Alle fliegen auf den „Schmetterlingsbaum“.

Das Verstreuen von Giften ist da, wo es nicht ohnehin gesetzlich verboten ist, ebenfalls tabu. Gegen Unkraut und als Dünger stellt Silke Struckmeyer Brennnesseljauche her. Gegen den Geruch, den die mit Wasser zum Gären angesetzten Blätter ausströmen, gibt es auch ein Mittel: „Wenn man einen Deckel draufmacht und Steinmehl hineingibt, stinkt es nicht.“ Auch Ringelblumen halten ihr zufolge Blattläuse ab. Mit Schnecken strebt sie grundsätzlich eine friedliche Koexistenz an: „Schnecken lieben Tagetes, dann gehen sie nicht an den Salat – aber, wenn es zu viel wird, gehe ich mit der Schere rum.“

Jetzt im Spätsommer ist auch in Struckmeyers Garten schon vieles abgeerntet. Während Trauben, Birnen und Äpfel noch reifen, eigneten sich für die Aussaat nur noch Grünkohl, Endivie und andere winterharte Sorten. Manche Pflanzen, zum Beispiel Auberginen, nimmt Silke Struckmeyer zum Überwintern mit in die Wohnung.

Ein offenes Gartentor lädt Besucher ein, einzutreten.

Die Nachfrage sei zwar seit Jahren hoch, aber gerade in der Corona-Zeit habe der Achimer Kleingärtnerverein eine Menge Anfragen erhalten. Allen, die sich für eine Parzelle interessieren, rät Struckmeyer: „Gärtnerische Vorerfahrung wäre toll.“ So ließe sich der Arbeitsaufwand besser einschätzen. Mitglieder sollten zudem auch mal über den eigenen Gartenzaun blicken: „Das ist ein Verein, also sollte man die Bereitschaft zur Gemeinschaftsarbeit aufbringen.“ Drei- bis viermal im Jahr stehen Gemeinschaftsdienste an und ab und zu gelte es, bei besonderen Vorhaben zu helfen. Wie etwa vor einigen Jahren der Renovierung des Vereinsheims mit Kinderspielplatz. Letzteres kann man übrigens auch für private Feiern mieten. Struckmeyer weist zudem auf ein paar Besonderheiten hin: In Achim seien Verein und Vorstand „interkulturell zusammengesetzt“. Rund 70 Prozent der Mitglieder seien berufstätig. So gelte die klassische Mittagsruhe nur sonntags.

Kleingarten-Interessenten können sich auf der Webseite unter Angabe der Telefonnummer auf die Warteliste setzen lassen. Wenn ein Garten frei wird, nimmt der Vorstand Kontakt auf.

Info

www.kleingartenverein-achim.de

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