Drittes Insolvenzverfahren überstanden

Achimer Stadtbäckerei startet neu durch

Wollen den ganzen Laden wieder in Schwung bringen: Mitgesellschafter Sebastian Rümmelin (links) und Produktionsleiter Michael Valenta.
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Wollen den ganzen Laden wieder in Schwung bringen: Mitgesellschafter Sebastian Rümmelin (links) und Produktionsleiter Michael Valenta.

Achim – Die Achimer Stadtbäckerei hat ihre dritte Insolvenz überstanden und startet neu durch. Mit frischen Führungskräften, Investitionen und Innovationen soll die Wende gelingen, nachdem das traditionsreiche Unternehmen 2013, 2019 und 2020 in finanzielle Schieflage geraten war und damit mehr als 400 Beschäftigte im Werk und in der Verwaltungszentrale im Gewerbepark Uesen sowie in Dutzenden Verkaufsstellen im Großraum Bremen und bis hoch zur Elbe um ihre Arbeitsplätze fürchteten.

„Seit dem 30. Dezember sind wir aus der Insolvenz raus“, sagt Sebastian Rümmelin, neuer Mitgesellschafter der Stadtbäckerei, auf Nachfrage. Die Beteiligungsgesellschaft „Back und mehr“ aus der Schweiz habe die Firma übernommen. Der langjährige Geschäftsführer Karsten Jarick sei auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen ausgeschieden, das kurz vor dem Aus stand.

„Die Stadtbäckerei ist im Frühjahr 2020 infolge der Corona-Pandemie in die Insolvenz gegangen, denn der Café-Betrieb und damit eine erhebliche Einnahmequelle war weggebrochen“, erläutert Rümmelin. „Es gab dann ein Liquiditätsproblem.“ Daraufhin habe das Amtsgericht Verden ein Insolvenzverfahren in Form einer Sanierung in Eigenverwaltung eröffnet. Mit Hilfe eines Bremer Rechtsanwalts als Sachwalter seien dann im Laufe des vergangenen Jahres die Weichen auf Neuanfang gestellt worden. Als Investoren für den angeschlagenen Achimer Betrieb gewann er zwei Brüder, die in der Schweiz vor allem mit der Herstellung von Pizzaböden Geld verdienten. Dazu stieß noch Sebastian Rümmelin, ein Hamburger Kaufmann. „Ich exportiere Lebensmittel und wollte hier erst gar nicht einsteigen, nachdem ich mir vor Ort ein Bild von der Situation gemacht hatte“, verrät der 58-Jährige. „Ich habe es mir dann aber anders überlegt.“ Rümmelin weist auf die „große Tradition“ der Stadtbäckerei hin, „die gibt es seit 1797“. Diese lange Firmengeschichte solle nicht enden.

Personell setzt der neue „Macher“ auf Kontinuität. Trotz des Insolvenzverfahrens sei kein Mitarbeiter, keine Mitarbeiterin entlassen worden, die Belegschaft zähle nach wie vor rund 420 Kräfte. Und die Achimer Stadtbäckerei mit der Marke Garde betreibe auch weiterhin 38 Filialen von Achim bis Buxtehude. Alles läuft wie bisher weiter? „Wir behalten den Namen und machen den Laden besser“, verspricht Rümmelin. Das wolle die Geschäftsleitung durch „viele kleine Schritte“ erreichen. Der klassische Bäckereibetrieb solle etwas zurückgefahren werden, „während der Snack- und Gastrobereich ausgebaut wird“. Die Kunden könnten in den Filialen künftig nicht nur Brot, Brötchen, Kuchen und Torte kaufen, sondern auch „von Hand gefertigte Pizza, Fleischkäse, Krustenschinkenbraten oder Spiegelei“ bekommen. Vom Herbst an solle es außerdem Mittagstisch in Form von Eintöpfen, Suppen und Aufläufen geben, „das wird alles in einer neuen Küche hier gekocht“.

Fleißig bei der Arbeit: Dennis Rechenberger, einer von acht Bäckern im Betrieb.

Rümmelin spricht von einem „enormen Investitionsstau“. Im Werk seien etliche alte Maschinen aussortiert worden. Unter der Regie des neuen Produktionsleiters Michael Valenta, der bisher in einer Biobäckerei arbeitete, „haben wir viel auf Handarbeit umgestellt“. Die in die Jahre gekommene Lkw-Flotte solle durch kleinere Transporter ersetzt werden und damit auch eine „zweite tägliche Ausliefertour“ erfolgen. Diesen Job könnten beispielsweise auch Studenten übernehmen. Dabei geht es nicht nur um Fahrten zu den Filialen. „Inzwischen beliefern wir auch vier Bremer Supermärkte mit Waren“, informiert Rümmelin.

Parallel sei die eine oder andere Geschäftsstelle modernisiert worden. „Das Stadtcafé in der Fußgängerzone wird gerade grundlegend renoviert, optisch verjüngt.“ Fenster, Fußboden, Wände, Decken, Mobiliar – „alles wird ein bisschen edler gemacht.“

„Back und mehr“ habe im Werk und in den Filialen viel investiert. „Eine sechsstellige Summe“, sagt der Gesellschafter aus Hamburg. Derzeit würden noch „rote Zahlen“ geschrieben. „Wir wollen Ende dieses Jahres aus der Verlustzone raus sein.“

Doch damit gibt sich Sebastian Rümmelin nicht zufrieden. „Wir sind daran interessiert zu wachsen.“ Die für 90 Filialen ausgelegte Produktion sei nicht ausgelastet. „Und ich möchte einen Teil unserer Produktpalette auch bio-zertifiziert haben.“

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