Fachstelle Sucht kümmert sich verstärkt auch um Medienabhängigkeit

„Smartphone wird zum Körperteil“

Kerstin Dohmeyer-Mehlan, Heike Gronewold und Regina Haack (v.li.) von der Fachstelle Sucht und Suchtprävention. Alkohol, illegale Drogen und Glücksspiele stehen oben in der Suchtskala.

Achim - 551 Menschen haben 2016 die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Kirchenkreises Verden in der Achimer Feldstraße oder am Verdener Anita-Augspurg-Platz aufgesucht. 481 kamen erstmals, 458 Menschen konnten wieder aus der Behandlung entlassen werden. Das berichteten die Leiterin der Fachstelle Heike Gronewold, Stellvertreterin Kerstin Dohmeyer-Mehlan und Suchtberaterin Regina Haack jetzt beim Pressegespräch in Achim.

Die häufigste Sucht ist und bleibt nach der Statistik der Alkohol. 42 Prozent der Klienten sind davon betroffen. Auf Alkohol folgen illegale Drogen (17%) und Glücksspielsucht (5,6%).

Berufsschüler viermal mehr gefährdet als Gymnasiasten

In der Statistik fehlen sowohl die Essstörung als auch die Abhängigkeit von Medien, denn die zahlreichen Menschen mit Essstörungen werden ärztlich behandelt. Die Medienabhängigkeit zählt offiziell noch nicht als Sucht, weil sie schwer zu diagnostizieren ist. Sie ist aber auch für die Fachstelle eine große Herausforderung, da für sie wie auch Eltern noch keine Erfahrungswerte aus den letzten Jahrzehnten vorliegen.

Die Fachstelle versucht, mit verschiedenen Projekten, dem unkontrollierten Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken. Regina Haack war beispielsweise mit dem Projekt „Alles auf Empfang“ in 23 Berufsschulklassen. Diese Besuche sind besonders wichtig, da Berufsschüler viermal mehr als Gymnasiasten gefährdet seien, was die Mediensucht betreffe, sagt Sozialpädagogin Haack. Auffällig ist, dass die Abhängigkeit der Mädchen laut Statistik sich seit 2011 verdoppelt hat. Mädchen seien von sozialen Netzwerken stärker abhängig als Jungen. „Das Smartphone ist wie ein zusätzliches Körperteil und wird zum neuen Normalen“, beschreibt Regina Haack plastisch.

Mediennutzung maximieren bei gleichzeitiger Risikominimierung

Das bestätigt auch eine Studie von Kinderärzten. Demnach benutzen 70 Prozent der Kita-Kinder die Smartphones ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde pro Tag. Das kann auch zu motorischer Hyperaktivität und Sprachentwicklungsproblemen führen.

Haack weist in diesem Zusammenhang daraufhin hin, dass ein Smartphone kein Telefon, sondern vielmehr ein Computer in Hosentaschenformat ist. Trotzdem lehnt die Fachstelle Medien bei Kindern und Jugendlichen nicht kategorisch ab. Ziel sei es, die Nutzung von Medien zu maximieren und die Risiken zu minimieren.

Ein ganz neuer Bereich wurde von der Fachstelle Sucht und Suchtprävention ebenfalls geschaffen. Seit 2016 gibt es das Ambulant betreute Wohnen, das besonders für suchtkranke Klienten mit körperlicher Behinderung gedacht ist. Regina Haack stellt dazu fest: „Helfen im Alltag ist die erste Motivation, um sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen“.

Die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Kirchenkreises Verden bietet jeweils donnerstags 13 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde ohne Anmeldung in Achim (Feldstraße 2) und Verden (Anita-Augspurg- Platz 14) an. Vertraulichkeit ist natürlich garantiert.

max

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