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Achimer Ehrenpreis an Engagierte verliehen

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Gestern Abend bekamen Achimerinnen und Achimer im Rathaus Urkunden für besonderes ehrenamtliches Engagement verliehen.

Achim - Von Michael Mix. Achimerinnen und Achimer, die sich in ihrer Freizeit in besonderem Maße für andere Menschen ins Zeug legen, wurden dafür gestern Abend von der Stadt ausgezeichnet.

Den Achimer Ehrenpreis 2017 für ehrenamtliches Engagement erhielten Hans-Hermann Hille, Lorenz Ferkau und Saskia Zwilling sowie die Gruppen „Tiere schenken Glück“, „Achimer Lesepaten“ und „Sterneneltern“. Zudem wurde Lena Meis für Zivilcourage geehrt.

Die feierliche Verleihung ging in würdiger Weise im Ratssaal über die Bühne. Neben den Preisträgern, die von einer mit Vertretern des öffentlichen Lebens besetzten Jury ausgewählt worden waren, füllten Familienmitglieder und weitere Weggefährten der Geehrten sowie der FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Gero Hocker, die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Dörte Liebetruth, Ehrenbürgermeister Christoph Rippich, Ratsmitglieder und andere geladene Gäste den Raum.

Gemeinsinn sei der Gradmesser für die moralische Temperatur in einer Gesellschaft, eröffnete Bürgermeister Rainer Ditzfeld die Veranstaltung mit einem Zitat des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog. Umso erschreckender sei es, dass immer mehr Vereine kaum noch Mitglieder für Vorstandstätigkeit fänden. „Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir Ehrenamtliche besser unterstützen können“, sagte Ditzfeld.

Extra einen Text zum Thema geschrieben

Poetry-Slamerin Dilana Yüksek, die mit ihrem Auftritt das hochwertige Unterhaltungsprogramm an dem Abend eröffnete, hatte extra einen Text zum Thema „Ehrenamt“ geschrieben. Mit dem tiefsinnigen Beitrag brachte sie zum Ausdruck, welch unbezahlbares Geschenk es ist, wenn Leute Zeit und Kraft für ihre Mitmenschen hergeben.

Der freiwillige Einsatz für andere sei alles andere als selbstverständlich, betonte auch Bernd Junker in seiner Festrede. „Wir machen uns vielfach keine Gedanken darüber, wenn wir den Bürgerbus nutzen oder die Freiwillige Feuerwehr rufen“, erläuterte der Ratsvorsitzende. Mit der Preisverleihung am internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember bekunde die Stadt ihre Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den ausgewählten Personen und Gruppen.

Bevor Laudatoren das jeweilige Engagement würdigten, erfreute noch Mayura Datta das Publikum mit ihrem Gesang. Die Künstlerin, die auch schon in der Elbphilharmonie in Hamburg auftrat, bezauberte die Zuhörer im Laufe des Abends noch öfter mit ihrer schönen Stimme.

Für Aufsehen im Showprogramm sorgten auch die „Die Schlitzohren“. Die Achimer Kabarettgruppe gab zum Besten, dass die Unesco den Lieken-Turm zum Weltkulturerbe erklärt habe und deshalb dort nun für die vielen Schaulustigen im Umfeld eine Aussichtsplattform und ein Amphittheater gebaut werden sollen. Sogar ein „Simonspilgerweg“ gehört mit zum touristischen Konzept.

Arbeit mit Strafgefangenen

Hans-Hermann Hille, der Gründer der „Schlitzohren“ , spielte bei diesem Theater ausnahmsweise nur eine Nebenrolle. Für ihn war im Ratssaal Größeres vorgesehen. Die „echte Rampensau“ zeige abseits der Bühne vielfältiges soziales Engagement und leiste Hilfe „im Stillen“, sagte Laudator Andreas Möller, der selbst in der Kabarettgruppe mitmischt. Hille (77) arbeitet zum Beispiel seit vier Jahren ehrenamtlich mit jugendlichen Strafgefangenen in Bremen-Oslebshausen, begeistert sie für das Theaterspiel und eröffnet ihnen so die Möglichkeit, sich auf eine für viele von ihnen neue Weise auszudrücken. „Wir haben erstmals einen Preisträger mit Knasterfahrung“, witzelte Möller und erntete dafür eine Menge Lacher.

„Viele werden sich jetzt fragen, wer ist Herr Ferkau?“, begann Dieter Haase seine Lobrede auf den nächsten Preisträger. Aber „Lorenz“ sei vielen in Achim ein Begriff. Mit Fahrrad und Helm ist er häufig in der Stadt anzutreffen und geht auf die Leute zu. Lorenz Ferkau (61), der seit 2001 in einer Wohngemeinschaft der Stiftung Waldheim in Achim lebt, packe bei Festen und anderen Veranstaltungen gerne mit an, sagte das Vorstandsmitglied der Einrichtung und fügte hinzu: „Er hat für viele Menschen mit Beeinträchtigungen Türen geöffnet.“

Mit Saskia Zwilling (18) werde endlich mal das Wirken eines jungen Menschen gewürdigt, stellte Laudator Dominik Lerdon in seiner Rede heraus. Im Gymnasium am Markt habe sich die Badenerin bereits in der achten Klasse als Schülersprecherin für die Interessen ihrer Mitschüler eingesetzt, berichtete der Leiter der Liesel-Anspacher-Schule. Seit August 2016 ist Zwilling Sprecherin des Stadtschülerrats und hat Sitz und Stimme im Schulausschuss des Stadtrats.

Mit Tieren Freude schenken

„Tiere schenken Glück“. Diesen Vereinsnamen setzen Mitglieder in die Praxis um, indem sie mit Hund, Katze oder Kaninchen Menschen in Altenheimen, Schulen oder Behinderteneinrichtungen besuchen und auch Sterbende begleiten. Hunde wie „Baku“ und „Mala“, die Susanne Rechten und Rebecca Krüger mit in den Ratssaal gebracht hatten, zauberten Einsamen ein Lächeln ins Gesicht und schenkten ihnen Geborgenheit, zeigte stellvertretender Bürgermeister Rüdiger Dürr auf.

„In vielen Familien wird heutzutage leider nicht mehr vorgelesen“, beklagte Dr. Stephan Leenen. Der Leiter der Stadtbibliothek hob hervor, dass die Bücherei seit zehn Jahren ehrenamtliche Lesepaten im Einsatz hat. Woche für Woche lesen sie Kindern in Kindergärten und Grundschulen vor und ebnen den Weg in die deutsche Sprache und die Fantasiewelt Buch.

Die Selbsthilfegruppe der Sterneneltern in Achim begleitet Familien, deren Kinder vor oder bei der Geburt gestorben sind. Stefanie Gebers, Kerstin Flato und Jennifer Wilman unterstützen betroffene Eltern bei der Trauerarbeit und sind auch bei Messen und Gesundheitstagen präsent. „Ein Kind zu verlieren, ist für viele Eltern ein Trauma“, unterstrich Heike Hansmann von der Kontaktstelle für Selbsthilfe.

Den Preis für Zivilcourage bekam Lena Meis überreicht. Die 24-Jährige hatte sich, wie Achims Polizeichef Thorsten Strier informierte, drei jungen Männern, die ihr Fahrrad stehlen wollten, mutig in den Weg gestellt.

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