Investor lässt auf Wührmann-Gelände Bäume fällen / Anwohner sprechen von Kahlschlag

Spechte, Eulen – und der Borkenkäfer

Auf dem ehemaligen Wührmann-Gelände mussten Anfang der Woche zahlreiche Bäume weichen.
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Auf dem ehemaligen Wührmann-Gelände mussten Anfang der Woche zahlreiche Bäume weichen.

Achim – Erneut sind auf dem ehemaligen Wührmann-Gelände in Bierden zahlreiche Bäume gefällt worden. „Das war zwei Tage lang Radikalschlag“, sagt eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden will. Sie und viele andere Nachbarn seien von der Fällung überrascht worden – und irritiert angesichts der vielen gerodeten Bäume.

Die Eigentümerin der Fläche, die Kämper Wald Wohnpark GmbH, die zur Specht-Gruppe gehört, hatte die Presse am Freitagnachmittag vor einer Woche über das Vorhaben informiert und als Gründe Verkehrssicherheit und Gefahrenabwehr genannt. Wegen des Feiertags erschien die Meldung erst am Montag in der Zeitung – zeitgleich rückten die Bauarbeiter an. „Zur Bierdener Kämpe steht kein Baum mehr, und zum Steinweg hin nur noch fünf oder sechs. Wir hatten hier Buntspechte, Schleiereulen und Eichhörnchen. Warum macht man das alles platt, wenn es noch gar keinen Bebauungsplan gibt?“, fragen sich die Anwohner.

Dem stimmt auch der Bierdener Werner Wippler zu. Ob die Bäume tatsächlich wegen der Verkehrssicherheit weichen mussten oder „ob hier durch Abholzung nur Tatsachen geschaffen werden sollen, wegen der Absicht, künftig Baumaßnahmen vorzunehmen, ist zu prüfen“, sagt er. „Was macht die Stadtverwaltung eigentlich? Wird hier richtig geprüft? Seit Jahren werden hier, in dem Flächennutzungsplan der Stadt als Wald ausgewiesenem Gebiet, immer wieder Bäume entfernt. Es wird vom Eigentümer darauf hingewiesen, dass an anderer Stelle neue Bäume angepflanzt werden. Auf welcher Fläche stellt sich die Frage.“

Generell habe es schon immer die Absicht gegeben, das Grundstück zu entwickeln, erklärt Steffen Zorn, im Rathaus Fachbereichsleiter für Bauen und Stadtentwicklung, auf Anfrage und betont, dass es sich auch seit jeher um ein Privatgrundstück handele. Es bestehe zurzeit kein Bebauungsplan für das Areal, und der Flächennutzungsplan weise das Gebiet als Wald aus. Und deshalb gelte dort auch nicht die städtische Baumschutzsatzung, sondern das niedersächsische Waldgesetz. Das bedeutet konkret: Die Stadt hat keine Handhabe einzuschreiten. „Der Eigentümer darf den Wald bewirtschaften und auch fällen“, sagt Zorn. Allerdings müsse er innerhalb von drei Jahren auf dem Gelände für Ersatzpflanzungen sorgen. Laut Zorn obliegt es dem Landkreis zu überwachen, dass die Fristen für die Aufforstung eingehalten werden.

Der Wald sei in die Jahre gekommen, berichtet der Fachbereichsleiter. In der Vergangenheit habe es bereits Fällaktionen gebeben, unter anderem wegen starken Borkenkäferbefalls. Insgesamt sei die Stadt aber „nicht glücklich“ darüber, wie die jüngste Fällung gelaufen sei. „Wir waren genauso überrascht wie der eine oder andere Nachbar. Da wurden Tatsachen geschaffen“, so Zorn. Es wäre klüger gewesen, die Öffentlichkeit und die Stadt stärker einzubeziehen. „Der Ablauf war nicht abgestimmt. Das hat uns kalt erwischt, uns war der Termin schlicht nicht bekannt.“

Der Investor erreiche mit dem Kahlschlag nicht, wie bei einigen Anwohnern befürchtet, den Freifahrtschein für eine Bebauung, erläutert Zorn, denn schließlich müsse der Wald an gleicher Stelle wieder aufgeforstet werden. „Erst muss die Politik Planungsrecht schaffen, dann kann der Investor anfangen zu handeln. Aber erst muss der Stadtrat beurteilen, ob er dort eine Bebauung will.“

Mike Hemmerich, Geschäftsführer der Specht- Gruppe, erklärte auf Anfrage, er könne nachvollziehen, dass die Veränderungen auf dem Grundstück irritierend wirken. „Aber aufgrund des Borkenkäferbefalls hatten wir keine andere Wahl. Uns macht es auch keinen Spaß, Bäume zu fällen.“

Das sei auch 2019 der Fall gewesen, als die Specht-Gruppe Hemmerich zufolge erstmals Arbeiten aufgenommen habe. „Durch die extreme Dürre in den letzten Jahren können sich selbst gesunde Bäume nicht mehr gegen den Borkenkäfer wehren. Ist ein Baum davon befallen, gibt es leider keine andere Möglichkeit, als ihn zu entfernen, um den Gesamtbestand zu retten.“ Deshalb habe sich die Entnahme der Bäume nicht nur auf den Randbereich, sondern auch auf die Mitte des Grundstücks erstreckt.

Seit September sei die Specht-Gruppe mit der Stadt im Austausch zu diesem Thema. Im Oktober habe es sogar eine gemeinsame Begehung gegeben. „Dass die Stadt nicht über den genauen Beginn der Arbeiten informiert wurde, tut uns leid“, so der Geschäftsführer.

Die Ersatzpflanzungen finden Hemmerich zufolge demnächst statt und sollen gemäß Waldgesetz mit der zuständigen Behörde abgestimmt werden.

Wie es mit dem Areal weitergehe und was dort entwickelt werden solle, stehe noch nicht fest.

Von Sandra Bischoff

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