Fund an Badener Bahnhofstraße

Spuren aus der Steinzeit in Baugrube

Kreisarchäologin Jutta Precht und Bauherr Christian Busch weisen auf die Grabung an der Bahnhofstraße.
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Kreisarchäologin Jutta Precht und Bauherr Christian Busch weisen auf die Grabung an der Bahnhofstraße.

Achim-Baden – Über einen außergewöhnlichen Fund darf sich gegenwärtig die Kreisarchäologin Jutta Precht freuen: Auf einer Baustelle an der Bahnhofstraße in Achim-Baden wurden Rückstände von alten Feuerstellen gefunden, die mutmaßlich aus der mittleren Steinzeit stammen und damit 7 000 bis 9 000 Jahre alt sind.

Im Einzelnen handelt es sich um Holzkohlespuren, die jetzt zur konkreteren Bestimmung ins polnische Posen geschickt wurden. Dort werden sie einer Radiokarbonuntersuchung unterzogen, infolge dessen die Holzart bestimmt werden kann. „Dann kommt das wahre Alter heraus“, so Precht. Mit dem Ergebnis rechnet die Archäologin des Landkreises in etwa einem Vierteljahr.

Ausgangspunkt des Fundes ist die Auflage, dass jeder Bauherr den Kreisärchäologen in Kenntnis über sein Vorhaben setzen muss, damit sich die Behörde vor Ort ein eigenes Bild machen kann. Jutta Precht, die zunächst auf Spuren vom mittelalterlichen Baden gehofft hatte, kam, sah – und staunte nicht schlecht: „Wir entdeckten dunkle, schwarz-graue Spuren im hellen Sand, die darauf schließen ließen, dass hier einmal Feuer gebrannt haben – und diese Spuren stammten nicht etwa aus dem Mittelalter, sondern waren wesentlich älter.“ Erstaunlich war dabei vor allem, dass – im Gegensatz zu früheren, ähnlichen Funden – keine Scherben oder andere Fundstücke dabei lagen, was aber die Vermutung, dass es sich um eine sehr alte Feuerstelle handele, noch bestärkte. „Dadurch war klar, dass hier eine spezielle Sache stattgefunden haben muss, vielleicht wurde hier Fleisch geröstet oder auch Eicheln, vielleicht war dieses Gelände eine Art Herdgrube.“

Seit Freitag ist nun ein sechsköpfiges, internationales Team einer Grabungsfirma dabei, das Gelände zu untersuchen, an insgesamt 32 Stellen. Am Montagabend wurden die Arbeiten beendet. Von jedem Befund werden zwei Eimer voll nach Posen verschickt.

Schon vor dem endgültigen Ergebnis ist der Archäologin aber klar, dass dieser Fund ein ganz Besonderer ist: „Funde dieser Art habe ich in 30 Jahren gerade dreimal gehabt – so alte Spuren sind total selten, die kann man wirklich zählen.“ Ist die aktuelle Entdeckung wertvoll? „In Mark und Pfennig nicht“, sagt Jutta Precht, „sie hat aber einen hohen wissenschaftlichen Wert, so etwas ist wirklich sehr selten.“

Bei der Arbeit: Daniela Nordholz, die Chefin der Grabungsfirma.

Von den Grabungen betroffen ist auch der Bauherr Christian Busch, der gerade die Erstellung von Eigentumswohnungen an der Bahnhofstraße betreut. Für ihn ist der Fund eher ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sei es natürlich immehr erfreulich, wenn man etwas Bedeutendes entdecke, sagt Busch, andererseits hat er als „Verursacher“ – so lautet die gesetzliche Regelung – aber auch die Kosten der Grabung zu tragen. Er nimmt es aber mit Humor: Auf die Frage, ob er die Spuren auch entdeckt hätte, sagt er trocken: „Ich hätte das wahrscheinlich für einen Ölwechsel aus den 1940er-Jahren gehalten.“ Insgesamt arbeiten die Kreisärchäologin und der Bauherr nach eigenen Angaben gut zusammen, unterstützen sich gegenseitig.

Busch spricht auch einen besonderen Fund auf dem Gelände an, der aber – wie Precht schnell hinzufügt – nicht in den selben Kontext gehöre: An einer Stelle wurden verbrannte Knochen gefunden, die aber deutlich jünger sind als die Holzkohlespuren. Die Archäologin: „Ich vermute, dass dort vor ein paar tausend Jahren mal jemand bestattet wurde, aber 7 000 bis 9 000 Jahre alt sind diese Knochen definitiv nicht.“

Von Frank Schümann

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