Emma Hooper und Charlie Williams bieten Autorenlesung und Musik im Familiengarten in Oyten

Auf Socken das Publikum verzaubert

Emma Hooper verzauberte das Publikum mit Stimme und Charme und verzichtete dabei auf störendes Schuhwerk. - Foto: kr

Oyten - Spontaneität bewiesen Oytener Kunstfreunde am vergangenen Donnerstag leider nicht, als im Rahmen der Musikreihe „Songs & Wispers“ wegen eines ausgefallenen Konzerts in Harsefeld das englische Duo Charlie Williams und Emma Hopper im Familiengarten gastierten. Nur ein kleines aber feines Publikum war anwesend, was der Qualität der Darbietung allerdings nicht schadete.

Nach der Begrüßung durch Diakon Hendrik Becker und Veranstalter Heino Groin war es zunächst Charlie Williams, der unter dem Künstlernamen Larkhall mit großem Erfolg „Piano-Pop für denkende Menschen“ zum Besten gab. Mit einer beeindruckenden, eher leisen Stimme sang er Stücke aus seinem Soloalbum und begleitete sich dabei auf dem E-Piano, wobei er als ehemaliger Konzert-Pianist und Filmmusik-Komponist eine instrumentale Fingerfertigkeit bewies.

Einfühlsam verband Williams Gospel-Szenarien, ein bisschen Klassik zu einem hörenswerten Ganzen, wobei er unkonventionelle Spielereien, wie das Geräusch eines Zuges als Hintergrund-Sound einbaute. Mit Cover-Versionen, etwa von Guns ‘n’ Roses „Sweet Child of mine“, und anderen, vom Publikum großzügig beklatscht, zeigte er die Bandbreite seines Könnens. Mit großer Spielfreude erzeugte er Klänge, die in Oyten sonst eher selten zu Gehör gebracht werden.

Emma Hooper, gebürtige Kanadierin, steht ihrem Lebensgefährten Williams in Kreativität nicht nach. Im Gegenteil, sie brilliert neben ihrer Musik, für die sie gleich mehrere Instrumente beherrscht und ihre einprägsamer Stimme wirkungsvoll einzusetzen weiß, auch als Schriftstellerin. Um das richtige Bühnen-Feeling zu haben, entledigte sie sich zunächst ihrer Schuhe, um dann auf Socken zur Geige zu greifen. Ihre Songs handeln von Dinosauriern, die mit ihren dicken Panzern die Erde bevölkert haben und von elfenhaften Fruchtfliegen, die so zart und durchsichtig das krasse Gegenteil dazu darstellen. Virtuos ahmte sie auf ihrem Instrument die Laute der Tiere nach und ließ diese vor dem geistigen Auge des Publikums lebendig werden.

Auch wer im Publikum der englischen Sprache nicht ganz so mächtig war, konnte die Inhalte der Liedtexte nachvollziehen und sah sich berührt von der musikalischen Betrachtungsweise der Künstlerin, die auch mit Größen wie Peter Gabriel zusammen arbeitet. An ihrer Loop-Station am E-Piano sang sie quasi mit sich selbst, was den Eindruck erweckte, es stünden mehrere Sängerinnen auf der improvisierten Bühne.

Charmant streute sie ein paar deutsche Brocken ein und griff dann zu ihrem Buch „Etta und Otto und Russel und James“, für das sie 2014 internationale Anerkennung erhielt. Es handelt von der 83-jährigen Etta aus Saskatchewan, ihren Ehemann Otto, ihrem Freund Russel und dem Kojoten James. Etta wollte unbedingt das Meer sehen und dafür auf Reisen gehen. Otto fuhr nicht mit, wohl aber Russel und James, die sie nicht allein lassen wollten. Emma Hooper lässt in dem Buch viel kanadische Geschichte aus der Sicht der alten Leute einfließen und spart dabei die Biografien ihrer Großeltern nicht aus, bei denen sie in ihrer Kindheit viel Zeit verbrachte.

Zwischen den einzelnen Darbietungen kümmerten sich beide Künstler abwechselnd um ihren vier Monate alten Sohn, der die beiden auf ihrer Konzertreise begleitet. Bei den Parts als Duo bewiesen Hooper und Williams eine Virtuosität, die ganz großes Publikum verdient gehabt hätte. - kr

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