Geomagnetik erlaubt Archäologie ohne Ausgrabung / Feldforschung bei Uphusen

Spaten bleibt erstmal im Schrank

Der Magnetometer misst mit seinen Sonden Veränderungen im Erdreich.
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Der Magnetometer misst mit seinen Sonden Veränderungen im Erdreich.

Achim – Ein Pflug oder eine Egge mit GPS-Gerät obendrauf? Ein Radfahrer wunderte sich über den seltsamen Anhänger, den eine Art Mini-Traktor auf einem abgeernteten Acker an der Bollener Landstraße an der Ecke zum Klinkdamm hinter sich her zog. Mit Landwirtschaft hatte die Aktion am Donnerstag allerdings allein hinsichtlich der Fläche zu tun. Archäologen waren auf dem Feld zu Gange. Sie untersuchten eine 2 000 Jahre alte weitgehend unerforschte Siedlung bei Uphusen mit Hilfe der Geomagnetik.

„Das physikalische Verfahren, das Anomalien im Boden misst, ermöglicht Archäologie auch ohne Ausgrabung“, erläuterte Dr. Annette Siegmüller beim Pressetermin vor Ort. Sie und weitere Mitarbeiter des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung aus Wilhelmshaven werten später die Messdaten aus und können dabei verborgene historische Spuren in der Erde, von der Abfallgrube bis zum Haus, entdecken.

Zunächst einmal musste jedoch ihr Kollege Jens Lühmann schweißtreibende Feldarbeit betreiben. Bei tropischer Hitze tuckerte er mit einem Quad über den gesamten riesigen Acker. Im Schlepptau hatte er einen Magnetometer, an dem wiederum hingen Sonden, „die Veränderungen im Erdreich messen“, wie Lühmann auf Nachfrage erklärte. Der Laptop neben dem Lenkrad zeige die gefahrenen Bahnen an, bilde aber keine archäologischen Ergebnisse ab.

Aber wie kam das Institut überhaupt auf den Acker bei Uphusen? Ein Bremer Hobbyarchäologe habe in den 80er-Jahren alte Scherben auf Feldern rund um die Hansestadt gesammelt, klärte Dr. Jutta Precht, Kreisarchäologin des Landkreises Verden, beim Pressegespräch auf. „Die gab er dann kistenweise bei uns ab. Es stellte sich heraus, dass die Scherben aus der römischen Kaiserzeit vor rund 2 000 Jahren stammten.“

Auf einem Luftbild von Google Earth habe das Institutsteam „auffällig helle Streifen“ auf Äckern nahe der Bollener Landstraße im Bereich der Autobahnüberführung ausgemacht, ergänzte Siegmüller. „Keramikstreuung und Wasserläufe deuten auf eine frühe Siedlung hin.“

Mit dem Magnetometer sollen ihr zufolge „mindestens 18 der 27 Hektar“ Untersuchungsfläche erfasst werden. Die moderne Technik, die eine zweidimensionale Darstellung liefert, aber keine Tiefenangabe, wird die klassische Archäologie jedoch nicht komplett ersetzen. Handarbeit mit Spaten könnte nahe der K 1 schon bald gefragt sein. „Sollten wir bei der Auswertung etwas finden, werden wir zielgerichtet graben“, sagte Siegmüller. „Wir wollen ja nichts unnötig zerstören.“

Das Institut für historische Küstenforschung habe seine Aktivitäten aus gutem Grund längst auch aufs Landesinnere ausgedehnt, merkte Annette Siegmüller noch an. „Das Gebiet zwischen Bremen und Verden mit den beiden Flüssen Weser und Aller ist ein total spannender Forschungsraum.“

Von Michael Mix

Ackern für die Archäologie: Kreisarchäologin Jutta Precht (links) und Annette Siegmüller (historische Küstenforschung).

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