Ausstellungseröffnung zum 100-jährigen Bestehen der Arbeiterwohlfahrt

Soziales Engagement als Triebfeder

Der Kreisvorsitzende Fritz-Heiner Hepke (l.) und Reiner Aucamp eröffnen die Ausstellung. FotoS: HÄgermann

Achim - Von Bernd Hägermann. Als 1919 die Schlachten des Ersten Weltkriegs geschlagen, alle Opfer gezählt und die Zeiten für viele Menschen von bitterer Armut geprägt waren, gründete sich die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die sich der sozialen Fürsorge zunächst vorrangig der Arbeiterschaft annahm. Von Beginn an war die erklärte Absicht, nicht Almosen zu verteilen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe all jenen anzubieten, die dem Elend der Nachkriegszeit aus eigener Kraft entfliehen oder wieder soziale Kontakte knüpfen wollten. Bis heute ist das soziale Engagement die Triebfeder der Awo.

Mit der Eröffnung einer Ausstellung im Rathaus, die auf Stellwänden die Geschichte des Vereins zeigt, wurde am Samstagvormittag ein 100 Jahre andauerndes Engagement gewürdigt, das in der Gegenwart wieder an Aktualität gewonnen hat.

Zur Ausstellungseröffnung sprach Fritz Heiner Hepke, Vorsitzender des Kreisverbands. In seiner Rede skizzierte er die Anfänge, als das SPD-Mitglied Marie Juchacz mit Gleichgesinnten die Awo als Hauptausschuss für die Arbeiterwohlfahrt in der SPD gründete. „Juchacz wollte durch das Einrichten von Nähstuben, Mittagstischen, Werkstätten zur Selbsthilfe und Beratungsstellen die Not der im Ersten Weltkrieg geschädigten Menschen lindern“, erklärte er bei der Eröffnung der Ausstellung.

Mit der Machtübernahme der Nazis begann eine düstere Zeit – auch für die Awo. Sie wurde aufgelöst und verboten. 1946 gründete sie sich in Hannover als unabhängig von Parteien und Konfessionen neu. Nicht zugelassen war sie in der DDR. „Erst nach der Wiedervereinigung gab es die Awo wieder im gesamten Deutschland“, sagte Hepke, der in diesem Zusammenhang an das Motto erinnerte: Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Die Arbeit für den Wohlfahrtsverband findet hauptamtlich sowie ehrenamtlich statt.

Derzeit hat der Verein 330 000 Mitglieder und 212 000 hauptamtliche Mitarbeiter: „Damit ist die Awo einer der großen Arbeitgeber in Deutschland“, so Hepke. Die Arbeit werde geleistet in Heimen, Tagesstätten für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen, in Beratungsstellen, ambulanten Diensten, Altenheimen, Wohngemeinschaften für Behinderte, in Wohnheimen, Kureinrichtungen oder anderen Institutionen. „Das Hauptaugenmerk liegt nach wie vor bei der Betreuung von sozial schlechter gestellten Menschen.“ Zu tun gibt es genug. Gleichwohl hat die Awo ein Zukunftsproblem.

Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 75 Jahren. „Awo-Familien“ wie die von Kreisverbandsgeschäftsführerin und Badener Ortsverbandsvorsitzenden Dagmar Guse und ihrem Ehemann Manfred sind die Ausnahme. Denn Enkelin Paula Gärtner ist Mitglied seit dem Tag ihrer Geburt.

Für die Stadt sprach zur Ausstellungseröffnung der stellvertretende Bürgermeister Reiner Aucamp. Er lobte die Arbeit der vier Ortsvereine Achim, Baden, Bierden und Uphusen und zeigte sich dankbar über die „tollen Angebote“ des Vereins: „Ich bin sehr froh, dass Mitmenschlichkeit und Gemeinsinn in unserer Stadt einen hohen Stellenwert haben und sich viele Bürger für andere engagieren.“

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