Kettenburg folgt Ratsbeschlüssen / Neue Ost-West-Umgehung

Stadt hat bei Ansiedlung von Amazon nun den Hut auf

Achim - Von Manfred Brodt. Nun ist es nach einem irritierenden, vom Achimer Kreisblatt aufgedeckten internen Schreiben des Bürgermeisters an die Landesregierung und Klarstellungen der Kreissparkasse Verden fast amtlich: Über die Ansiedlung eines Amazon-Logistikzentrums im Uesener Feld werden doch der Stadtrat und die Verwaltungsspitze der Stadt entscheiden und nicht nur die unabhängige Ansiedlungsgesellschaft EVG aus Stadt und Kreissparkasse.

Verwaltungsvizechef Bernd Kettenburg, zugleich Geschäftsführer der EVG, bekräftigte während der Ausschusssitzung am Dienstag (siehe Achimer Kreisblatt vom Mittwoch „Amazon-Straßenplan über die erste Hürde gehoben“), dass seine Vorgesetzten der Bürgermeister und der Stadtrat seien und er auch als EVG-Geschäftsführer deren Weisungen folgen werde, Bürgermeister Rainer Ditzfeld ließ keinen Zweifel, dass er in der Ansiedlung eines Amazon-Logistikzentrums eine „große Chance“ sieht, weil sie viele Abeitsplätze für die ganze Region und Steuereinnahmen bringen werde, die Achim für seine Schulen und Kindergärten gut brauchen könne. Auch die Fraktionen ließen keinen Zweifel, dass sie Befürworter der Ansiedlung des Online-Giganten sind, der mehr als 2000 Arbeitsplätze gerade auch für Flüchtlinge und andere schwer vermittelbare Menschen verspricht.

Bis auf Wolfgang Heckel (WGA) und Volker Wrede (CDU) zeigten sie sich überzeugt, dass die geplanten neuen Straßen und Spuren in Achim-Ost zur Autobahn 27 und zur Landesstraße Thedinghausen-Bassen sowie die vom Verkehrsgutachter so genannten kleinen Mechanismen an Ampeln und Spuren der Ueser Kreuzung den zusätzlichen Fahrzeugverkehr durch Amazon, andere Unternehmen und die allgemein wachsende Motorisierung bewältigen werden. Der Verkehr eines Großunternehmens lasse sich besser steuern als die Verkehre vieler kleiner Betriebe, meinte Verkehrsexperte Heinz Mazur. Er ist bei seinen Zahlen davon ausgegangen, dass die rund 2000 Amazon-Beschäftigten mit eigenen Wagen kommen, obwohl die erstens Fahrgemeinschaften bilden und zweitens an anderen Standorten auch in Bussen kommen. Besonders der Laster-Verkehr von Amazon geht nach Einschätzung der Experten über die Autobahn 27, rund 20 Prozent des Amazon-Verkehrs über die Ueser Kreuzung, die morgens und noch schlimmer nachmittags völlig überlastet ist und sein wird. Die Verkehrsprognose wird erstellt, obwohl noch gar nicht bekannt ist, wo die Mitarbeiter wohnen werden.

Wolfgang Heckel (WGA) wandte ein, trotz neuer Zufahrten und Spuren Richtung Autobahn kämen die vielen Fahrzeuge doch auf das „Nadelöhr Autobahn“, was wohl Staus auslösen werde.

In den regen Einwohnerfragestunden hatten Achimer-innen zu bedenken gegeben, dass Amazon sein Geschäftsmodell verändern, die Waren selbst ausliefern und Frischedienst anbieten könnte. Das würde dann die Verkehrsprognosen über den Haufen werfen.

Anwohner in Uesen und Achim fühlten sich verhöhnt, weil nach zehn Jahren Diskussion erst an der Kreuzung etwas gemacht werden solle, wenn ein Global Player komme. Erich Hommel schlug vor, die Zufahrt zum Rewe-Markt an der Ueser Kreuzung von der Verdener Straße aus vorzusehen.

Der Bürgermeisterbrief im Wortlaut

Volker Wrede und Karl-Heinz Lichter von der CDU wollen die Verkehrsproblematik auch regeln, indem die Max-Naumann-Straße im Gewerbegebiet Uesener Feld nicht Sackgasse bleibt, sondern bis zur Leipziger Straße verlängert wird. Es wäre bis zur Straße Am Freibad und perspektivisch bis zur Schwalbenstraße und Achim-West eine weitere Ost-West-Verbindung, die die Landesstraße Verden-Bremen in Uesen und Achim sowie die Nebenstraßen entlasten würde. Vor fast zehn Jahren hatte die SPD diese Verbindung zur Leipziger Straße beantragt, die CDU war dagegen. Auf Antrag von Rainer Ditzfeld (damals CDU) gab es geheime Abstimmung, bei der dann ein Sozialdemokrat mit der CDU stimmte und die Straße Sackgasse blieb. Der jetzige CDU-Antrag wurde vertagt,

Lärmprobleme durch das Logistikzentrum wird es nach Aussage des Gutachters nicht geben. Nur beim Baumarkt am Mc Donalds-Kreisel gibt es Lärm knapp über dem Grenzwert, aber hier wohnt auch niemand. Ansonsten könnten in gewissem Abstand zum Logistikzentrum sogar Altenheime und Reha-Einrichtungen gebaut werden.

248 Bäume würden für das Logistikzentrum gefällt werden, davon 233, die noch unter Baumschutz stehen. Für sie sollen neue Bäumchen nachgepflanzt werden.

Alles in allem die anfangs von Bürgermeister Ditzfeld gewünschte sachliche Diskussion. Gegen ihn waren in Vorwochen Flugblätter mit satirischen Versen verbreitet worden, telefonisch war ihm „Krieg“ um Amazon angekündigt worden.

Rubriklistenbild: © dpa

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