Repair-Café ist beliebte Anlaufstelle

Spezialisten, die vielen unentgeltlich helfen

Die Dienste der Spezialisten aus verschiedensten Berufen sind gefragt: Das Repair-Café ist meist gut besucht.
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Die Dienste der Spezialisten aus verschiedensten Berufen sind gefragt: Das Repair-Café ist meist gut besucht.

Achim – „Der Akkuschrauber hat wahrscheinlich einen Wackelkontakt am Schalter“, schildert Olaf Bruns beim Besuch des Zeitungsreporters das Problem, während der ihm gegenübersitzende Gerhard Wahrenberg schon eifrig damit beschäftigt ist, den Defekt zu beheben. Er hoffe, dass das Gerät repariert werden könne, merkt der Kunde an, „denn wir schmeißen ja sowieso schon genug weg“.

Erstmals hat Bruns das Repair-Café Achim im Bürgerhaus Bierden, Auf dem Brink, aufgesucht, um dort den Schrauber mit Hilfe von Ehrenamtlichen, die über technisches Verständnis und Geschick verfügen, vor der Mülltonne zu retten.

„Es geht alles, meist“, zeigt sich Wahrenberg optimistisch, dass er den Wackelkontakt beheben kann. Der Rentner hat sich sein ganzes Leben lang in seiner Freizeit für andere ins Zeug gelegt. „Ich habe die Jugendfeuerwehr in Uphusen mit gegründet, bin dort Ortsbrandmeister gewesen, und jetzt mache ich hier beim Repair-Café mit“, berichtet Gerhard Wahrenberg.

Unterdessen verlässt Lars Hauptmann mit einem Staubsauger unter dem Arm den Raum. „Der konnte nicht mehr repariert werden“, lässt er auf Nachfrage wissen und geht. Wolfgang Tobaben, der das versucht hatte, spricht von einem „komplizierten Fall. Der Kunde hatte Ersatzteile besorgt, aber daran lag es nicht“. Tobaben, der früher als Projektleiter auf dem Feld der Netzleittechnik arbeitete, hat nach eigenen Angaben „schon immer gerne gebastelt“. Im Studium habe er damit seine Kasse aufgebessert. „Wir können hier meistens genau sagen, was das Problem ist“, sagt Wolfgang Tobaben.

Er und zehn weitere Männer bieten jeden Dienstag von 15.30 bis 17.30 Uhr ihre Dienste unengeltlich im Repair-Café an. Sie alle sind Spezialisten aus verschiedensten Berufen und decken mit ihrem umfangreichen Fachwissen und Erfahrung ein außergewöhnlich breites technisches Spektrum ab. Zu diesem gehören Reparaturen von Elektrogeräten aller Art, Radios, Fernsehern, CD-Playern, Cassettenrekordern, Computern und Zubehör, Spielekonsolen, Smartphones, Tablets, Fotoapparaten, Videokameras, Lampen, Uhren, Schmuck, Nähmaschinen, Spielzeug sowie kleinere Möbel- und Holzbearbeitungen. Außer am dritten Dienstag im Monat sind zudem zwei Schneiderinnen im Einsatz. Drei weitere Frauen kümmern sich im Wechsel um den Empfang und servieren, wenn nicht gerade Corona-Einschränkungen das verhindern, den Gästen auch gerne Kaffee und Kuchen.

Die Pandemie hat aber auch einen kleinen Vorteil. Montags ab 19 Uhr gibt es zusätzlich eine Online-Sprechstunde, zu erreichen über www.repaircafe-achim.de oder über den Direktzugang www.online.repaircafe-achim.de. „Das ist allerdings nur beratend“, schränkt Martin Staden ein. Denn Kunden dürften bei einer eigenständigen Demontage von Geräten ja keinen Schlag bekommen. „Ich habe keine Angst davor, Kameras, PC oder überhaupt Elektrotechnik aufzuschrauben“, sagt Diplom-Ingenieur Staden, der früher Schiffssimulatoren baute und inzwischen Rentner ist.

Am defekten Kaffeevollautomaten hantieren Norbert Romoth und Thomas Hagedorn.

Das von der Freiwilligenagentur im Rathaus initiierte Repair-Café hat ihm zufolge eine Erfolgsquote von 86 Prozent. Seit der Eröffnung im Januar 2018 habe das Helferteam 1 920 Reparaturen vorgenommen.

Jeden Dienstagnachmittag kämen zwischen fünf und 25 Besucher in das Bürgerhaus, überwiegend älteres Publikum. „Jüngere Leute werfen Sachen leider eher weg. Dabei ist oft nur ein kleines Teil kaputt“, fügt Staden hinzu.

Die Dienste der Helfer, die sich über kleine Spenden, etwa für die Anschaffung von Werkzeugen oder Arbeitsmitteln, freuen und vor Kurzem 1 000 Euro an Hochwassergeschädigte im Ahrtal überwiesen haben, waren auch nach monatelanger Corona-Schließung des besonderen Cafés gefragt. „Als wir im Juli wieder aufgemacht hatten, herrschte ein richtiger Reparaturstau“, berichtet Martin Staden.

Besucher schätzten das Angebot, weil damit häufig unnötiger Müll vermieden und Umweltbelastung verringert werden könne, aber sie kämen natürlich auch aus Kostengründen. „Viele sind froh, dass hier Fachleute drüber gucken, die kein Interesse am Verkauf neuer Geräte haben“, weiß der Reparateur.

Das ehrenamtliche Team ist jede Woche mit Herzblut bei der Sache. Martin Staden, der während des Gesprächs auch noch einen Kaffeevollautomaten wieder zum Laufen bringt, gerät geradezu ins Schwärmen: „Das ist der schönste Job der Welt.“

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