Stichstraße und neue Abbiegepuren

Stadt Achim ebnet Amazon mit „Ja“ zu Verkehrskonzept den Weg

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Schon heute belastet: die Kreuzung Uesener Feldstraße, Im Finigen und Max-Naumann-Straße (hinten) mit dem freien Areal.

Achim - Von Michael Mix. Die Ansiedlung des Logistikkonzerns Amazon in Achim ist seit dem späten Dienstagabend wahrscheinlicher geworden. Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates stimmte trotz des Protests von Einwohnern in der Sitzung nahezu einhellig für die Aufstellung eines Bebauungsplans, um Verkehrsprobleme rund um das Gewerbegebiet Uesener Feld lösen zu können.

Denn dort will Amazon auf rund 17 Hektar ein Logistikzentrum mit mindestens 2000 Arbeitsplätzen schaffen. Das Unternehmen soll eine direkte Zufahrt von der Autobahn-Anschlussstelle Achim-Ost erhalten; zudem ist geplant, Straßen in dem Bereich mit zusätzlichen Abbiegespuren auszustatten.

Amazon wolle in Achim seinen zehnten Logistik-Standort in Deutschland errichten, informierte Vize-Verwaltungschef Bernd Kettenburg zu Beginn der Sitzung. Bis zu 18 Meter hohe Hallen, ein vorgelagerter Bürobereich und Parkplätze für die im Drei-Schicht-Betrieb tätigen Mitarbeiter seien in dem neuen Gewerbegebiet vorgesehen. In Spitzenzeiten, etwa vor Weihnachten, sollen sogar 3600 Beschäftigte Pakete packen und ausliefern. Amazon wolle in Achim aber auch „280 qualifizierte Arbeitsplätze im High-Tech-Bereich“ anbieten, sagte Kettenburg.

Knackepunkt bei dem Vorhaben ist die zusätzliche Verkehrsbelastung durch die Autos der Mitarbeiter und „rund 500 Lkw pro Tag“. Diese Zahl nannte Heinz Mazur vom Planungsbüro PGT, das von der Stadt und Amazon mit einem Verkehrsgutachten beauftragt worden war. Er sprach von „maximal 50 Lkw pro Stunde und Richtung“.

Zufahrt über Max-Naumann-Straße

Lesen Sie auch einen Kommentar zum Thema: Arbeitsplätze-Hype durch Amazon

Die Zufahrt zum Betriebsgelände soll über die bereits bestehende, von der Uesener Feldstraße abzweigende Max-Naumann-Straße erfolgen. Das Verkehrskonzept sieht darüber hinaus eine direkte Verbindung von der Autobahn-Abfahrt aus Richtung Bremen zum Firmengelände vor. Die Konzernzentrale in den USA habe unlängst das „Go“ für diese zusätzliche Stichstraße zu den Parkplätzen gegeben, informierte Mazur. Denn 40 Prozent der Amazon-Verkehre würden laut der von PGT erstellten Prognose über die A 27 von und nach Bremen fließen.

Am problematischsten wäre der Schichtwechsel um 15 Uhr. „Aber selbst dann liegen wir mit der Leistungsfähigkeit der Straßen im Toleranzbereich“, behauptete Mazur. Der „normale“ Feierabendverkehr setze ja erst danach ein, fügte er an.

Der Bau zusätzlicher Linksabbiegespuren auf der Max-Naumann-Straße, auf der L 156 vor der Auffahrt Richtung Bremen und auf der K 23 vor der L 156 würden stark entlastend wirken. „Die Ansiedlung von Amazon ist aus verkehrsplanerischer Sicht möglich“, fasste Mazur zusammen.

Wie wirkt sich der Verkehr auf die Ueser Kreuzung aus?

In der anschließenden Diskussion gab es Gegenwind. „Die quälende Frage bleibt: Wie wirkt sich der Verkehr auf die Ueser Kreuzung aus?“, wollte Peter Bartram (Grüne) wissen. Mit 15 bis 20 Prozent mehr Verkehr wäre dort zu rechnen, antwortete Mazur. „Wir bekämen mit einem Schlag ein Verkehrschaos an der Ueser Kreuzung“, folgerte Karl-Heinz Freitag, Vorsitzender des Achimer Wirtschaftsbeirats.

