Stadt verfügt bis 2020 nicht über Lieken-Fläche / Millionenzuschüsse in Gefahr

Stillstand in Stadtmitte bis ins nächste Jahrzehnt droht

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Das mögliche Einkaufszentrum auf dem Lieken-Gelände (Fotovision) wird uns noch länger als Streitthema erhalten bleiben. Wenn die Stadtratsmehrheit und der interessierte Investor und Grundstücksbesitzer weiter nicht auf einen Nenner kommen, wird die 2011 entstandene Industriebrache noch weitere Jahre Achims Visitenkarte am Bahnhof sein.

Achim - Von Manfred Brodt. Die Industriebrache mitten in Achim am Bahnhof auf dem Gelände der ehemaligen Lieken-Brotfabrik könnte Achim noch viel länger erhalten bleiben, und die Stadt könnte bei dem von ihr dort gewünschten Städtebauförderungsprogramm mit 4,3 Millionen Euro in die Röhre gucken, denn die Stadt wird viele Jahre noch über die zentrale Fläche dieses Bereiches nicht verfügen können.

Das Verfügungsrecht über dieses 29 000 Quadratmeter große Areal des Lieken-Konzerns hat bekanntlich die Hamburger Firma W&S mit dem Projektentwickler Karl Will und dem Gesellschafter Peter Skrabs, zunächst „nur“ bis Mitte 2017. Der Lieken-Konzern hat ihnen aber in Aussicht gestellt, dieses Verfügungsrecht anschließend um wahrscheinlich drei weitere Jahre, also bis Mitte 2020, zu verlängern. Wie Peter Skrabs dem Achimer Kreisblatt auf Anfrage sagt, steht nämlich auch die deutsche Geschäftsführung der Firma Lieken, die längst an einen tschechischen Milliardär gegangen ist, voll und ganz hinter den Achimer Plänen von W&S. Diese sehen vor, dort beim Bahnhof ein 7500 Quadratmeter großes Fachmarktzentrum für zum Beispiel Textil- und Elektroartikel inklusive eines Lebensmittelmarktes von 4000 Quadratmetern Geschossfläche zu errichten. Viele Parkplätze und 30 Wohnungen im bahnfernen Bereich gehören ebenfalls zu dem Konzept.

Dieses Einkaufszentrum mit Lebensmittelmarkt hat die Mehrheit des Stadtrats aus SPD und Grünen jedoch im April rigoros abgelehnt. Die Firma Lieken hält diese Nutzung ihres Grundstücks aber für sinnvoll, und W&S hält an den Plänen fest, für die die Firma 30 Millionen Euro in Achim investieren will.

Will und Skrabs wollen notfalls warten, bis sich für alle sichtbar auch in der Zukunft keine großen Fortschritte in der Achimer Fußgängerzone abzeichnen und die politischen Konstellationen in Achim sich verändern.

Damit meinen sie auch ausdrücklich die Kommunalwahl im nächsten Jahr. Die potenziellen Investoren hätten überhaupt nichts dagegen, wenn das Achimer Einkaufszentrum zum Wahlkampfthema gemacht wird, denn sie haben nach ihrer Einschätzung gespürt, dass die Mehrheit der Bevölkerung dieses Einkaufszentrum durchaus will. Dazu gehört für die Investoren auch unabdingbar der Lebensmittelmarkt als Kunden-Frequenzbringer.

Natürlich, so sagt es Peter Skrabs dem Achimer Kreisblatt, könne man über die Größe dieses Lebensmittelmarktes noch reden, zum Beispiel statt 3500 Quadratmetern Verkaufsfläche nur 2900. Er müsse sich von der Größe und Artikelvielfalt aber von den vorhandenen Märkten abheben, um anziehend zu sein.

Peter Skrabs bedauert, dass seit dem für ihn negativen Stadtratsbeschluss vom April kein Vertreter der Stadt Achim mit ihnen mehr gesprochen hat. Vielleicht werde das ja anders, wenn ein neuer Stadtplaner, eine neue Stadtplanerin eingestellt werde. Jedenfalls wollen Skrabs und Will das Gespräch mit der Person suchen.

Die Stadt und die Investoren müssten jedenfalls auf einen Nenner kommen, sonst erlebe Achim auf der interessanten Fläche Blockade und Stillstand bis ins nächste Jahrzehnt, meint Peter Skrabs.

In der Fußgängerzone dagegen könne nicht viel geschehen, weil dort große Flächen für Geschäftshäuser einfach fehlten und mancher Wunsch vielleicht auch am Denkmalschutz zerplatze. Bei dem geplanten Umbau des alten Gefängnisses zum Einkaufszentrum hat man das ja schon leidvoll erfahren.

Die rot-grüne Mehrheit des Stadtrats und der Bürgermeister setzten davon unbeirrt weiter auf Neuerungen auf dem Grundstück der Kreissparkasse und des ehemaligen Textilhauses in der Fußgängerzone und auf Büros, Gewerbe und Wohnungen auf dem Lieken-Areal. Für ihr Lieken-Konzept und für Aufschwung in der Bahnhofstraße soll ein 4,3-Millionen-Programm von Bund, Land und Stadt aufgelegt werden, zu dem 1,43 Millionen Euro aus der Stadtkasse fließen müssten.

Ob Achim aber überhaupt die Zuschüsse bekommen kann, wenn die Stadtpläne zumindest für die nächsten fünf Jahre ohne das wichtigste Grundstück in diesem Bereich nicht zu verwirklichen sind, das weiß auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld nicht.

Das werde derzeit geprüft und demnächst im Planungsausschuss bekannt gegeben, sagt er uns; wahrscheinlich nach Achimer Rathaus-Tradition wieder nicht-öffentlich.

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