Vor dem Ruhestand

Stadtplanerin Angelika Steinbach: „Spannender Job, ich gehe mit Wehmut“

Das letzte Projekt von Angelika Steinbach war die Planung für das Lieken-Gelände. Foto: mix
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Das letzte Projekt von Angelika Steinbach war die Planung für das Lieken-Gelände.

Achim - Wenn Angelika Steinbach am Freitag im Rathaus in den Ruhestand verabschiedet wird, darf sie mit mehr als pflichtschuldigem Lob für ihre fast drei Jahrzehnte währende Tätigkeit als Stadtplanerin rechnen. Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Fachbereichsleiter Steffen Zorn werden den Einsatz der 65-Jährigen, die an vielen Stellen in Achim gestalterische Spuren hinterlassen hat, im Kreis der Kollegen zu würdigen wissen. In der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses bedankte sich bereits Vorsitzende Petra Geisler (SPD) unter dem Beifall der anwesenden Kommunalpolitiker für das „hervorragende Engagement“ Steinbachs, die ihre Aufgabe in der Verwaltung mit „viel Herzblut“ wahrgenommen habe.

„Es war ein spannender Job. Ich gehe mit ein bisschen Wehmut“, gibt Angelika Steinbach im Gespräch mit dieser Zeitung preis. Aber ihr Herz schlägt in diesen Tagen des Abschiednehmens vom Berufsleben auch für den Karneval, denn die Wahl-Bremerin ist in Düsseldorf geboren und aufgewachsen. „Ja, ich bin eine rheinische Frohnatur.“

Steinbach verschlug es jedoch schon gleich nach der Schulzeit in den Norden. An der Hochschule für Technik in Bremen studierte sie Architektur und arbeitete anschließend als angestellte Architektin in der Hansestadt. Für zwei Jahre kehrte die junge Frau dann nach Düsseldorf zurück, um dort an der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans für ihre Heimatstadt mitzuwirken. „Das war wohl ein Stück weit meine Eintrittskarte für die von der Stadt Achim ausgeschriebene Stelle eines Stadtplaners, einer Stadtplanerin“, sagt Steinbach, die am 1. Oktober 1991 loslegte – im alten Badener Rathaus, wo bis zur Einweihung des Verwaltungsgebäudes in der Fußgängerzone der Planungsbereich und das Hochbauamt residierten. Auch in Achim ging es darum, den F-Plan zu aktualisieren. „Hassel-Ost sollte danach mit einem Mix aus Gewerbe und Wohnen entwickelt werden“, nennt sie ein Beispiel, „aber es ist ja anders gekommen“.

Kurz vor der Jahrtausendwende nahm Angelika Steinbach ihr größtes und längstes Projekt in Angriff: die Sanierung des Magdeburger Viertels. Die sie fast bis zum Schluss ihrer Arbeit begleitende Herausforderung, ein heruntergekommenes Getto, einen in Verruf geratenen Stadtteil, in ein lebenswertes Quartier zu verwandeln, bezeichnet sie auch als „Experimentierfeld für die Zusammenarbeit von Stadtplanung und Sozialbereich. Wir haben gegenseitig voneinander gelernt“. Mit dem sogar von der EU geförderten Programm „Soziale Stadt“ sei es gelungen, Betonklötze wie das marode Servicehaus abzureißen und eine neue, grüne Quartiersmitte mit Kindergärten, Ganztagsschule, erweitertem Bürgerzentrum und anderer Infrastruktur zu schaffen. „Das Zusammenleben der Menschen funktioniert dort heute besser“, freut sich Steinbach und fügt hinzu: „Mir hat diese Arbeit sehr viel Spaß gemacht, auch weil die Politik einstimmig dahinter stand.“

Weitere große Betätigungsfelder fand die Planerin in Uphusen. Über einen städtebaulichen Wettbewerb entstand das Wohngebiet Hilgenberg-Ost mit seiner fingerartigen Bebauung. Auf dem Bakenberg galt es, das frühere Fabrikgelände der Firma Reiners zu gestalten. Die zwischen den „Lärmriegeln“ entlang der Bahnstrecke und der Uphuser Heerstraße gebauten Kettenhäuser hält Steinbach für „gelungen“. Das Gleiche sagt sie über die „hofartige Anlage der Gebäude“ auf dem Heuberg.

Bei der „schwierigen Innenstadtentwicklung“ habe sich der Ampeln ersetzende Kreisel bei Gieschen als hilfreich für den Verkehrsfluss erwiesen. „Dabei wäre der fast am Widerstand von Bürgern gescheitert.“

Ihr letztes Vorhaben, das im Rathaus unter dem Titel „Nördliche Innenstadt“ läuft, habe sie leider nicht mehr zu Ende bringen können, bedauert Steinbach, aber immerhin angeschoben. „Mein Ziel war es, das Planungsrecht auf den Weg zu bringen, und das habe ich erreicht.“ Die Bebauung des Lieken-Geländes werde der Stadt an zentraler Stelle ein „urbanes Gesicht“ geben. Die aus dem Amt scheidende Planerin hofft, dass Leute, die in einigen Jahren mit dem Zug durch Achim fahren, sagen: Oh, hier muss ich mal aussteigen!

Angelika Steinbach wird das sicherlich in ihrem Ruhestand machen. Ihren Wohnsitz verlegt sie von Bremen nach Oldenburg. „Ich werde in die Nähe meiner Tochter und den zwei kleinen Enkelkindern ziehen.“ Natürlich wird sie auch das Rheinland besuchen, nicht nur zur Karnevalszeit. Ihr Sohn wohnt in Köln. „Auch da gibt es tatsächlich schöne Ecken“, grinst die Düsseldorferin.

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