Die CDU sehe im Verkehrskonzept eine Verbesserung für den Bereich rund um die Gewerbegebiete, sagte Fraktionschef Karl-Heinz Lichter. Zur Entlastung des Straßenverkehrs sollte ein Pendelbus vom Achimer Bahnhof zum Amazon-Gelände verkehren.

„Verbesserung zu Papier gebracht“, bemerkte Wolfgang Heckel (WGA) spitzfindig. Die Pendler und die Lkw würden ja längst nicht nur die Autobahn benutzen, sondern auch über die Ueser Brücke oder in den Rotenburger Raum fahren. „Ab 14 Uhr ist die L 156 dann für Stunden dicht“, mutmaßte Heckel, der sich als einziger im Fachausschuss der Stimme enthielt. Alle anderen sagten am Ende trotz mancher Bedenken Ja zum Verkehrskonzept.

In den bisher mit den Interessenten geführten Gesprächen und Verhandlungen sei es laut Erstem Stadtrat und EVG-Geschäftsführer Bernd Kettenburg gelungen, eine Formel zu den Gestehungskosten des Grunderwerbs zu finden, die alle Beteiligten bisher zufriedenstellt und die Stadt nicht belastet. Dem Chef der Gesellschaft Entwicklung und Vermarktung von Grundflächen (EVG) sei nicht bekannt, dass Amazon bisher die Kosten öffentlicher Straßenbaumaßnahmen in der Bundesrepublik getragen hätte. 

Die EVG verfügt über das Gewerbegebiet Uesener Feld und wird von der Stadt Achim und der Kreissparkasse Verden getragen.

Deutlich mehr Unmut über die sich anbahnende Ansiedlung von Amazon und die damit verbundene Verkehrsbelastung in Achim als die Ausschussmitglieder äußerten Bürgerinnen und Bürger. „Ich möchte mir das Gutachten selbst angucken“, forderte ein Achimer. Schon vor sechs Jahren habe eine Untersuchung gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit der L 156 erschöpft sei.

Der Plan werde schon bald öffentlich im Rathaus ausgelegt, sagte Kettenburg. Dann könnten Bürger ihre Bedenken darlegen. Der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan solle im kommenden Jahr erfolgen.

Anwohner fürchten weiteren Lärm

Bewohner von Achim-Nord befürchteten durch die geplanten großen Logistikhallen in ihrer Nachbarschaft weiteren Lärm. Durch Auto- und Eisenbahn seien sie bereits genug belastet. Kettenberg dazu: „Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens und der gegebenenfalls folgenden Baumaßnahmen müssen die im Bebauungsplan festgesetzten Lärmwerte eingehalten und gegebenenfalls auch durch bauliche Lärmschutzmaßnahmen auf dem Betriebsgelände sichergestellt werden.“

Ein Investor miete das Objekt für Amazon ja nur an, wusste eine Achimerin. „Wie langfristig ist denn die Ansiedlung?“ Kettenburg sprach von einem Mietvertrag über 20 Jahre.

Ein Bürger äußerte sich aber auch positiv: „Ein Arbeitgeber, der 2000 Arbeitsplätze schafft, sichert den Wohlstand in der Region.“

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels hieß es: „Die Kosten für den Grunderwerb für die zusätzlichen Fahrbahnen würde übrigens Amazon tragen“, antwortete Bernd Kettenburg auf eine entsprechende Frage von Wolfgang Mindermann, der im Rat eine Gruppe mit der SPD bildet. „Die Stadt muss nichts bezahlen.“ 

Weiterhin wurde dem Artikel auf Bitte der EVG eine erklärende Passage zum vorgesehenen Lärmschutz hinzugefügt.

Die Anmerkungen Kettenburgs im Detail finden Sie noch einmal an dieser Stelle.

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